Überzeugend aufgeführt

 In der neuapostolischen Kirche Siegen erklang Ludwig van Beethovens Oratorium „Christus am Ölberge“, links Sopranistin Karola Semrau als Seraph. Foto: bst
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bst - Seit 1998 veranstalten die von Dr. Arno Semrau geleiteten Ensembles Mittelhessischer Kammerchor und Kammerorchester im neuapostolischen Gemeindebezirk Gießen/Siegerland/Olpe alljährlich Benefizkonzerte, diesmal verschob sich das Vorhaben von 2018 in die Passionszeit 2019. Der Reinerlös des Konzerts am Sonntagabend in der neuapostolischen Kirche Siegen kommt der Kinder- und Jugendhospizstiftung Balthasar in Olpe zugute. Zum Konzertbeginn ließ Arno Semrau den gemischten Chor a cappella zwei romantische Chorsätze präsentieren: „Gott ist die Liebe“ des in Berlin als Kirchenmusiker bekannten David Hermann Engel und „Ich sinke still und anbetend vor Jesum, dem König hin“ des aus Iowa stammenden Charles Homer Gabriel, der u. a. 35 Gospel-Liederbücher hinterlassen hat. Schon hier bewies der gemischte Kammerchor sein ausgeprägtes Gespür für dynamische Differenzierung bei perfekter Intonation.

Joseph Haydns späte Oratorien standen Pate für ein relativ selten aufgeführtes Werk Ludwig van Beethovens: „Christus am Ölberg“, op. 85. Das an Evangelientextauszüge angelehnte Libretto stammt von Franz Xaver Huber, dem Herausgeber der Wiener Zeitung. Die Oratoriums-Handlung setzt im Garten Gethsemane kurz vor Jesu Verhaftung ein. Jesus bittet seinen Vater um Trost, heißt aber gleichzeitig seinen bevorstehenden Kreuzestod „zum Heil der Menschheit“ willkommen. Soldaten tauchen auf, um Jesus zu verhaften, der seinen Vater bittet, die Leidensstunden mögen „rasch wie die Wolken, die ein Sturmwind treibt“ vorübergehen. Indes flehen die Jünger um Erbarmen, Jesus hindert Petrus daran, ihn zu retten. Als Krieger Jesus schließlich ergreifen, beschließt ein Chor der Engel das Werk. Laut Berichten war die Uraufführung am 5. April 1803 in Wien ein Misserfolg. Die recht freie Bearbeitung der Berichte der vier Evangelisten sowie das Weglassen der Rolle des Erzählers wurden ebenso kritisiert wie opernartige Elemente und die Interpretation der Christus-Figur sowohl als Gottes Sohn als vor den Qualen der Kreuzigung und dem nahenden Tod geängstigter Mensch. Wahrscheinlich aus solchen Gründen wurde das Werk von Chören seither weitestgehend ignoriert.

Semrau mied bei seiner Werkinterpretation Assoziationen zur Oper, entgegen kamen ihm dabei seine Solisten, die Sopranistinnen Sandra Münch und Karola Semrau, die sich die kräftezehrende Seraph-Rolle teilten, Tenor Benjamin Koberstein als Christus und Markus Gilgen-Koberstein als Petrus (Bariton). Den umfangreichsten Part hatte Benjamin Koberstein als Christus zu bewältigen. Schien es anfangs bei der Arie „Meine Seele ist erschüttert“ noch so, als könne er sich bei Forte-Stellen stimmlich kaum gegen das Orchester behaupten, so entwickelte er im weiteren Verlauf das gebotene Stimmvolumen, und das Orchester fand immer besser in seine begleitende Funktion. Bravourös meisterte Karola Semrau das Rezitativ „Erzittre, Erde!“ und die höchst virtuose Arie „Preiset den Erlöser“. Sandra Münch führte die Seraph-Rolle weiter mit klarer Stimmgebung und klanglich bestens harmonierend mit Benjamin Koberstein beim Duett „So ruhe denn“ und später zusammen mit Markus Gilgen-Koberstein beim Terzett „in meinen Adern“. Die Petrus-Rolle ist zwar relativ klein, doch konnte der Bariton im Schlussteil noch einmal Spannung ins Geschehen und eine klangliche Erweiterung einbringen.

Der Chor agierte sehr aufmerksam und variabel. Nicht zuletzt als (Männer-) Chor der Krieger und Chor der Jünger wirkte der wegen mehrerer Erkrankungsfälle geschrumpfte Tenor höchst präsent und gut vernehmlich. Das Orchester konnte bei der Erfüllung seiner vom Komponisten zugedachten Funktion der Umrahmung und Begleitung voll überzeugen. Das Publikum bedankte sich für den erlebten Hörgenuss mit lang anhaltendem Applaus, Chor und Orchester revanchierten sich dafür mit der Wiederholung des „Preiset ihn“ aus dem Oratoriums-Schlussteil.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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