Wisente müssen draußen bleiben

 Wisente dürfen die Grundstücke von Waldbauern im Sauerland per Gerichtsbeschluss nicht mehr betreten. Fraglich nur, ob sie sich daran halten. Foto: Archiv
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tika/sz - Es war ein Urteil mit Ansage. Und eines, das der Wisent-Verein in diesem Wortlaut schon einmal gehört hat. Das Landgericht Arnsberg hat am Freitag der Zivilklage dreier privater Waldeigentümer aus dem Sauerland stattgegeben. Diese hatten gefordert, dass die frei lebenden Wisente ihre Grundstücke nicht mehr betreten dürfen. Der Verein Wisent-Welt-Wittgenstein als Träger des Artenschutzprojektes will dagegen erwartungsgemäß Berufung vor dem Oberlandesgericht (OLG) einlegen. Die nächsthöhere Instanz in Hamm will im September indes über ein erstes Berufungsverfahren entscheiden – diese hatte der Verein eingelegt, nachdem das Landgericht in einem ähnlichen Verfahren im vergangenen Oktober der Klage zweier Waldbauern schon einmal stattgegeben hatte.

Damals wie gestern erlegte das Gericht in Arnsberg dem Träger auf, dass er „geeignete Maßnahmen treffen“ muss, um weitere Schälschäden an den Bäumen auf den Grundstücken der Bauern zu verhindern. „Das Urteil ist nichts Neues, da die Klärung der Sache im September vor dem OLG in Hamm erfolgen wird“, erklärte Dr. Michael Emmrich. Der Pressesprecher machte damit zugleich auf eine wesentliche Tatsache aufmerksam: Noch sind beide Urteile nicht rechtskräftig.

Dennoch hatte sich der Trägerverein bereits nach der Entscheidung im vergangenen Jahr kooperativ gezeigt, diverse Maßnahmen ergriffen und Vorschläge erbracht, um die Problematik – möglichst Hand in Hand mit den Klägern – einzudämmen. Davon ließen sich die Sauerländer allerdings nicht abhalten, weiterhin den Rechtsweg zu wählen, um zu erwirken, dass die ausgewilderten Tiere ihre Grundstücke nicht mehr betreten dürfen.

Vor drei Jahren waren die ersten Wisente in die Freiheit entlassen worden, mittlerweile ist das Gros der Herde bereits in Freiheit geboren. „Das Wisentprojekt findet international bei Experten und Medien hohe Aufmerksamkeit“, hob Dr. Michael Emmrich hervor, dass das groß angelegte Vorhaben des Trägervereins in der Öffentlichkeit auf Anerkennung stößt. Gefördert ist das Projekt zudem mit finanziellen Mitteln des Bundes, des Landes Nordrhein-Westfalen, des Kreises Siegen-Wittgenstein, der Stadt Bad Berleburg sowie durch private Sponsoren.

Sollte allerdings das OLG das Urteil der Instanz in Arnsberg bestätigen und dieses dann Rechtskraft erlangen, käme dies wohl einem Aus für das Projekt gleich. Denn: Mit den vom Landgericht geforderten „geeigneten Maßnahmen“ ginge wohl eine Umzäunung der betreffenden Wälder oder ein Einsperren der Tiere einher – der Dolchstoß für das Vorhaben, dass die Wisente explizit wieder in Deutschland ansiedeln wollte. Es bleiben spannende Wochen bis zur Entscheidung – und dies inmitten ohnehin unruhiger Zeiten, denn nicht nur die Schlappe vor dem Landgericht, sondern auch zwei jüngst bekanntgewordene Vorfälle mit den wilden Tieren haben zuletzt für Aufsehen gesorgt.

Auf dem Rothaarsteig nahe Jagdhaus war es zu einer Begegnung zwischen einer 47-jährigen Neusserin gekommen, die mit ihrer fünfköpfigen Familie und einem Hund dort unterwegs war. Das wilde Tier war – vermutlich um seinen Nachwuchs zu schützen – und hatte sie in eine Böschung gedrückt. Die Frau erlitt leichte Verletzungen, ihre Kleidung wurde zerrissen. Ihrem Ehemann gelang es, das Tier wieder zu vertreiben. Die Familie beschwichtigte wenige Tage später die Öffentlichkeit und verzichtete explizit auf rechtliche Schritte, um dem Projekt nicht zu schaden.

Ohnehin hatte dieser Vorfall ebenso wenig Einfluss auf das gestrige Urteil wie die Tatsache, dass sich nur wenige Tage zuvor ein Waldbesitzer und Jagdpächter gemeldet hatte. Er hatte dabei von einem Vorfall aus dem Sommer des Vorjahres (!) berichtet, bei dem ein Wisentbulle seinen Traktor angegriffen haben soll. Erst jetzt wendete er sich damit an die Öffentlichkeit. Auffällig: Der Mann stammt ebenfalls aus dem benachbarten Sauerland – aus der Peripherie von Schmallenberg.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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