Udo Wachtveitl „verhaftet“

 Udo Wachtveitl moderierte das KulturPur-Konzert der Philharmonie Südwestfalen. Foto: René Achenbach  Dass Chefdirigent Charles Olivieri-Munroe (r.) später am Abend den Moderator Udo Wachtveitl noch verhaften sollte, war eine der Überraschungen in der spannungsvoll-unterhaltsamen Eigenproduktion der Philharmonie Südwestfalen. Foto: René Achenbach Stimmgewaltig und ausdrucksstark: Majken Bjerno als Tosca und Niclas Oettermann als Cavaradossi. Foto: René Achenbach
  • Udo Wachtveitl moderierte das KulturPur-Konzert der Philharmonie Südwestfalen. Foto: René Achenbach Dass Chefdirigent Charles Olivieri-Munroe (r.) später am Abend den Moderator Udo Wachtveitl noch verhaften sollte, war eine der Überraschungen in der spannungsvoll-unterhaltsamen Eigenproduktion der Philharmonie Südwestfalen. Foto: René Achenbach Stimmgewaltig und ausdrucksstark: Majken Bjerno als Tosca und Niclas Oettermann als Cavaradossi. Foto: René Achenbach
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ciu - 19.30 Uhr. „Tatort“-Zeit. Nein, keine Sorge, die ARD hat nicht am Programm-Schema gedreht, sondern der „Tatort“ ist vor Ort. Mit Mord und Totschlag und anderen blutigen Angelegenheiten. Doch zu fürchten braucht sich niemand: Es ist alles nur gespielt und zwar „todsicher sinfonisch“, und ein Kommissar geht auch um: Der Franz Leitmayr aus dem Münchner „Tatort“-Team lässt grüßen, denn sein Darsteller, der Schauspieler Udo Wachtveitl, hat sämtliche Fälle auf dem Zettel. Aufklären muss er die (weil längst Geschichte) nicht, wohl aber erklären. Und so führt Wachtveitl das Publikum im ausverkauften Zelttheater am Sonntagabend mit launigen Moderationen durch die Welt von Musical, Film und Oper. Immer augenzwinkernd und, zumal zu späterer Stunde, mit ausgeprägter komödiantischer Begabung.

Die Philharmonie Südwestfalen hatte eigens für KulturPur ein Programm zusammengestellt, in dem es musikalisch um große Dramen mit tödlichem Ausgang ging. In Paris („Phantom der Oper“) oder Transsilvanien („Tanz der Vampire“), in New York („Der Pate“) oder im Wilden Westen („Spiel mir das Lied vom Tod“). Aus der Idee von Festivalleiter Wolfgang Suttner (auch inspiriert vom Krimi „Tödlicher Applaus“, den der Autor und Opernsänger Øystein Wiik 2014 beim „vielseitig“-Literaturfestival in Siegen vorstellte) haben Christine Otterbach, Michael Nassauer und Attila Benkö ein stimmiges Programm aus E- und U-Musik gestrickt. Und mit Charles Olivieri-Munroe stand der Chefdirigent am Pult des munter aufspielenden Orchesters, das mit Schlagzeug und elektronisch verstärkten Instrumenten aufgerüstet war. Er hielt mit Übersicht die musikalischen Fäden beieinander.

Den weiten Rahmen um die sinfonischen Mords-Bilder bildete Klaus Doldingers „Tatort“-Musik. Dazwischen entfalteten sich melodiöse Panoramen: zu Herzen gehende wie das „Love Theme“ aus Coppolas Mafia-Epos (der Himmel voller Geigen!), bösartig-schräge wie die „Moritat“ aus Kurt Weills „Dreigroschenoper“ oder atmosphärisch dichte wie Ennio Morricones „Spiel mir das Lied vom Tod“. Hier beeindruckte ein Solist mit der Mundharmonika und ein anderer auf der Mandoline, in „Maxwell’s Silver Hammer“ von Lennon/McCartney kündete ein Hammer aus dem Baumarkt von einer perfiden Killermethode, und überhaupt war jede Menge Schlagwerk im Einsatz. Die Musik war wirklich schön inszeniert, übrigens auch mit einer ausgeklügelten Lichtshow, die – besonders stark bei Michael Jacksons „Thriller“ – die kleinen kriminalen Geschichten wirkungsvoll unterstrich.

Schluss- und dramaturgischer Höhepunkt sind Szenen aus Giacomo Puccinis Oper „Tosca“. Udo Wachtveitl stellt vor: die Primadonna Floria Tosca, den schwer in sie verliebten Maler Cavaradossi – und sich selbst, in der tragenden Rolle des Kerkermeisters, der von der Todesstunde künden soll. „L’ora“, das sei sein Text, und als er den in das hochdramatische Geschehen – von Majken Bjerno (Sopran) und Niclas Oettermann (Tenor) ausdrucksstark und stimmgewaltig dargeboten – hineinruft, geht ein amüsiertes Raunen durch die Reihen. Es kommt, wie es kommen muss: Cavaradossi wird erschossen, nicht nur zum Schein, wie Tosca glaubt, sondern gründlich. Da hat die Hübnersche Bande mit ihren Räuberpistolen ganze Arbeit geleistet!

Viel Applaus gab es für diese Mini-Oper, Beifallsstürme für die Philharmonie und auch für Wachtveitl. Der badete in den Ovationen, stahl Charles Olivieri-Munroe versuchsweise die Schau. Klar, dass der Orchesterchef da was gegen hatte – und den „Kommissar“ von der Bühne weg verhaftete. Ein heiteres Finale, das nach Zugabe rief. Die gab die Philharmonie mit TV-Krimi-Erkennungsmelodien – zu „Ein Fall für zwei“, „Derrick“ und, natürlich, „Tatort“.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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