Burdon packt die Soundkeule aus

 74 Jahre alt und immer noch ein stimmlicher Titan: Eric Burdon zelebrierte am späten Samstagabend im KulturPur-Zelttheater eine Rock-Blues-Soul-Party, wie sie im Siegerland nur selten zu erleben ist. Foto: Dirk Manderbach Rund 1900 Fans kamen am Samstagabend zum Konzert von Eric Burdon auf den Giller. Foto: Dirk Manderbach
  • 74 Jahre alt und immer noch ein stimmlicher Titan: Eric Burdon zelebrierte am späten Samstagabend im KulturPur-Zelttheater eine Rock-Blues-Soul-Party, wie sie im Siegerland nur selten zu erleben ist. Foto: Dirk Manderbach Rund 1900 Fans kamen am Samstagabend zum Konzert von Eric Burdon auf den Giller. Foto: Dirk Manderbach
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aww - Hat diese Band einen Dampf im Kessel! Vom ersten Ton des schwer groovenden Openers „Don’t Bring Me Down“ an machen Eric Burdon, der kürzlich erst sein 74. Wiegenfest gefeiert hat, und die fünf auch nicht mehr so ganz jungen Herren um ihn herum einen Wind, dass es niemanden wundern würde, wenn jeden Moment das Zeltdach hochginge und in den beschaulichen Nachthimmel über dem Giller schösse. Okay, die Beschallungsmöglichkeiten anno 2015 sind andere als die in den Sechzigern, aber diese Soundkeule im bestens gefüllten KulturPur-Zelttheater war kaum zu erwarten und haut die 1900 Rock-/Blues-/Soul-Fans regelrecht aus den Socken. Keine Spur von schmalbrüstigem, kurzatmigem Oldie-Geträller, mit dem sich eine altgediente, routinierte Herren-Riege nochmal ein Taschengeld zur Rockerrente hinzuverdienen möchte. „Eric Burdon & The Animals“, so der geschichtsträchtige Titel des späten Samstagabend-Top-Acts, stehen vielmehr musikalisch voll im Saft, klingen zum Bersten kraft- und lustvoll, leidenschaftlich in jeder einzelnen Sekunde des anderthalbstündigen Gigs, der zu Recht von der Menge mächtig laut bejubelt und gefeiert wird.

Klar, dass der Meister, der sein „Stage-Acting“ auf ein Minimum beschränkt und seine körperlichen Kräfte zur Freude der Zuhörer auf seine schon fast magisch charismatische Stimme konzentriert, dank seiner weit über ein halbes Jahrhundert andauernden Karriere auf eine schier endlose Reihe von Klassikern zurückgreifen kann. Bei „When I Was Young“ singen die Fans kräftig mit und denken wohl auch ein bisschen an die eigene Jugend zurück. „Don’t Let Me Be Misunderstood“ beginnt mit einem herrlich atmosphärischen Intro und nimmt dann einen locker-flockigen Reggae-Groove auf. „Spill The Wine“, das Burdon einst mit War aufnahm, kommt soulig-funky daher, „San Franciscan Nights“ als ruhige Ballade mit süßlichen Instrumentalmelodien und das noch recht junge „Black Dog“ als schwere Blues-Hardrock-Riffnummer, die sich auch im Set von Deep Purple oder Joe Bonamassa gut ausnehmen würde. Apropos jung: Natürlich gibt es auch Hörenswertes vom aktuellen 2013er-Album „’Til Your River Runs Dry“, wie das locker-flockig fließende „Water“ oder das bluesig-tighte „Bo Diddley Special“, auf die Ohren.

Im Kreuz hat der Engländer mit der großen, druckvollen, sonor-rauen Stimme (Gänsehaut war nicht nur bei der intensiv gesungenen Blues-Jazz-Ballade „Drown In My Own Tears“ angesagt) und den ernsten Anliegen („No more war, just a little peace in this world“) bei alledem eine fantastische Band mit einer dreiköpfigen Rhythmusgruppe, die so was von entspannt, lässig und auf den Punkt vor sich hin groovt, dass es eine wahre Wonne ist: Terry Wilson am Bass, Tony Braunagel an den Drums und Percussionist Wally Ingram haben den Dreh einfach raus. Solistische Highlights setzen ein ums andere Mal Gitarrist Billy Watts mit geschmackvollen Licks und warmem, überwiegend trockenem Ton und Organist/Keyboarder Red Young, der auch als Begleiter ein fertig gereifter Tastenvirtuose ist – da flirren und flackern die Töne, dass es in den Ohren summt und brummt. Gekrönt wird das alles übrigens – hier ein dickes Lob an die Fraktion an den Mischpultreglern – von einem zwar lauten, aber kristallklaren und differenzierten Sound, der so im großen Zelt sicher nicht ganz einfach hinzubekommen ist.

„We Gotta Get Out Of This Place“? Das haben die merklich mitgerissenen Fans wohl gerne gehört, aber sie wären sicher genauso gerne auch noch geblieben. Doch nach dem unverwüstlichen „The House Of The Rising Sun“, das dermaßen explosiv auch nicht alle Tage zu hören ist, und einem knackigen Zugabenblock macht Eric Burdon pünktlich um kurz vor halb zwölf Feierabend. Schließlich steht ja auch noch die nächtliche Geburtstags-Party zu 25 Jahren KulturPur auf dem Festival-Programm …

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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