Das war ganz großes Kino!

 Die Dorfjugend um den Vorsitzenden Tom Afflerbach brachte sogar einen Bär mit.  Meisterliche Klänge lieferte der Gemischte Chor „Liederkranz“ Schameder um Chorleiter Wilfried Hoffmann. Zum krönenden Abschluss boten die Sängerinnen und Sänger das Lied „Ihr von morgen“ von Udo Jürgens – eine Hymne an die Zukunft. Fotos: Björn Weyand   Das Männerballett bot trotz Startschwierigkeiten das i-Tüpfelchen auf das Programm mit einer – und das ist sicherlich nicht zu hoch gegriffen – einmaligen Tanzchoreographie.  In der voll besetzten Erndtebrücker Schützenhalle blieb beim Festkommers zur 700-Jahr-Feier von Schameder kein Auge trocken. Von Anfang bis Ende bot diese Veranstaltung beste Samstagabendunterhaltung. Die gut 500 Gäste quittierten den Abend mit jeder Menge Applaus.  Die Kinder von Schameder spielten „Dingsda“ und erklärten dabei auch, wie viele Vereine es im Jubiläumsdorf eigentlich gibt.  Schirmherr Bernd Berge und Moderatorin Kerstin Grünert foppten sich gegenseitig ein wenig – das sorgte für viele Lacher.  Ehre, wem Ehre gebührt: Florian Stöcker und Jörg Stöcker hatten, auch mit der Unterstützung von Stefan Völkel (v. l.), den Zeitstrahl und die Dingsda-Filme auf die Leinwand gebracht.
  • Die Dorfjugend um den Vorsitzenden Tom Afflerbach brachte sogar einen Bär mit. Meisterliche Klänge lieferte der Gemischte Chor „Liederkranz“ Schameder um Chorleiter Wilfried Hoffmann. Zum krönenden Abschluss boten die Sängerinnen und Sänger das Lied „Ihr von morgen“ von Udo Jürgens – eine Hymne an die Zukunft. Fotos: Björn Weyand Das Männerballett bot trotz Startschwierigkeiten das i-Tüpfelchen auf das Programm mit einer – und das ist sicherlich nicht zu hoch gegriffen – einmaligen Tanzchoreographie. In der voll besetzten Erndtebrücker Schützenhalle blieb beim Festkommers zur 700-Jahr-Feier von Schameder kein Auge trocken. Von Anfang bis Ende bot diese Veranstaltung beste Samstagabendunterhaltung. Die gut 500 Gäste quittierten den Abend mit jeder Menge Applaus. Die Kinder von Schameder spielten „Dingsda“ und erklärten dabei auch, wie viele Vereine es im Jubiläumsdorf eigentlich gibt. Schirmherr Bernd Berge und Moderatorin Kerstin Grünert foppten sich gegenseitig ein wenig – das sorgte für viele Lacher. Ehre, wem Ehre gebührt: Florian Stöcker und Jörg Stöcker hatten, auch mit der Unterstützung von Stefan Völkel (v. l.), den Zeitstrahl und die Dingsda-Filme auf die Leinwand gebracht.
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bw - Wer am Samstagabend nicht in der Erndtebrücker Schützenhalle war, der hat etwas verpasst. Der Festkommers zur 700-Jahr-Feier von Schameder war einmalig und beste Samstagabendunterhaltung. Brüllend komische Interviews wechselten sich mit witzigen und informativen Filmeinspielern ab, meisterlicher Gesang und eine besondere tänzerische Einlage rundeten diese starke Show ab. Liebe Schameder’sche: Das war ganz großes Kino! Hinterher gab es von den Gästen viel Lob und noch mehr Applaus für den Festkommers, dem zu jedem Zeitpunkt anzumerken war, wie viel Arbeit in ihm steckte. Diese Veranstaltung war kein Standard, kein 08/15 – dieser Festkommers hat Maßstäbe gesetzt und eines noch einmal bewiesen: Schameder ist ein etwas anderes Dorf.

Schon der Einstieg sorgte für die heitere Grundstimmung in der Schützenhalle. Da lief auf der Leinwand, scheinbar live, Pfarrerin Kerstin Grünert vom Pfarrhaus bei der Erndtebrücker Kirche, die Schulstraße entlang zur Halle – kurzes Durchschnaufen inklusive. Sie hatte noch das Amen ans Ende ihrer Predigt schreiben müssen und war nun prompt zu spät. Die Moderatorin stürmte im Sauseschritt unter riesigem Jubel in die Halle und auf die Bühne. Mit der Pfarrerin, die für jeden Spaß zu haben ist, und Dorf-Aushängeschild Carsten Dreisbach, der überall dabei ist, führte ein Duo durch den Festkommers, das sich den Ball perfekt hin und her spielte – und das, obwohl sie Köln-Fan und er eingefleischter Gladbacher ist, was sie später am Abend noch in Fußballtrikots demonstrierten.

