„Weil Jesus dich liebt“

 Das Meer bei Kailua Kona – für Lisa Marie Peter der Lieblingsplatz überhaupt. Foto: Vivienne Marcheel Fotografiert Lisa Marie Peter Menschen wie diese Frau auf der Insel Ebeye, legt sie Wert darauf, dass sich im Bild Würde und Schönheit spiegeln. Foto: Lisa Marie Peter
  • Das Meer bei Kailua Kona – für Lisa Marie Peter der Lieblingsplatz überhaupt. Foto: Vivienne Marcheel Fotografiert Lisa Marie Peter Menschen wie diese Frau auf der Insel Ebeye, legt sie Wert darauf, dass sich im Bild Würde und Schönheit spiegeln. Foto: Lisa Marie Peter
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Tiefblaues Meer, Palmen unterm weiten Himmel, endlos weiße Strände, märchenhafte Gebirgsformationen, sommerwarme Temperaturen, Hula-Mädchen und Surfer-Boys – Hawaii, ein Inselparadies mitten im pazifischen Ozean. Ein Traum. Schon als Kind, erzählt Lisa Marie Peter, sei das Archipel für sie ein Sehnsuchtsort gewesen. Dass sie dort einmal würde zu Hause sein, eigentlich unvorstellbar. Aber das Leben meint es gut mit ihr, denn seit fast fünf Jahren ist Hawaii für sie Heimat. Die junge Frau, die in Eiserfeld aufgewachsen ist, arbeitet als Missionarin bei Youth With A Mission (YWAM). Das christliche Werk hat sich in den frühen 1970ern auf Big Island niedergelassen, baute in Kona das Pacific Empress Hotel um, erwarb Land dazu und entwickelte mit der Zeit einen Campus, von dem aus – nach ihrer Bibelschul-Ausbildung an der „University of the Nations“ – jährlich mehrere hundert junge Erwachsene auf Missionseinsätze geschickt werden. Menschen wie Lisa. Dass in Kona auch ein Kurs „School of Photography and Communication“ angeboten wird, fand sie beinahe zufällig heraus. Für die Medien-Studentin und leidenschaftliche Fotografin, die immer ein bisschen mehr von ihrem Leben erwartet(e), ein Schlüsselmoment – und der Anfang ihrer Geschichte mit YWAM. Inzwischen hat sie viele Länder bereist – im afrikanischen, nordamerikanischen und asiatischen Raum, aber auch in Europa, etwa bei einem Einsatz im Flüchtlingscamp Moria auf der Insel Lesbos. Lisas Aufgabe ist in der Regel die, den Menschen vor Ort zu begegnen, hinzusehen, hinzuhören, aufzuspüren, was nötig, was notwendend ist, um davon dann zu erzählen. So reiste sie im vorigen Jahr ins Inselmeer von Ozeanien, besuchte mit Flugzeug und Boot kleinste Eilande und kam mit den Bewohnern dort ins Gespräch. Über deren Träume, Sehnsüchte, Bedürfnisse.

Was die Menschen schildern, versucht Lisa in Bildern darzustellen. Sie fotografiert Frauen, Männer, Kinder in ihrer jeweiligen Lebenssituation, und zwar stets so, dass sie deren Würde wahrt. Lisa geht auf Augenhöhe, sucht eine Perspektive, die ihr Gegenüber stark sein und im idealen Fall auch strahlen lässt. Der Effekt: „Wer so fotografiert wird, fühlt sich gesehen und wichtig, und alle anderen freuen sich mit.“ Gerade in wenig entwickelten Gegenden sei „ein Bild ein echter Schatz“. Die Fotoreportagen, mit denen sie „Menschen eine Stimme geben will“, trägt sie zurück nach Hawaii. Sie möchte mit ihren Berichten andere „volunteers“ ermutigen, „langzeit“ dorthin zu gehen, um Gutes zu tun – mit medizinischer Unterstützung, pädagogischen Hilfen oder auch, dort, wo es politisch erlaubt ist, mit christlich-religiösen Angeboten. Klar, sagt Lisa Marie Peter, „wir sind Mission, haben unsere Gottesdienste und Bibelstunden, aber wir wollen nicht manipulieren“. Für sie persönlich sei das eine Spannung, die sie aushalten könne. Egal wo sie unterwegs sei, wolle sie den Menschen nahekommen, sich Zeit für sie nehmen, mit den Kindern spielen, ihnen zuhören, anwesend und ansprechbar sein. Werde ihr dann die Frage gestellt, warum sie das tue, sei ihre Antwort: „Weil Jesus dich liebt.“

