Hetzjagd auf Betzdorfer Tierquäler

Bei Facebook und Co. schlägt das Video noch immer große Wellen. Foto: Daniel Benfer

soph - Das Video des Tierquälers aus Betzdorf, der seinen zehn Wochen alten Jack-Russell-Terrier brutal auf den Kopf schlägt (die SZ berichtete), sorgt weiterhin vor allem bei Facebook für viele Diskussionen. Obwohl der Hund längst bei einer anderen Familie lebt, fordern viele Nutzer weiterhin zur Lynchjustiz auf: Der 20-Jährige solle für seine Tat bestraft werden. Einige beschreiben detailliert, was sie mit ihm anstellen würden. Sehr oft wird offen gefordert, ihn umzubringen. Da die Adresse des Tierquälers im Internet verbreitet wurde, überwachte die Betzdorfer Polizei seine Wohnung. Die Beamten warnen: Bei den Aufforderungen zur Lynchjustiz handelt es sich ebenfalls um Straftaten, die auch verfolgt werden müssten.

Sucht man den Namen des Tierquälers bei Facebook, präsentiert sich eine große Auswahl an Seiten. Bei einigen ist das Profilbild des 20-Jährigen zu sehen: Mit einem Bildbearbeitungsprogramm wurden ihm Blessuren im Gesicht verpasst. Mehrere Nutzer erstellten Veranstaltungen. Einige beginnen mit „R.I.P…“. In einer Gruppe haben sich 18 Mitglieder unter der Beschreibung „Knüppeltag“ zusammengetan. Ganz skurril: Am Montagnachmittag finden sich gleich vier Profile mit dem Namen des Tierquälers bei Facebook.

Die SZ fragte erneut bei Norbert Skalski, Leiter der Polizeiinspektion Betzdorf, nach. Immer noch gebe es eine Flut von Anrufen, seine Mitarbeiter seien hauptsächlich mit diesem Fall beschäftigt. „Wir kommen zu nichts.“ Rund um Betzdorf lebten mehrere Personen mit dem Namen des Tierquälers. Ein unbeteiligter Mann sei bereits am Telefon bedroht worden. Ein Mainzer Unternehmer habe im Internet zu einer Demonstration in Betzdorf aufgerufen, die später wieder abgesagt wurde. Eine Meldung im Internet, die angeblich die Deutsche Presseagentur verfasst hatte, stellte sich als falsch heraus: Der Tierquäler wurde nicht zusammengeschlagen und liegt auch nicht im Koma. Norbert Skalski betonte: „Die Person ist in Sicherheit, sie ist nicht vor Ort.“ Bei allem Verständnis für die Aufregung, die der Fall ausgelöst hat, irritieren ihn einige Kommentare noch aus ganz anderen Gründen. „Da fordern Leute den Rechtsstaat ein, die selbst eine dicke Akte hier liegen haben.“ Zudem gebe es mittlerweile Seiten, die dem Tierquäler positiv gesonnen seien.

Nicht nur die Polizei in Betzdorf hat unzählige Anrufe und E-Mails bekommen, auch beim Tierschutzverein des Kreises Altenkirchen klingelte oft das Telefon. In einer Pressemitteilung nehmen die Tierschützer eine eindeutige Position ein. „Wir missbilligen auf das Heftigste die nicht zu entschuldigende Misshandlung des Hundes. Wir missbilligen aber im gleichen Maße die Aufforderung zur Lynchjustiz gegen den Peiniger.“  

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.