Steter Tropfen höhlt den Stein

 Symbolisch erhielt Prof. Dr.-Ing. Jürgen Jensen von der Universität Siegen (l.) gestern den Schlüssel zur alten Mühle in Womelsdorf von Bernd Föllmer (Bildmitte) und Achim Wickel (r.). Foto: Timo Karl
  • Symbolisch erhielt Prof. Dr.-Ing. Jürgen Jensen von der Universität Siegen (l.) gestern den Schlüssel zur alten Mühle in Womelsdorf von Bernd Föllmer (Bildmitte) und Achim Wickel (r.). Foto: Timo Karl
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tika - Die Schlüsselübergabe war nur noch Formsache. Und dennoch war es am Donnerstag für Prof. Dr.-Ing. Jürgen Jensen noch etwas ungewohnt, die stählerne Tür am Wasserkraftwerk an der alten Mühle in Womelsdorf abzuschließen. Der Lehrstuhlinhaber Hydromechanik, Binnen- und Küstenwasserbau an der Universität Siegen besiegelte damit die Kooperation mit den beiden Initiatoren des Projekts in der Edergemeinde, Bernd Föllmer und Achim Wickel. „Wir sind wirklich froh, dass sich dieser Kontakt entwickelt hat. Wir waren auf der Suche nach einem Standort für unsere Experimente. Mit dieser Zusammenarbeit haben wir nun die große Chance, endlich vor Ort arbeiten zu können“, konstatierte der Wissenschaftler.

Tatsächlich könnte die Kooperation sowohl aus akademischer Sicht, vor allem aber auch aus Sicht der Mühlenbesitzer eine Basis für eine erfolgversprechende Zukunft sein. Geplant ist eine Reaktivierung des Mühlenstandortes Womelsdorf zur Erforschung neuartiger Wasserkrafttechniken. Es geht darum, Klimaschutz und nachhaltige Energieentwicklung zu forcieren – und damit ist auch die sprichwörtliche Brücke zum Leader-Programm geschlagen. Die Verantwortlichen wollen sich um entsprechende Fördergelder für die Umsetzung bewerben. Träger des Projekts sollen die Hydrostrom Wittgenstein GmbH sowie das Forschungsinstitut Wasser und Umwelt der Universität sein.

Eines der Hauptziele ist dabei die Errichtung eines dauerhaften Versuchstands zur Untersuchung und Weiterentwicklung sowohl von neuartigen als auch altbewährten Wasserkrafttechniken im Bereich der kinetischen Energieumwandlung. Auf diese Weise würde die Weiterentwicklung der Klimaschutz-Technologien direkt aus Wittgenstein heraus betrieben. „Unser Lehrstuhl versteht sich gewissermaßen als Vertreter und Anwalt der Wasserkraft. Es ist nur ein bisschen bewegtes Wasser notwendig, um Strom zu erzeugen – jeder Tropfen stellt Energie dar“, machte Jürgen Jensen deutlich. Dabei ist es nicht notwendig, das Wasser zu verunreinigen oder verändern, es muss schlichtweg durch das entsprechende Kraftwerk fließen.

Die installierte Francis-Turbine mit einer Leistung von 34 Kilowatt könnte theoretisch den gesamten Energiebedarf des Ortsteils Womelsdorf abdecken – für die Turbine selbst ist eine Lebensdauer von 80 Jahren angegeben. Dies belegt das große Potenzial, das die Wasserkraft grundsätzlich hinsichtlich der vielzitierten Energiewende bietet. „Wasserkraft ist eine hocheffiziente Technologie. Im Gegensatz dazu muss man dann gesamt- und volkswirtschaftlich einmal kritisch hinterfragen, ob das auch für andere Technologien gilt. Wenn die Produktion mehr Energie verbraucht, als das Produkt generiert, ist das fragwürdig – das gilt beispielsweise für Photovoltaikanlagen“, konstatierte der Wissenschaftler.

Um dieses Potenzial einer Technologie, die bislang keine große Lobby hat, einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen, ist unter anderem ein Tag der offenen Tür in der Mühle geplant – steter Tropfen soll den Stein höhlen. „Wir wollen nicht im kleinen Dunstkreis operieren, sondern der Öffentlichkeit sowohl die Historie des Standorts als auch die Zukunft der Technologie transparent machen. Dabei geht es auch darum, anderen Menschen den Mut zu machen, weitere Standorte zu aktivieren oder zu reaktiveren“, erklärte Achim Wickel im Rahmen eines Pressegesprächs.

„Wir müssen den Menschen die Technik begreifbar machen. Ohne Wasserkraft wäre unsere gesellschaftliche Entwicklung nicht möglich gewesen“, ergänzte Bernd Föllmer im Hinblick auf die 5000 Jahre alte Technik. Genau dieser Technik wollen die Verantwortlichen neues Leben einhauchen. Denn künftig will Jürgen Jensen den Standort gemeinsam mit seinen Studenten zur Forschung nutzen. Dazu braucht es jedoch eine Zukunft, eine Zustimmung auf breiter Basis. Andernfalls bliebe das stählerne Tor zum Wasserkraftwerk wohl früher oder später dauerhaft verschlossen – und die Turbine deaktiviert.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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