Nicht so einfach sei es für sie, immer nur sehr kurz in andere, oft sehr notvolle Lebenswelten einzutauchen. Das Bewusstsein, die Menschen zurückzulassen, vielleicht auch zu verlassen, geht auch bei Lisa manchmal einher mit dem Gefühl von Ohnmacht. Was ihr hilft, ist ihr Glaube: „Gott ist größer.“ Sie wisse, dass sie die Welt nicht retten könne, sei sich aber gleichwohl ihrem Auftrag, die Welt, da wo es möglich ist, ein wenig besser werden zu lassen, bewusst. „Je mehr du siehst, desto größer ist die Verantwortung.“

Lisas Leben bewegt sich zwischen Extremen. Hier die Begegnung mit Menschen in großer Armut, dort ihr Zuhause auf Hawaii. „Wer nach Big Island kommt, hat Geld“, erzählt sie. Mittwochs und freitags legt die AIDA an, spült finanzkräftige Touristen an Land; dazu besteht die „große Insel“ überwiegend aus Hotelsiedlungen. „Das ist ein Leben in der Seifenblase.“ Allerdings: Es kann einen auf Hawaii durchaus der Koller („the island fever“) packen – fünf Flugstunden sind es bis San Francisco, und würde das rund 7400 Kilometer entfernt liegende Nordkorea mit einem Atomschlag ernst machen, wäre der „Aloha State“ das erste US-amerikanische Ziel. Noch sehr präsent ist die Erinnerung an das Signal („Drohende ballistische Rakete. Sofort Zuflucht suchen. Das ist keine Übung“), das Anfang Januar die Hawaiianer aufschreckte, sich dann jedoch, zum Glück, als Fehlinformation erwies. Regelmäßig wird, seit Kim Jong Un verstärkt droht, das Warnsystem getestet; jeden ersten Montag im Monat gibt es außerdem probeweise Tsunami-Alarm.

Gleichfalls wenig romantisch: das Preisgefüge auf Hawaii. „Das Leben ist teuer“, sagt Lisa, die sich – nachdem sie lange auf dem YWAM-Campus in einem Mehrbettzimmer untergebracht war – eine kleine Sozialwohnung mit einer Freundin teilt. Mittagessen kann sie auf dem Missions-Gelände, was hilfreich ist, denn viele Lebensmittel, auch Gemüse und Obst, sind Importware, also nicht gerade preiswert. Apropos Geld. Versorgt wird Lisa Marie Peter über einen Unterstützerkreis. Von Spenden zu leben, sei für sie am Anfang „sehr herausfordernd“ gewesen. „Ich fand es demütigend, um Geld zu fragen, hatte immer Angst, wenn ich mir mal etwas gönnte, was nun die anderen denken würden.“ Diesen inneren Konflikt hat sie für sich gelöst: „Gott versorgt mich durch Menschen, weil ich in der Mission bin.“ Das müsse nicht jeder verstehen, aber für sie sei es ein Zeichen der Bestätigung, wenn genug Geld für sie da sei – übrigens auch genug, um neue Projekte zu starten.

Wie ihren jüngsten Einsatz, der sie Anfang des Monats erneut in eine ganz andere Welt führte, in die der Mode, zur „Fashion Week“ nach New York. Unterwegs war sie mit der Organisation „Models for Christ“, einem Netzwerk von Christen aus Musik, Film und Mode-Business. „Die gute Nachricht von Jesus Christus“, schreibt Lisa in ihrem Newsletter, sei „für jeden Menschen“. Und gelte damit auch für die Schönen und Reichen. Ihren Blick hinter die Kulissen der „Fashion Week“ hat Lisa genossen. Ihre Aufgabe war es, den Models beim Ankleiden zu assistieren – und in dieser von Nähe bestimmten Situation auch den jungen Frauen hier so zu begegnen wie den Menschen in Thailand, Nepal oder auch Deutschland. Denn „good old Germany“ ist für Lisa immer wieder auch Einsatzort – und eine Basis. Ausgesandt worden ist sie vom Missionszentrum in Bad Blankenburg; so kann sie in Deutschland sozial- und krankenversichert sein. Was aber auch heißt, dass sie eine gewisse Zeit in der Heimat verbringen muss. Rund um den Jahreswechsel, zum Beispiel, war Lisa wieder im Lande. Verbrachte Zeit mit Familie und Freunden, nahm Arzttermine wahr, erzählte in Schulen und Gemeinden von ihrer Arbeit, freute sich „an den kleinen Dingen, die so viel ausmachen“. Egal, sagt sie, was die Zukunft für sie bereithalte, sie vertraue auf Gott, der ihr so viel ermögliche. „Das ist ein ganz großes Geschenk.“  - Claudia Irle-Utsch

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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