Grundschullösung steht

 Wurden von Siegens Stadtrat nicht erhört und gesehen: Schülerinnen der Hammerhütter Schule und der Grundschule Fischbacherberg bei einer Demo am vergangenen Samstag. Auch rund 1650 Unterschriften von Eltern der kath. Hammerhütter-Bekenntnis-Schule brachten keinen Sinneswandel bzw. kein entsprechendes Votum. Foto: nja
  • Wurden von Siegens Stadtrat nicht erhört und gesehen: Schülerinnen der Hammerhütter Schule und der Grundschule Fischbacherberg bei einer Demo am vergangenen Samstag. Auch rund 1650 Unterschriften von Eltern der kath. Hammerhütter-Bekenntnis-Schule brachten keinen Sinneswandel bzw. kein entsprechendes Votum. Foto: nja
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ch - Es dauerte am Mittwochabend genau drei Sekunden, bis die wenigen Dutzend Eltern auf der Zuschauertribüne des Geisweider Rathauses realisierten, was Siegens Stadtrat gerade beschlossen hatte. Die Hammerhütter Schule muss zum August 2016 umziehen, die kath. Bekenntnisschule wird mit allem Drum und Dran von der Achenbacher Straße in das Gebäude der Fischbacherberg-Schule verlagert.

Die Gemeinschaftsgrundschule an der Gleiwitzer Straße wird im Juli 2018 aufgelöst, bereits ab kommenden Sommer werden keine Eingangsklassen mehr gebildet. Die Verwaltung hat anderthalb Jahre Zeit und den Auftrag, die Details zu klären. Nach den drei Sekunden verließen die Eltern der beiden Schulen in Windeseile den Ratssaal, nachdem sie eine mehr als eine Stunde währende, intensive Debatte der Kommunalpolitiker zu einem kleinen Teil der Siegener Schulentwicklungsplanung für die Jahre 2014 bis 2019 ausgehalten hatten; die Diskussion endete in einer Sitzungsunterbrechung und in einer geheimen Abstimmung, die die Befürworter der Verlagerungslösung mit 34 zu 30 Stimmen für sich entschieden. Zuvor hatten die Fraktionen im Geisweider Rund noch einmal rhetorisch mit einander gerungen – und den jüngsten Kommunalwahlkampf vom Mai Anfang Oktober fortgesetzt.

Joachim Pfeifer, schulpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, warf dabei der Jamaika-Koalition (CDU, Grüne und FDP – das Trio hatte die Umzugsvariant in einem Arbeitskreis zur Schulentwicklungsplanung der Krönchenstadt ins Spiel gebracht) „Diskriminierung“ bzw. „Ausgrenzung“ vor: Die Fischbacherbergschule, ein Ort der funktionierenden Integration, werde ohne Not und ohne Begründung „kaputt gemacht“, die künftige Hammerhütter Schule werde als Bekenntnisschule, die katholische Werte groß schreibe und sie auch lebe, viele Eltern in dem Quartier Fischbacherberg davon abhalten, ihre Kinder in diese Schule zu schicken.

 „Und irgendwann wird die Schule, einem Landesparteitags-Beschluss von Bündnis 90/Grüne folgend, in eine Gemeinschaftsgrundschule umwandeln“, kritisierte Pfeifer einen vermeintlichen „geheimen Plan“ bzw. eine „politische Verschleierungstaktik“. Auch die Christdemokratin Maria Opterbeck, die sich bei der Schulplanung in Siegens Mitte ausdrücklich von ihrer Fraktion distanzierte bzw. den Erhalt der beiden Schule forderte, „weil sie einfach gute Arbeit machen und von den Eltern nachgefragt werden“, sprach von einer „Beerdigung 2. Klasse“: Früher oder später werde die kath. Bekenntnisschule „auf schleichendem Wege“ umgewidmet.

„Alles Quatsch, Populismus der übelsten Sorte“, schimpfte Michael Groß von den Grünen. Es gehe lediglich darum, bei sinkenden Schülerzahlen in allen ehemaligen Schulbezirken, die im Jahr 2006 abgeschafft worden sind, mindestens einen Schulstandort zu sichern – „zu dem hohen Preis, dass wir die Hüttentalschule und die Gosenbacher Schule in Verbundschulen aufgehen lassen und die Fischbacherbergschule schließen“, wie Groß betonte. Man habe als Rat der Stadt Siegen schließlich eine „Gesamtverantwortung“, so Groß u. a. an die Adresse von UWG-Fraktionschef Hans-Günter Bertelmann, der wiederholt bemängelte, dass es in Siegen keine langfristige, mit den Nachbarkommunen abgestimmte Schulentwicklungsplanung gebe.

 „Gibt es doch“, entgegnete die zuständige Stadträtin Babette Bammann sichtlich genervt, die Vorschläge lägen doch auf dem Tisch. Sie wurden allerdings gestern höchst unterschiedlich wahrgenommen: Peter Schulte von Linken sprach mit Blick auf die Verlagerung auf dem Fischbacherberg von der „schlechtesten aller Lösungen“, der Fraktionschef der Liberalen, Klaus Volker Walter, war froh, dass man „endlich Frieden in die Schullandschaft“ trage.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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