Kommentar zu Sportfr. Siegen

Matthias Hagner, Trainer der Sportfr. Siegen, wird sich als Trainer und Sportlicher Leiter auch an der Qualität seiner Kader-Zusammenstellung messen lassen müssen.
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Ein Jahr, fast auf den Tag genau ein Jahr, ist es nun her, dass eine Pressekonferenz im Hause des Ehrenpräsidenten und damaligen Hauptsponsors Manfred Utsch die kleine, heile Fußball-Welt im Siegerland hätte erschüttern müssen. Dass vermeintliche Beben blieb nach jenem 27. September 2013 aber aus - und genau das war der Anfang vom Ende der Sportfreunde Siegen, jedenfalls dann, wenn nicht bald ein mittelschweres Nachbeben die ungebremste Talfahrt ins Nichts aufhält.

Den ersten großen Fehler beging Utsch selber, als er vorlaut von „Investoren“ sprach, die angeblich schon Gewehr bei Fuß stünden. Fehler Nr. 2 ging dann aber schon zu Lasten des Vorstandes, der über Monate hinweg untätig blieb und es nicht schaffte, das Wirken - oder besser gesagt - Nichtwirken des in der Pflicht Stehenden zu kontrollieren. Wie auch, wenn der Geschäftsführer der Spielbetriebs-GmbH gleichzeitig auch noch Vorstandsvorsitzender des einzigen Gesellschafters, nämlich des Hauptvereins, ist? Ein Unding an Vereinsstruktur, dass zumindest ursächlich auch an der Misere schuld ist.

Ullrich Steiner, von dem hier die Rede ist, jagte zunächst als Einzelgänger einem Phantom hinterher, so dass die vielleicht wichtigsten Monate der Vereinsgeschichte nahezu tatenlos verstrichen. Erst als die Phantom-Blase aufplatzte und sich in Nichts auflöste, wurde hektisch agiert - und wie üblich bei hektischen Entscheidungen so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Lange, viel zu lange klammerte man sich an den sportlichen Übervater Michael Boris, obwohl jedem mit halbwegs Sachverstand klar sein musste, dass der schneidige Gelsenkirchener mit dem Fußball-Lehrer-Diplom in der Tasche schleunigst das Weite suchen würde. In der Not setzte man auf die Doppelkarte Hagner/Schäfer und schickte stattdessen den einzigen wirklichen Fußball-Experten mit Siegerländer Stallgeruch in die Wüste.

Heute dämmert es vielen im Verein, dass Günter Borrs Ansätze, zu retten, was noch zu retten war, den Sportfreunden das aktuelle Elend mit hoher Wahrscheinlichkeit erspart hätten. Aber statt dessen steuerte Steiner das Vereinsschiff wie von einem Autopiloten gesteuert mit jeder Entscheidung weiter auf Sinkkurs. Das duale System wurde als Heilsbringer auserkoren und propagiert und damit leider ohne Not die Tür zu den Spielern der damals noch intakten, sehr guten Mannschaft zugeschlagen. Den Feierabend-Fußball mit der Brechstange im Leimbach-Stadion einzuführen, konnte nicht funktionieren und hat nicht funktioniert. Solche Strukturen umzusetzen hätte Jahre gedauert.

Statt dessen wurden wieder einmal jede Menge Echt-Profis an Land gezogen, nur leider diesmal überwiegend nicht aus den 1a-Regalen der Spielervermittler. Es waren auch viele nicht fitte Spieler dabei, die als Empfehlungsschreiben nur die Hoffnung auf Besseres vorlegten. Die Folgen waren eine höchst durchwachsene Vorbereitung und ein absoluter Stolperstart in die Saison. Das phänomenale DFB-Pokalspiel blendete dann nicht nur Spieler, Fans und Vorstand auf das Grellste, es zog die Mannschaft im rauen Alltag erst recht in die Tiefe.

Mir tun die Spieler leid, die hier im Sportfreunde-Trikot erkennen müssen, dass sie nicht das Zeug für die beste der fünf deutschen Regionalligen haben. Und daran werden auch vier Trainer und ein Teammanager leider nichts Grundlegendes ändern. Zwei 0:0-Punkte nach neun Spielen, sechs geschossene Tore, das ist schon schlimm genug. Noch schlimmer aber ist die Erkenntnis, dass daran nicht böse Mächte die Schuld tragen, sondern dass die aktuelle Mannschaft eine einzige Fehlkalkulation ist und sich daran auf Sicht nichts ändern kann.

„Es gibt derzeit keine Trainerdiskussion“ sprach Uli Steiner am Dienstagabend in Uerdingen in das Radio-Mikrofon. Was immer er mit „derzeit“ gemeint hat, wissen wir nicht. Aber wir wissen: die sich am Samstag jährende Talfahrt der Sportfreunde Siegen ist nicht zuerst auf der Miste der sportlichen Leitung entstanden. Sie ist vielmehr das Resultat eines klar gescheiterten Krisenmanagements der Vereinsführung. Und damit sind sowohl „Autopilot“ Steiner als auch der Rest der Verantwortlichen gemeint. Diese Diskussion muss jetzt geführt werden. Jost-Rainer Georg

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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