Schirmherr Bernd Berge legte mit viel Witz nach. Im ersten Interview des kurzweiligen Abends (ohne langatmige Grußworte) erinnerte er sich an seine Schulzeit in Schameder, während auf der Leinwand ein Klassenbild aus dem Jahre 1953 zu sehen war. „Auf die Schamarasche war immer Verlass“, meinte der Bauunternehmer und erinnerte sich an viele gute und fleißige Mitarbeiter in der Firma. Bliebe doch nur zu hoffen, so Carsten Dreisbach, dass Berge-Bau bald den Auftrag für den Berliner Flughafen bekommen werde. Dann, so stellte Bernd Berge mit einem Augenzwinkern fest, wäre längst Eröffnung gewesen.

Zwischen den Interviews flimmerte der Zeitstrahl auf den beiden großen Leinwänden: Hier waren alte Bilder mit Stichworten und Jahreszahlen zu sehen, dazu liefen Filmmusikklänge, die eines „Blockbusters“ würdig gewesen wären. Dieser Zeitstrahl schlug den Bogen von 1319 bis 2019, wobei der Schwerpunkt auf den vergangenen gut 150 Jahren lag. Die Bilder erinnerten etwa an die Ankunft der ersten Eisenbahn 1888, an den Bau der Verkehrsstraße, heute die Bundesstraße 62, oder auch an die Schließung der Volksschule. Sie zeigten die Entwicklung der Industriegebiete, denn heute ist Schameder das Herz der Wittgensteiner Wirtschaft geworden. Zwischendurch endete der Zeitstrahl immer wieder mit einer Jahreszahl und einem Fragezeichen. Dann waren die Kinder von Schameder dran: Sie erklärten im Dingsda-Format, was in eben diesen Jahren so Wichtiges in Schameder passiert war.

Das Lob für die Ausgestaltung der Einspieler gebührte Florian Stöcker, Jörg Stöcker und Stefan Völkel. Bei Ersterem kam die Erschwernis hinzu, dass er seinen Beitrag von Berlin aus lieferte und bis zuletzt an den Filmsequenzen bastelte – sogar am Freitag noch im Zug von Berlin in die Heimat. Der Aufwand hat sich gelohnt.

In den kurzweiligen Interviews stellten sich die Vereine vor. Georg Lange berichtete über die Waldgenossenschaft. Er erzählte vom Jahrhundertsturm „Kyrill“ oder von den aktuellen Problemen nach Dürre und dem Befall mit Borkenkäfern: „So eine Katastrophe haben wir noch nicht erlebt“, betonte Georg Lange: Der Klimawandel sei nicht von der Hand zu weisen und werde viele Veränderungen mit sich bringen. Für das Singen im Chor warb Kerstin Horchler als „Liederkranz“-Vorsitzende. Wer in die Truppe einsteigt, darf sich auf schöne Erlebnisse freuen wie der erste Meisterchortitel im Jahre 2006. Den Erfolg hat der Chor seitdem noch zweimal wiederholt. Wie gut die Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Wilfried Hoffmann sind, bewiesen sie beim Festkommers mit ihren Liedvorträgen sowie der Udo-Jürgens-Hymne „Ihr von morgen“ als Höhepunkt.

Dass es in Schameder bereits seit 1926 Flugsport gibt, verriet Jan-Ulrich Schweitzer. Nachdem der neue 1. Vorsitzende des Flugsportvereins eine starke Überleitung von Miniwürstchen zum Segelflug gepackt hatte, betonte er die sehr gute Verbindung vom Verein zu Schameder: Dass sich das Dorf ausdrücklich einen Flugtag zum Jubiläum wünsche, sei ja nicht selbstverständlich, fand Jan-Ulrich Schweitzer. Die Veranstaltung rundet das Dorfjubiläum am 31. August und am 1. September ab.

Über die Löschgruppe sprach Jörg Stöcker, landläufig besser als „Schlepper“ bekannt. Die Feuerwehr ist in Schameder gut aufgestellt und hat mit Jugend- und Kinderfeuerwehr einen tollen Unterbau. Das Prinzip einer Jagdgenossenschaft, die es in Schameder auch gibt, erläuterte deren 1. Vorsitzender Timo Radtke. Das sei ja kein Zusammenschluss für Jäger, sondern von Grundbesitzern, die ihre Flächen zur Jagd gemeinsam verpachten. Lehrreich war der Abend also auch noch.

