Gestaltungskonzept vorgestellt

 Sie stellten die Konzeption für den Walter-Krämer-Platz vor dem Kreiskrankenhaus in Weidenau vor (v. l.): Prof. Dr. Christoph Brockhaus, Albrecht Thomas, Klaus Dietermann, Wolfgang Suttner, Traute Fries, Erwin Wortelkamp, Steffen Mues und Bertram Müller. Foto: gmz   Diese „Hand“, ein Teil der mehrteiligen Arbeiten auf dem Walter-Krämer-Platz, ist leicht gedreht, leicht gebeugt. Sie ist ein Bild von der Hilfe, die Menschen dem Gegenüber zukommen lassen (sollten). Foto: Wortelkamp
  • Sie stellten die Konzeption für den Walter-Krämer-Platz vor dem Kreiskrankenhaus in Weidenau vor (v. l.): Prof. Dr. Christoph Brockhaus, Albrecht Thomas, Klaus Dietermann, Wolfgang Suttner, Traute Fries, Erwin Wortelkamp, Steffen Mues und Bertram Müller. Foto: gmz Diese „Hand“, ein Teil der mehrteiligen Arbeiten auf dem Walter-Krämer-Platz, ist leicht gedreht, leicht gebeugt. Sie ist ein Bild von der Hilfe, die Menschen dem Gegenüber zukommen lassen (sollten). Foto: Wortelkamp
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gmz - „In dem Moment, wo ich einem Menschen ins Gesicht schaue, verbietet es sich, ihn zu töten.“ Der apodiktisch formulierte Appell wird allerdings jeden Tag, wie derzeit wieder im Irak oder auch teils in der Ukraine mit Entsetzen zu beobachten, mit Füßen getreten. Das wusste auch der französische Philosoph Emmanuel Lévinas, der diese Forderung so eindrücklich formuliert hat und dessen Familie in Litauen von den Nazis umgebracht worden ist. Und dennoch kann man deshalb die Forderung nicht aufgeben. Erwin Wortelkamp hat Lévinas’ Formulierung gewählt, um seine Konzeption für den Walter-Krämer-Platz vor dem Weidenauer Krankenhaus, die am Mittwoch der Presse vorgestellt wurde, zu erläutern. Nach langen, teils heftig und auch schmerzhaft geführten Diskussionen hat man in Siegen im Dezember 2012 den Ratsbeschluss gefasst, den neuen Platz vor dem Eingang des Kreiskrankenhauses Weidenau nach Walter Krämer zu benennen, der als für viele Mitinhaftierte lebensrettender „Arzt von Buchenwald“ (Walter Krämer war eigentlich Schlosser) einen Platz in Yad Vaschem unter den „Gerechten unter den Völkern“ erhalten hat.

Landrat Andreas Müller und Siegens Bürgermeister Steffen Mues erinnerten an den Verlauf der Diskussion und die Person Walter Krämer, deren Wirken Klaus Dietermann schon 1986 in einer Biografie (die derzeit überarbeitet und ergänzt wird) vorgestellt hat. Der Landrat des Kreises und Siegens Bürgermeister zeigten sich beide erleichtert, dass die Würdigung Krämers nun in einem so angemessenen Rahmen ihren Ort findet (der übrigens, wie Bürgermeister Mues ins Gedächtnis rief, auf einen Vorschlag des ehemaligen Landrats Paul Breuer zurückgeht), und dankten allen, die dazu beigetragen haben, auch der Jury unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Christoph Brockhaus, die sich Anfang 2014 für den Vorschlag Wortelkamps entschieden hat. Besonders passend, betonten alle Redner, sei auch der Ort vor dem Krankenhaus, in dem Menschen Hilfe in oft existentiellen Situationen suchen und in ihrer Sorge vielleicht Walter Krämer als jemanden wahrnehmen, der existentiell gefährdet war und anderen in ähnlichen Situationen helfen konnte. Zudem, so Bertram Müller, Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses, sei der Platz ein guter Abschluss für das gesamte Umbauvorhaben des Hauses (in rund sechs Wochen).

Erwin Wortelkamp, dessen Arbeiten sich von Beginn an mit orts- und situationsbezogenen Fragestellungen von Nähe, Ferne und Zusammenhängen auseinandergesetzt haben, stellt in das Zentrum des rund 15 mal 15 Meter großen Platzes, den Wortelkamp in Verbindung setzt mit dem vorhandenen Patientengarten, eine Betonstele, etwa 1,70 Meter hoch, also so groß wie Walter Krämer. Auf einer Seite trägt diese Stele ein Portrait von Walter Krämer, in Glas eingebrannt und in Kopfhöhe in die Stele eingelassen. Von Walter Krämer gibt es ja kaum greifbare Spuren, nur seine Hilfe am Nächsten ist in Erinnerung. Aber das Gesicht ist da, es schaut den Betrachter an, wird vom Betrachter angeschaut, der sich „ein Bild“ machen muss, beispielsweise indem er um die Stele herumgeht, und auf den vier Seiten einige Informationen über diesen Menschen findet. Zum Beispiel: „Schlosser“ oder „Arzt von …“ und auf der nächsten Seite „Buchenwald“. „Erschossen in Goslar“ … Die Stele fordert, wie das eingangs genannte Zitat, dazu auf, das „Gesicht“ des anderen wahrzunehmen. Über einen QR-Code oder einen Flyer (am Empfang) sind weitere Informationen über Walter Krämer zu erhalten.

Mit einer stilisierten „Hand“, mit der Kettensäge aus einem Stamm gesägt, ja modelliert, und in Bronze gegossen, die gleichzeitig das Innen nach außen kehrt und Privatheit wahrt, und einem stilisierten Arm, der die Hausecke des Krankenhauses umfasst (und den Blick nach oben lenkt, was durchaus auch metaphorisch als Perspektivwechsel verstanden werden darf), greift Erwin Wortelkamp das Thema der „Hand“ in ihrer Schutz- und Hilfe-Funktion auf, verdeutlicht Geben und Nehmen. Auf dem Boden lenkt ein Spruchband die Betrachter, die Besucher von Stele und Skulptur ins Foyer, wo eine Arbeit auf Papier das Thema „Hände“ weiterführt. Die Arbeit, so Prof. Dr. Christoph Brockhaus, ist einerseits ein Statement in Sachen Kunst im öffentlichen Raum, die ja immer auch einen gesellschaftlichen Anspruch vertreten kann. Sie ist aber auch eine Verbindung von historischer Erinnerung mit der Gegenwart und Zukunft des einzelnen, der Gesellschaft. Der wegweisende Spruch (im Boden) lautet nämlich: „Die Sorge für den anderen siegt über die Sorge um sich selbst.“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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