Kritik an Sportfreunde-Vorstand

Nicht alle Vorgänge auf der Geschäftsstelle der Sportfreunde Siegen lassen sich im Rückblick einwandfrei klären. Foto: cst
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geo -  Diese Oppositionsgruppe wird bei der Versammlung satzungsgemäß den Antrag auf Änderung der Tagesordnung stellen, um Vorstandswahlen zu ermöglichen. Dazu bedarf es aber einer Zwei-Drittel-Mehrheit der anwesenden Mitglieder. Lothar Schmidt, langjähriges Sportfreunde-Mitglied und geschäftsführender Gesellschafter eines Siegener Ingenieurbüros, und einige weitere verdiente Sportfreunde-Mitstreiter hatten sich seit Monaten intensiv Gedanken über die Schieflage des Vereins gemacht. Dies weniger hinsichtlich der sportlichen Situation als vielmehr wegen des besorgniserregenden „Zustandes“ der Vereinsführung. Aus den Reihen dieser Gruppe, der u. a. auch der ehemalige Sportfreunde-Spieler und Ex-Vorstandsmitglied Werner Strunk angehört, war der Antrag satzungsgemäß bereits über den Ältestenrat gestellt worden.

Dieses Gremium, dem laut Satzung eine schier übergroße Verantwortung obliegt, hatte den Antrag jedoch abgelehnt und einen eigenen Antrag anderen Inhalts gestellt (SZ berichtete). Besonders pikant: Aus dem Ablehnungsschreiben des Ältestenrates, das der SZ vorliegt, geht hervor, dass der Vorstand sich bei seinem eigenen Anwalt Uli Kipping schlau machte und dieser die Begründung des Antrags für rechtlich korrekt hielt, dessen Ablehnung hingegen problematisch sah. Genau dieser kritische Passus aber wurde aus dem Brief des Ältestenrates „herausgeschnitten“ und sowohl den Antragstellern als auch den Medien vorenthalten.

Und ab hier nahmen die Verwerfungen erst recht ihren Lauf, wie Lothar Schmidt, Werner Strunk und mehrere weitere Mitstreiter der SZ in dieser Woche berichteten. Lothar Schmidt berichtete uns von den danach folgenden Abläufen wie folgt: „Am Rande des Wiedenbrück-Spiels am 15. November habe ich Herrn Maurer vom Vorstand in einem Vier-Augen-Gespräch unsere Vorstellungen erklärt, nachdem dieser Gesprächsbereitschaft seitens des Vorstandes signalisiert hatte, um die schwierige Situation gütlich zu lösen. Wir schlugen vor, dass Uli Steiner auf der Mitgliederversammlung von seinem Amt als Vorstandsvorsitzender mit sofortiger Wirkung zurück tritt, um die unglückselige Verquickung mit seiner Tätigkeit als Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH zu beenden. Gleichzeitig schlugen wir vor, den Antrag des Ältestenrates aufzugreifen und den Vorstand um dann aber drei statt zwei Mitglieder aus unseren Reihen kommissarisch bis Ende Mai 2015 zu erweitern – so wie das die Satzung vorsieht. Herr Maurer hat dann nach kurzer Rücksprache mit Herrn Steiner oder anderen Vorstandsmitgliedern erklärt, dass der Vorstand diesem Vorschlag voll und ganz zustimme. Daraufhin wurde ein Gespräch für den 20. November in größerer Runde vereinbart, bei dem die Vereinbarungen schriftlich fixiert werden sollten. Bei diesem Termin fielen wir dann aus allen Wolken, als der Vorstand von seiner Zusage nichts mehr wissen wollte und uns einen Gegenvorschlag unterbreitete, der sich inhaltlich nur am Antrag des Ältestenrates orientierte. Wir sollten mit zwei Vorstandsämtern abgespeist werden, die sich um unwichtige Dinge kümmern sollten.“

Schmidt erläuterte weiter, dass alle Vorwürfe in Richtung des Vorstandes vom Vorstandsmitglied Heiko Maurer, der gegenüber der SZ zu den Vorwürfen Stellung bezog, geschickt klein geredet worden seien, der sie ansonsten nur mit Belanglosigkeiten konfrontiert habe. Uli Steiner habe dessen Ausführung weitgehend unkommentiert verfolgt. Die Oppositionsgruppe nennt in ihrer „Schadens-Auflistung“ eine Vielzahl allgemeiner Missstände, die den Verein in der Summe bei einigen Sponsoren unmöglich gemacht und viele fleißige Mitarbeiter des Vereins zutiefst vergrault habe. Es gibt aber auch einige konkrete, schwerwiegende Vorwürfe an die Adresse des Vereins gerichtet (siehe dazu Extra-Artikel). Zum Vorwurf des Verwechselns von „brutto“ und „netto“ habe Heiko Maurer den Fehler zwar zugegeben, jedoch seien die Folgen eher geringfügiger, da man da „etwas habe machen“ können. Der kaum durchschaubare Ausrüstervertrag mit „Lotto“ – bei der letzten Mitgliederversammlung im Januar als großer finanzieller Erfolg verkündet worden – sei in Wahrheit ein „Rohrkrepierer“: mit „Puma“ habe man sich besser gestanden, so die Erkenntnisse der Opposition.

Die Liste der Verfehlungen, die dem Vorstand zum Vorwurf gemacht werden, ist lang. Unausgesprochen steht aber über allem die Tatsache, dass nach wie vor zur Finanzierung der laufenden Saison sowohl in der Spielbetriebs-GmbH als auch im sogenannten „e.V.-Bereich“ eine existenziell gefährdende Lücke klafft. Bereits beim Unternehmertag im Hause des Hauptsponsors Gayko in Wilnsdorf wurde dieser Fehlbetrag im September mit insgesamt 250.000 Euro beziffert. Während der Vorstand jedoch seit Wochen „fast keinen Tag vergehen lasse, um in Form von Pressemitteilungen Banalitäten als Erfolg zu verkaufen, die zum Teil gar nicht stimmten und wo man sich zum Teil nicht schäme, sich mit fremden Federn zu schmücken, höre man vom gefährlichen Fehlbetrag nichts“, so die Oppositionsgruppe im SZ-Gespräch.

Diese oppositionelle Gruppe, die dem Vorstand mit Lothar Schmidt, Werner Strunk und Rolf Bleck drei erfahrene Sportfreunde-Mitglieder für die kommissarische Erweiterung des Vorstands vorschlug, will ihre Vorwürfe in der Versammlung von einem integren Großsponsor des Vereins vortragen lassen. Man befürchtet jedoch, dass den Mitgliedern wie schon bei der letzten Versammlung im Januar wieder Luftschlösser verkauft werden, die dann eine inhaltliche Überprüfung während der Versammlung nicht ermöglichen. Sollte aber eine Zwei-Drittel-Mehrheit für den Antrag „Wahlen Vorstand“ zusammen kommen, wird es wohl richtig spannend.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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