Junge Bläserphilharmonie in Siegen

 Rund 70 junge Musikerinnen und Musiker bilden zurzeit die Junge Bläserphilharmonie NRW, die mit zeitgenössischen sinfonischen Dichtungen zu „Zauberern, Zwergen und Druiden“ beste musikalische Unterhaltung boten. Foto: ne
  • Rund 70 junge Musikerinnen und Musiker bilden zurzeit die Junge Bläserphilharmonie NRW, die mit zeitgenössischen sinfonischen Dichtungen zu „Zauberern, Zwergen und Druiden“ beste musikalische Unterhaltung boten. Foto: ne
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ne - Gut 30 Jahre gibt es sie nun schon, die Junge Bläserphilharmonie NRW, das Auswahl- und Projektorchester des Bundeslandes für Musiker und Musikerinnen zwischen 14 und 24 Jahren, die sich beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ fürs Mitmachen qualifizieren konnten. Rund 70 Mitglieder hat das aktuelle Ensemble. Und so durften sich nun Liebhaberinnen und Freunde sinfonischer Blasmusik auf ein dynamisches, leidenschaftliches und klangmächtiges Konzert freuen, das Vergleiche mit Konzerten anderer berühmter Orchester nicht scheuen musste. Im Leonhard-Gläser-Saal der Siegerlandhalle wurden zeitgenössische Kompositionen von Rolf Rudin und Johan De Meij zu Gehör gebracht. Der für seine Akustik geschätzte Saal war die vierte Station des Ensembles auf dessen sechsteiliger Tournee mit dem neuen, unter dem Dirigat von Timor O. Chadik einstudierten Programm, das vielversprechend „Von Zauberern, Zwergen und Druiden“ titelt.

Wie im Interview mit der Siegener Zeitung versprochen, war Komponist Rolf Rudin aus Erlensee bei Frankfurt angereist. Schon die intensiven Proben in der Landesmusikakademie Heek hat er besucht, da dem 1961 geborenen Rudin gerade die Zusammenarbeit mit jungen Musikern am Herzen liegt. Denn so ein spielfreudiges Orchester hat eine Strahlwirkung auch auf andere Musikbegeisterte, und Vorbildcharakter für noch jüngere Eleven.

Orchestermanagerin Agnes Rottland zum Beispiel besuchte auf Einladung von Musikpädagoge Wulf Hassel die neuen Bläserklassen der Jahrgangsstufe 6 und 7 der Sekundarschule Burbach-Neunkirchen, erläuterte den interessierten Kindern das Konzertprogramm und stellte sich allen Fragen zum längst auch international erfolgreichen Orchester. Dabei waren die jungen Schülerinnen und Schüler so inspiriert, dass künstlerische Plakate und pfiffige Moderationstexte zur 1. Symphonie „Lord Of The Rings“ von Johan De Meij entstanden sind, die während des Konzertes ausgestellt wurden. Rund 50 Kinder sind in den Bläserklassen Burbach und Neunkirchen angemeldet: Da scheint der engagierte Musikernachwuchs auch im südlichen Siegerland recht gut aufgestellt. Bestens aufgestellt waren auch die Mitglieder der Jungen Bläserphilharmonie NRW mit den spieltechnisch hoch anspruchsvollen, zeitgenössischen Kompositionen von Rudin und De Meij. Drei sinfonische Dichtungen, „Aufbruch“ op. 78 (2008), „Ein Wellenspiel“, Fassung von „Versunkene Stadt“ ohne Chor op. 45a (1997) und „Die Druiden“, eine mythische Erinnerung, op. 38 (1993/94) von Rudin, bildeten den ersten Teil des Konzertes: raumfüllende, vielschichtige Klänge, die Geschichten erzählen konnten.

„Aufbruch“ beginnt hymnisch, auch mit Schlagwerken und dunklem Kontrabass, findet anekdotenreiche Themen, die Piccoloflöte stimmt ein flottes Wanderliedchen an, und schließlich gerät der zumeist fröhliche Weg in ein Neues zu bonbonbunten Klangfarben, wie der flirrende Soundtrack eines Disney-Klassikers. „Ein Wellenspiel“ ist ungleich düsterer, Holzbläser wirbeln Kräuselwellen über einen dunklen Cluster, Rudin schafft hier zur mythischen Wörtherseelegende eine sprichwörtliche Soundscape aus gelagerten Klangflächen. Und wenn dann schließlich aus der Tiefe die versunkenen Kirchenglocken erklingen, macht Dirigent Chadik ein dynamisches Fass auf. „Druiden“ sind mehr denn zaubertrankkundige Gallier, sind Schamanen, Geisterbeschwörer, Jenseitskundige und weise Ratgeber, waren Zentrum menschlicher Ansiedlungen über Jahrhunderte. Chadik zeigt analog dazu das Rudin’sche Werk vielschichtig, ernst, nicht ohne Pathos und abgeklärter Transparenz, spielt die Dichotomie von Archaik und Geheimnis voll aus.

Nach der Pause dann die fünfsätzige 1. Sinfonie vom 1953 in Holland geborenen Johan De Meij nach Motiven von J. R. R. Tolkiens Romantrilogie „Lord Of The Rings“: schier unbeschreiblich die Klangvielfalt, die musikalisch-kompositorischen Einfälle, um Wesen der Tolkienschen Fantasiewelt wie Gandalf, Gollum, den Balrog, die Elfen oder die vergnüglich unbekümmerten Hobbits hör- und erlebbar zu machen. So präzise die Junge Bläserphilharmonie, so plastisch das Dirigat von Timor O. Chadik, dass das begeisterte Publikum sich mit lang anhaltenden, stehenden Ovationen bedankte. Als Dankeschön erklang dann eine feine, neu arrangierte Version des von Frank Weatherly 1910 geschriebenen „Danny Boy“ auf die irische Volksweise „Londonderry Air“ als Zugabe.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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