Tierquäler-Video aus Betzdorf

Ein junger Mann aus Betzdorf verprügelte einen Hund - und hielt das in einem Video fest. Symbolfoto: Archiv
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soph - Auf der Videoplattform Youtube ist am Donnerstag ein Video hochgeladen worden, das nicht nur Tierfreunde schockieren dürfte. Bei Facebook wurde es 1000-fach geteilt. In dem Film ist zu sehen, wie ein Mann einen zehn Wochen alten Jack-Russell-Terrier am Nackenfell in die Kamera hält. Dann schlägt er das Tier mehrfach heftig auf die Schnauze und gegen den Kopf, wirft es schließlich zu Boden. Der Hund winselt und schreit laut. Der 20-Jährige droht an, den „Bastard“ zu töten und jedem, der ihn provoziere, würde es genauso ergehen. Das Video schickte er an seine Ex-Freundin. Das war am 17. Februar. Am gleichen Tag landete der Film bei den Beamten der Polizeiinspektion Betzdorf. Und die handelten umgehend. „Wir haben uns der Sache sofort angenommen“, so Norbert Skalski, Leiter der PI Betzdorf, im Gespräch mit der SZ. Noch am selben Tag sei dem Mann der Hund abgenommen worden. Laut Informationen der Polizei wurde gegen ihn ein Tierhalteverbot ausgesprochen. Der Hund wies massive Verletzungen auf: „Er hatte einen ausgeschlagenen Zahn, eine Gehirnerschütterung und eine Prellung am Auge.“ Nachdem der Terrier tierärztlich versorgt worden war, wurde er an eine Familie übergeben, die sich aktiv für den Tierschutz engagiert. Dort lebt er jetzt. „Dem Hund geht es zum Glück gut“, versichert Skalski. Den jungen Mann hätten die Beamten noch am gleichen Tag in eine Klinik gebracht, wo er psychologisch untersucht worden sei. In der Einrichtung sei er mehrere Tage geblieben. „Das war ja offensichtlich, dass er ein Problem hat.“ Die Staatsanwaltschaft sei eingeschaltet, ein Strafverfahren wegen Tierquälerei und noch anderer Delikte natürlich umgehend eingeleitet worden, so Skalski

Wieso das Video erst am Donnerstag im Internet aufgetaucht ist und wer es online gestellt hat, ist der Polizei Betzdorf nicht bekannt. Fest steht, dass es zu einer wahren Flut an Reaktionen geführt hat. Bei der Polizeiinspektion klingelte am Donnerstagabend oft das Telefon, es kamen E-Mails an, auch aus dem Ausland. „Es war mit Sicherheit eine hohe dreistellige Zahl“, so Skalski. Auch die Liste der Kommentare unter dem Video wurde minütlich länger. Und die Inhalte hatten es in sich. Dass sich Nutzer wünschten, jemand möge dasselbe mit dem Mann machen wie er mit seinem Hund, waren dabei die harmloseren Varianten. Einige Nutzer riefen zur Lynchjustiz auf. Und das kann unter Umständen Folgen für sie haben. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, so Skalski. Er könne es verstehen, dass dieses Videos für Empörung sorge, und hoffe, „dass alle entschieden gegen Tierquälerei sind“. Aber dazu aufzurufen, den Mann umzubringen, sei eben auch eine Straftat. „Das ist rechtlich nicht in Ordnung.“ Genauso strafbar hat sich übrigens derjenige gemacht, der das Video online gestellt hat. Auch hier seien Ermittlungen im Gange, so der Leiter der PI Betzdorf. Denn juristisch gesehen darf ein Video nur mit dem Einverständnis des Abgebildeten ins Internet gestellt werden.

Mittlerweile ist das Video bei Youtube nicht mehr zu finden. Wie viele Nutzer es aber bereits heruntergeladen und irgendwo anders im Netz veröffentlicht haben, könne man nur vermuten. „Wir haben unsere Polizeitechniker ins Boot geholt“, so Skalski. Fest steht: Wenn man das Video sucht, wird man schnell fündig. Gibt man den Namen des 20-Jährigen in der Suchfunktion bei Facebook ein, erscheinen Gruppen, die harte Strafen fordern. Die Adresse in Betzdorf, die in den Kommentaren aufgetaucht ist, sei tatsächlich die Anschrift des Tierquälers, räumt Skalski ein. Und das macht die Sache für den jungen Mann gefährlich. „Wir sind operativ an der Adresse tätig.“ Soll heißen: Die Polizei überwacht seine Wohnung, um eventuelle eigenmächtige Aktionen gegen den Mann zu unterbinden. Bisher sei es noch zu keinem solchen Fall gekommen. Wo sich der Tierquäler im Moment aufhält, sei der Polizei nicht bekannt. Laut unbestätigten Zeugenaussagen soll er am Donnerstagabend in Betzdorf gesehen worden sein. „Wenn wir ihn sehen, werden wir auf ihn einwirken, doch einen Ortswechsel vorzunehmen.“ Welche Konsequenzen für den Mann folgen werden, wird eine Gerichtsverhandlung zeigen. Der Polizei verdeutlichte in einer Pressemitteilung am Freitagnachmittag ihre Position: „Alle strafrechtlich relevanten Möglichkeiten werden ausgeschöpft. Der Fall hatte und hat Priorität.“

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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