Helga Josche will Kindern helfen

Setzt sich unermüdlich für Waisenkinder in Südafrika ein: Helga Josche aus Wilnsdorf. Foto: privat

hema - Es ist Ende September 2014. Helga Josche ist am Boden zerstört. Mädchen sind ermordet worden. Viele Mädchen. Helga Josche kannte diese Mädchen. Sie hat sich für sie eingesetzt, sich um sie gekümmert. Jetzt sind diese Mädchen tot. Ermordet, vergewaltigt – wie das so oft geschieht in Afrika.

Lizzy, wie sie liebevoll nach ihrem Zweitnamen Elisabeth von den vielen Kindern, die sie betreut, genannt wird, ist emotional am Ende. Wenn sie von diesem Tag berichtet, dann spricht die Wilnsdorferin von einem entscheidenden Moment. Aufgeben oder weitermachen. Das Projekt Ekukhanyeni, das sie über Jahre aufgebaut hat, in das sie so viel Arbeit und Herzblut gesteckt hat. Aufgeben, in den Flieger steigen und nach Deutschland zurückkehren? Nein, Helga Josche bleibt. Und so auch ihr Hilfsprojekt für Waisen in Südafrika: Ekukhanyeni – was übersetzt so viel bedeutet wie Berg des Lichts und der Hoffnung.

2011 gründet sie Ekukhanyeni. Innerhalb eines Jahres eröffnet sie zwei Kindertagesstätten in Ndundweni und Kuyasa, dort werden insgesamt 55 Kinder betreut. Zwei Jahre später gründet sie in Gqugquma eine Tagesstätte für 30 Kleinkinder, die aus ärmsten Verhältnissen stammen und zumeist obdachlos sind. Außerdem unterstützt sie eine Suppenküche in Oswathini mit Lebensmitteln, so dass 50 Schulkinder zwischen sechs und 18 Jahren täglich eine warme Mahlzeit bekommen können. 2014 baut sie im selben Ort die vierte Tagesstätte für rund 20 Kleinkinder. Insgesamt werden die von Ekukhanyeni gegründeten Tagesstätten und Suppenküchen in der Region KwaZulu-Natal von 250 Klein- und Schulkindern aus der Region besucht. Sie sind Anlaufstelle für die Kleinen, die teilweise jeden Tag mehrere Stunden Schulweg vor sich haben, ohne Wasser und Nahrung. Außerdem sind die Wege gefährlich. Oft werden junge Mädchen vergewaltigt, verschleppt oder gar getötet.

Für den besten Weg aus der Armut hält Helga Josche Bildung. So muss sie nicht lange überlegen, als sie im März vergangenen Jahres von Zinhle, einem jungen südafrikanischen Mädchen, gebeten wird, ihr Studium zu finanzieren. Die 700 südafrikanische Rand, umgerechnet knapp 50 Euro, kann das aus ärmlichen Verhältnissen stammende Mädchen nicht selber zahlen. Es ist aber darauf angewiesen, wenn es studieren möchte.

Im Rahmen des Benefizkonzertes, das am Sonntagabend in der Wilnsdorfer Kirche stattfand, berichtete sie von den Erfolgen und Rückschlägen der vergangenen Monate, sprach über ihre Ziele für 2015 und dankte den vielen Spendern, ohne die all ihre Mühen umsonst gewesen wären. Josche schilderte die Probleme der Menschen, redete über Kriminalität und Korruption und wies auf das Aufklärungsproblem und teilweise sehr veraltete Denkmuster der verschiedenen Stämme hin. Sie thematisierte die Apartheid, die ihrer Meinung nach in den Köpfen der Menschen nach wie vor bestehe, und stellte klar: „Ich sehe keine Farben, ich sehe nur Menschen.“ Im 49 Millionen Einwohner fassenden Südafrika, das flächenmäßig viermal so groß ist wie Deutschland, leben 39 Millionen Schwarze, die meisten davon in Armut.

Unterstützt vom Männerchor Wilnsdorf unter der Leitung von Gerald Pauly und mit freundlichen Worten von Pastor Uwe Wiesner bedacht, schloss die Wilnsdorferin ihren Vortrag mit eindringlichen Worten: „Wir können nicht die ganze Welt verändern, die Welt eines Kindes aber sehr wohl.“

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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