Zwischen Eiserfeld und Kreuztal
Seilbahn im Hüttental „denkbar“

ihm Siegen.  Kein Ja, aber auch kein Nein – das ist die Quintessenz der fünfseitigen Vorlage zum Thema Seilbahn, mit der sich im Juni der Kreisverkehrsausschuss auseinandersetzen wird. Die SPD hatte eine Seilbahn durch das Hüttental zwischen Eiserfeld und Kreuztal oberhalb der HTS ins Gespräch gebracht – mit einem Abzweig zur Uni auf den Haardter Berg.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) befasst sich intensiv mit den Möglichkeiten von Seilbahnen im urbanen Raum. Für eine Länge von bis zu zehn Kilometern halten die Forscher eine Seilbahn für eine sinnvolle Alternative zu Bus und Straßenbahn, allerdings müsse das jeweils im Einzelfall geprüft werden. Moderne „Dreiseil-Umlaufseilbahnen“ könnten bis zu 6000 Passagiere pro Stunde befördern.

Für fünf Problemlagen sehen die Fachleute Seilbahnen als besonders geeignet an:

Überwindung topografischer Hürden (Flüsse, Hänge etc.),

Erschließung von Gebieten mit punktuell hohem Verkehrsaufkommen (Bahnhöfe, Hochschulen etc.),

Erschließung peripherer Standorte (abgelegene Stadtteile, Erholungsgebiete etc.),

Entlastung bestehender öffentlicher Verkehrssysteme (bei Großveranstaltungen und sonstigen verkehrlichen Extrembelastungen),

Schließung verkehrlicher Lücken.

Größtes Problem für die Seilbahnen: Sie sind nicht kurvengängig. Außerdem bieten sie nur Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Und: Je mehr Stationen (und damit Umstiege) erforderlich sind, desto langsamer und unkomfortabler wird die Verbindung.

Da die HTS sich in Kurven durch das Hüttental windet, dürfte die mangelnde Kurvengängigkeit einer Seilbahn das größte Hindernis auf dem Weg zu einer Realisierung darstellen. Die Kreisverwaltung wirft deshalb die Frage auf, ob tatsächlich in einer eventuellen Machbarkeitsstudie nur die Trassenführung über die HTS untersucht werden solle: „Es könnte informativer sein, die Trassenführung selbst zum Teil des Prüfauftrags zu machen.“

Die Strecke zwischen Eiserfeld und Kreuztal ist über 15 Kilometer lang – für eine klassische Seilbahnverbindung also eigentlich zu lang. „In Gesprächen mit dem KIT wurde dies allerdings nicht zwingend als Ausschlussgrund gesehen.“ Immerhin diskutiere Köln derzeit ein „Rheinpendel“, eine Seilbahn, die den Rhein auf 33 Kilometer Länge im Zick-Zack-Kurs überquere.

Etwa 70 000 Euro muss man nach den Recherchen der Kreisverwaltung für eine Seilbahn-Machbarkeitsstudie auf den Tisch legen. Dabei soll der gesamte Verkehrsraum in den Blick genommen werden, einschließlich vorliegender Prognosedaten. Maximal sechs geeignete Seilbahntrassen sollen die Ingenieure dann unter die Lupe nehmen und anhand einer Entscheidungsmatrix zwei Vorzugsvarianten auswählen. Am Ende soll eine finale Trasse technisch untersucht werden. Dazu gehören Lage und Dimension der Seilbahnstützen, Dimensionierung und Ausstattung der Gondeln, sicherheitsrelevante Aspekte (Brandschutz, Evakuierungsmöglichkeiten, Ausleuchtung, soziale Sicherheit), Betriebskonzept, Kostenschätzungen und Fördermöglichkeiten.

Wenn aufgrund der Machbarkeitsstudie das Seilbahnprojekt weiter verfolgt werden sollte, kämen weitere Untersuchungsthemen auf den Tisch – Schallschutz, Sichtschutz und Schattenwurf gehören dazu. Ein nicht zu unterschätzendes Problem ist die Grundstücksfrage, denn die Stützen müssen ja an bestimmten Stellen mitten in der dicht bebauten Stadt stehen. Und schließlich nennt die Verwaltung auch weiche Faktoren wie Akzeptanzprobleme. Nach den Erfahrungen in Wuppertal, wo es Bürgerinitiativen für und auch gegen die Seilbahnpläne gegeben habe, müsse dies in einer vertieften Planung berücksichtigt werden.

Dennoch steht in der von Landrat Andreas Müller unterzeichneten Vorlage der Satz: „Grundsätzlich ist es durchaus denkbar, dass Seilbahnen in unserer Region verkehrliche Probleme lösen können, die andere öffentliche Verkehrsmittel nicht in gleicher Güte lösen können.“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.