Einen sehr amüsanten Dialog lieferten sich Hanjörg Dreisbach, Vorsitzender des SV Schameder, und Kerstin Grünert. Trotz des Festkommers spielte der SV Schameder am Sonntag, was Kerstin Grünert bemerkenswert fand, denn sie selbst habe ja ihren Gottesdienst abgesagt. „Ein Fußballspieler ist immer im Dienst“, meinte darauf Hanjörg Dreisbach. „Im Gegensatz zu einem Pfarrer…“, war die trockene Antwort von Kerstin Grünert.

Was wenige wissen: Schameder hat irgendwie auch einen Schützenverein. Freilich trägt der Leimstruth im Namen, aber Vorsitzender Heinz Born meinte, das sei ja eine Kolonie von Schameder. Im Schieß- und Schützenverein Leimstruth haben die Mitglieder aus Schameder eine große Tradition: Etwa ein Drittel der Könige sei aus Schameder gekommen, darunter auch der allererste Schützenkönig Otto Birkelbach, wie Heinz Born berichtete.

Die Dorfjugend brachte einen Bär und Schnaps mit auf die Bühne und Vorsitzender Tom Afflerbach erzählte von den Aktivitäten vom Osterfeuer über den Pfingstbaum bis zum „Baerelaerer“. Kerstin Grünert fand einen Verein, bei dem es nur um Gemeinschaft gehe und bei dem man gar nichts können müsse, schön. Das quittierte Carsten Dreisbach mit der feinen Aussage: „Wenn Du da nicht stark am Glas bist, hast Du verloren.“ Der „Casi“ selbst sprach als Vorsitzender über den Heimat- und Verkehrsverein, der sich stark gemacht hatte für die Sanierung und die Übernahme des Gemeindebaus, der dadurch zu einem echten Schmuckkästchen geworden ist.

Interviews, Zeitstrahl, Dingsda – durch das Programm hatten die politischen Ehrengäste wohl einen bleibenden Eindruck von Schameder bekommen. Bürgermeister Henning Gronau, der dem Dorf eine Ruhebank schenkte, meinte, dass die Schameder’schen doch ganz besondere Menschen seien: „Ich wünsche euch, dass ihr euren Zusammenhalt behaltet. Denn Schameder soll so liebenswert bleiben, wie es ist.“

Landrat Andreas Müller lobte die Wittgensteiner – im Vergleich zu den Siegerländern – als gastfreundlicher, offener und viel pragmatischer: „Der Siegerländer diskutiert es erstmal aus, wenn es etwas zu tun gibt, der Wittgensteiner packt an.“ Und hungrig sei er aus Wittgenstein noch nie über die Siegquelle zurückgefahren, sagte der Kreishaus-Chef, um sich dann an den bereitstehenden Miniwürstchen zu bedienen. Apropos Essen: Kurz nach Beginn des Programms servierten Frauen aus Schameder Schnittchen an die Tische, für die lediglich um eine Spende gebeten wurde. Auch das war eine sehr schöne Idee.

Zurück zum Landrat: Kerstin Grünert erkundigte sich bei ihm nach dem Stand bei der „Route 57“ – ob die denn wohl eher Berliner Flughafen oder doch Kölner Dom sei. Andreas Müller hoffte auf den Einstieg mit der Kreuztaler Südumgehung noch in diesem Jahr und versicherte, dass bei der 800-Jahr-Feier von Schameder die „Route 57“ im Zeitstrahl mit drin sei. Viel schneller soll es mit dem schnellen Internet auch in Schameder funktionieren: Der Landrat nannte September als Startdatum. Für das Jubiläumsdorf hatte Andreas Müller noch den Wunsch, dass sich Schameder seinen Gemeinsinn bewahren solle.

Zu den Gratulanten gehörten an diesem Abend der Bundestagsabgeordnete Volkmar Klein sowie die Landtagsabgeordnete Anke Fuchs-Dreisbach. „Auch in Schameder dreht sich die Welt immer schneller“, meinte der Burbacher Volkmar Klein, „da wird Heimat umso wichtiger.“ Die Sassenhäuserin Anke Fuchs-Dreisbach lobte das großartige Fest: „Für die nächsten Dörfer wird es immer schwerer, das noch zu toppen.“ Das Schlusswort und der Dank an die beteiligten Organisatoren gebührte Ortsvorsteher Tim Saßmannshausen. Wie der Ort noch einmal zusammengerückt sei, das sei einfach toll. „Es war immer schon gut“, konstatierte der Ortsvorsteher, „so ein Jubiläum schweißt aber das Dorf noch einmal mehr zusammen.“

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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