TuS Ferndorf verabschiedet Rottschäfer

 Im T-Shirt seines schwedischen (Tennis-)Landsmanns verfolgte Robert Andersson (hier rechts neben seiner Mutter) das Spiel seines Sohnes im Trikot des TuS Ferndorf. Foto: Reinhold Becher
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geo -  Das Beste kommt zum Schluss. Sagt man. Rein sportlich gesehen konnte man das bezogen auf das letzte Saison-Heimspiel des TuS Ferndorf am Samstag nicht münzen, denn auf sieben Heimsiege in Serie bis Mitte Dezember und dem Erfolg im Februar in Gummersbach folgten mit dem 31:34 (14:20) gegen den TV Emsdetten fünf Niederlagen, vier Unentschieden und nur noch ein spärlicher Sieg in der Sporthalle Stählerwiese.

Aber am Ende waren es doch jene Gänsehaut-Momente, die das Herausragende an dieser Spielzeit im Allgemeinen und an der „Familie Ferndorf“ im Besonderen ausmachten. Schon beim Einlaufen der Spieler kam Wehmut auf, als Kai Rottschäfer mit Sohnemann Jona an der Hand zum letzten Mal in die Stählerwiese einlief. 25 Sekunden vor der Schlusssirene erhoben sich die über 1000 Zuschauer wie auf Kommando trotz der klaren Niederlage und applaudierten stehend. Und als dann die vier Spieler, die den Zweitligisten nun verlassen (Extra-Bericht folgt), nach dem Spiel verabschiedeten, dachte keiner mehr an die 34 Gegentore in den Minuten zuvor. Es war plötzlich so leise in der Halle, dass man das Papier des Sprechers rascheln hörte. Dann stand er allein im Mittelpunkt: Kai Rottschäfer, der 13 Jahre lang seinen geschmeidigen Körper hingehalten hatte, um Gegentore zu verhindern. Der Kapitän ging von Bord, und der Kapitän war den Tränen nahe. Als dann auch noch seine Stimme beinahe versagte, schämten sich viele Zuschauer ihrer feuchten Augen nicht.

Es war zugleich der emotionale Höhepunkt der besten Hallenhandball-Saison der Vereinsgeschichte. Aus eigener Kraft können die Schützlinge von Trainer Michael Lerscht am Samstag in Hagen den 8. Platz halten, weil zeitgleich am Samstag die Rimpar Wölfe gegen Wilhelmshaven verloren. Das wiederum brachte Emsdetten in Zugzwang, das aber mit dem hohen Sieg in Kreuztal den Klassenerhalt unter Dach und Fach brachte. Die Anspannung bei den Gästen, die eine sehr gute Angriffsleistung zeigten, war zum Greifen spürbar. Bei jedem Siebenmeter drehte sich Trainer Daniel Kubes demonstrativ weg, immer wieder griff er zur „Grünen Karte“, zog sie aber doch nicht, weil Ferndorf zwar herankam, aber eben doch nicht willens und stark genug war, die Partie noch einmal zu drehen, in der man schon mit sechs Treffern ins Hintertreffen geraten war. So „gewann“ man zwar wenigstens die 2. Halbzeit - in der Pause hatte Trainer Michael Lerscht ein Donnerwetter losgelassen - mit 17:14, doch ohne Torhüter Lucas Puhl, den nur einige Siebenemeter verwandelnden Lukas Zerbe (Zehenverletzung), ohne Lucas Schneider und letztendlich auch ohne Marijan Basic, der aufgrund eines Unglücks in der Familie mit Genehmigung des Vereins (siehe auch „Familie Ferndorf....!) kurzfristig nach Kroatien gereist war, reichten spielerisches Potenzial, Abwehrleistung und Offensivspirit einfach nicht mehr.

Einzig dem aus Studiengründen in seine baden-württembergische Heimat zum Oberligisten SG Pforzheim/Eutingen zurückkehrenden Jan Wörner (7) und dem gleichfalls siebenfachen Torschützen Julius Lindskog Andersson war es zu verdanken, dass Ferndorf zumindest lange dran blieb. Der kleine Schwede war auch deshalb hochmotiviert, weil neben Vater Robert Andersson auch seine beiden schwedischen Großeltern erstmals in Kreuztal dem Enkel zuschauten. Der ehemalige schwedische Nationalspieler, der zwei olympische Silbermedaillen mit den Tre Kronors gewann, trainierte u. a. auch den HC Erlangen in der 2. Liga, wo er erstmals auf den TuS Ferndorf traf. Zum Sohnemann meinte Papa Andersson am Samstag: „Heute war es okay, aber es ist normal, dass ein Aufsteiger nicht über die gesamte Saison gleich gut spielt.“ Mit seinem Sohn, dessen TuS-Auftritte er oft im Livestream verfolge, telefoniere er jede Woche. „Mindestens“, fügte Robert Andersson lächelnd hinzu, der momentan HIF Karlskrona in Schweden trainiert. Gestern rundete ein gemeinsamer Besuch des Final-Four-Turniers der Handball-Champions League in der Köln-Arena das Handball-Familientreffen ab. Komisch, irgendwie kommt man immer wieder auf dieses Thema Familie Ferndorf zurück ...

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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