Für die Tibeter

 Vor dem Betzdorfer Rathaus waren am Donnerstag  einige tibetische Flaggen zu sehen: Die Tibetfreunde erinnerten mit einem Autokorso an den Aufstand vor 57 Jahren und das fortwährende Unrecht, das dem tibetischen Volk widerfährt. Foto: damo
  • Vor dem Betzdorfer Rathaus waren am Donnerstag  einige tibetische Flaggen zu sehen: Die Tibetfreunde erinnerten mit einem Autokorso an den Aufstand vor 57 Jahren und das fortwährende Unrecht, das dem tibetischen Volk widerfährt. Foto: damo
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damo - 10. März 1959: In Lhasa bricht ein Aufstand gegen die chinesischen Invasoren aus, und binnen weniger Tage werden mehr als 80 000 Menschen getötet. Daran – und natürlich an die fortbestehende Unterdrückung der Menschen auf dem Dach der Welt – erinnerten gestern die tibetischen Flaggen, die vor einigen Rathäusern im Kreisgebiet auf den Masten im Wind flatterten.

Für die Tibeter, die am Donnerstag im AK-Land unterwegs waren, muss der Anblick jeder einzelnen Flagge ein Wechselbad intensivster Gefühle bedeutet haben: Freude darüber, das Symbol eines freien Staates Tibet zu sehen – und Wut und Trauer darüber, dass in ihrer Heimat schon das bloße Präsentieren der Flagge drakonische Strafen nach sich zieht.

Die Tibeter aus der Region waren gemeinsam mit den Tibetfreunden Westerwald mit einem Autokorso unterwegs. „Wir flaggen, weil wir nirgends in der Welt ein solch gemeines Unrecht akzeptieren“, sagte Eckhard von der Osten-Sacken von den Tibetfreunden. Und weiter: „Wir flaggen aus Sehnsucht nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit.“ Von all dem ist Tibet bekanntlich weit entfernt.

Die chinesischen Besatzer regieren mit harter Hand, plündern ihr „westliches Schatzkästlein“ brutal aus und lassen nicht den geringsten Platz für Andersdenkende. So bleibt den Tibetern nur das drastische Mittel der Selbstverbrennung, um auf das Unrecht aufmerksam zu machen. „Das, was einen erwartet, wenn man in Tibet die Flagge zeigt, ist schlimmer als eine Selbstverbrennung“, meint Hiltrud Bartmann von den Tibetfreunden: „Den Tibetern bleibt nur diese Art, ihren Protest auszudrücken.“ Und selbst dem versuche die chinesische Regierung einen Riegel vorzuschieben, indem den Familien derer, die sich verbrennen, Gewalt droht.

Das betonte eine Tibeterin, die aus begreiflichen Gründen nicht namentlich genannt werden möchte, am Donnerstag noch einmal im Gespräch mit der SZ. Mehr schlecht als recht versucht sie, Kontakt in ihre Heimat zu halten. Aber um die Zeit des 10. März herum seien nicht einmal Telefongespräche möglich. „Die machen überall dicht“, sagte sie. Ohnehin seien die Repressalien in den vergangenen Jahren immer schlimmer geworden.

Grund genug für die Tibetfreunde, mit einem Autokorso auf die Tibetfrage aufmerksam zu machen. Die Stationen waren all die Rathäuser im AK-Land, die in Solidarität die tibetische Flagge gehisst hatten. Eines davon: das Betzdorfer. Dort fand Bürgermeister Bernd Brato klare Worte: „Das tibetische Volk muss seine Freiheit bekommen, denn es ist unter dem Joch Chinas nicht gut aufgehoben.“ Er spannte den Bogen zur aktuellen Flüchtlingsdiskussion: „Wer Hilfe braucht, wird sie auch bekommen.“

Allerdings: Längst nicht alle Gemeinden haben sich zu der Solidaritätsbekundung mit dem tibetischen Volk durchringen können. Denn der Arm der Volksrepublik sei lang, und so werde versucht, die wirtschaftliche Bedeutung Chinas als Druckmittel zu nutzen: „Die Stadt Mainz hat aus Angst vor wirtschaftlichen Folgen nicht beflaggt“, sagte Hiltrud Bartmann.

Anders machten es in der Region die Rathäuser in Hamm, Wissen, Betzdorf, Hachenburg sowie die Kreisverwaltung Altenkirchen – und das waren auch die Stationen des Autokorsos.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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