„Heimatabend“ vom tollMut-Theater

 Eine illustre Gesellschaft präsentiert das tollMut-Theater in seiner Inszenierung „Heimatabend“. Foto: Bernd Dreseler
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rego - Fünf Personen liegen kreuz und quer übereinander auf einem roten Sofa und schlafen. Unter ihnen befinden sich ein Cowboy, ein Transsexueller und Jesus Christus. Die Absurdität der Situation ist offensichtlich, die Spannung der Zuschauer spürbar.

Musik schwingt durch das Ladenlokal in der Oberstadt und die schlafenden Gestalten beginnen sich unter lautem Gähnen zu strecken. Schauspieler und Publikum sind nun hellwach, die Vorstellung kann beginnen.

Das vom tollMut-Theater inszenierte Stück „Heimatabend“, das am Mittwochabend Premiere feierte, beginnt laut und fordernd, und bereits am Anfang wird klar, dass dies kein leichtes Abendprogramm ist. Angekündigt wird dies auch auf dem „Gebrauchshinweis“, der auf jedem Sitzplatz zu finden ist und welcher das Publikum auffordert, genau hinzuschauen, aufzupassen und mitzudenken. Denn genau wie der Schreibstil von Elfriede Jelinek, der Literaturnobelpreisträgerin, die die Inspiration für das Stück lieferte, ist auch die Aufführung des tollMut-Theaters provokant.

Mit durchdachten Wortspielen kreieren die Schauspieler eine Atmosphäre des Krieges, der Zerstörung und des Leids, in die die Zuschauer eintauchen. Während auf der Bühne über die Notwendigkeit und Gerechtigkeit des Krieges philosophiert wird, macht sich das Publikum seine ganz eigenen Gedanken darüber. Kritische Themen, wie der Kampf um Glaube und Religion sowie der Streit um Öl, werden nicht verschwiegen, sondern intensiv beleuchtet.

Die sarkastischen, oftmals mehrdeutigen Aussagen werden dabei in den Raum gestellt und ermutigen das Publikum zu einer eigenen Deutung des Gesagten. Kontrovers und provokant ist aber nicht nur die Thematik selbst, sondern auch die Inszenierung, bei der über Moralverlust gesprochen wird, während es Konfetti regnet und die Schauspieler zu hawaiianischer Musik die Hüften bewegen.

Die Uranverwertung wird anhand eines Bobbycars erklärt und mit aufblasbaren Plastikdelfinen wird sowohl auf die Umweltverschmutzung als auch auf militärische Abrichtung aufmerksam gemacht. Große Begeisterung unter den Zuschauern ruft auch die teils humorvolle Darstellung eines militärischen Flugkörpers hervor, der von einem Schauspieler verkörpert und von den Herstellern angepriesen wird.

Während der kompletten Aufführung werden die Zuschauer mit unzähligen Tatsachen, Vorstellungen und Bildern konfrontiert, die zum Nachdenken und zum gegenseitigen Meinungsaustausch anregen. Wie im Gebrauchshinweis angekündigt, lässt die Thematik das jubelnde Publikum nicht so schnell los. Und wer sich eine eigene Meinung bilden möchte, hat die Möglichkeit sich die Aufführung „Heimatabend“ des tollMut-Theaters in den nächsten Tagen (Freitag, Samstag, Montag, Dienstag, Mittwoch, jeweils 20 Uhr) in der Kölner Straßen 10 persönlich anzuschauen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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