Till Brönner baut ein Jazz-Haus

 Der Trick ist die Besetzung: Jazz-Trompeter Till Brönner (r.) und Jazz-Bassist Dieter Ilg haben zusammen eine CD aufgenommen. „Nightfall“ reicht von Bach bis Beatles, von Cohen bis zum Kirchenlied. Live zu erleben sind die beiden am Montag, 26. Februar, um 20 Uhr in der Stadthalle Kreuztal. Foto: Chris Noltekuhlmann
  • Der Trick ist die Besetzung: Jazz-Trompeter Till Brönner (r.) und Jazz-Bassist Dieter Ilg haben zusammen eine CD aufgenommen. „Nightfall“ reicht von Bach bis Beatles, von Cohen bis zum Kirchenlied. Live zu erleben sind die beiden am Montag, 26. Februar, um 20 Uhr in der Stadthalle Kreuztal. Foto: Chris Noltekuhlmann
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zel - „Die Jahre zusammen auf der Bühne haben uns nicht geschadet“, sagt Till Brönner. „Normalerweise geht man erst zusammen ins Studio und dann auf Tournee“, aber andersrum sei doch viel besser. „Wir wissen genau, was miteinander funktioniert und was nicht.“ Jazz-Trompeter Brönner spricht natürlich über seinen Bruder im Geiste, den Jazz-Bassisten Dieter Ilg. Die beiden kennen sich seit langer und spielen seit geraumer Zeit immer mal wieder zusammen, doch die Zeit für eine gemeinsame CD war erst jetzt reif. Die beiden haben sich im Wellness-Hotel Schloss Elmau eingemietet, dabei war kein Harmonieinstrument, sondern nur ein Toningenieur – kein großes Ding, sondern eine intensive, intime Erfahrung. Bei der Studio-Session entstand das Werk „Nightfall“, das Ilg und Brönner am Montag, 26. Februar, in der Stadthalle Kreuztal live vorstellen – präsentiert von der Siegener Zeitung.

Obwohl: „Bei Konzerten klingen wir anders als auf der CD.“ Das weiß Till Brönner, weil die beiden ihr „Nightfall“-Programm schon zweimal in der Schweiz live gegeben haben (offizieller Tourstart ist am Sonntag in der Kölner Philharmonie). „Wir sind Improvisateure, wir können es nicht erwarten, bis der Moment kommt, wo wir freigelassen werden“, sagt der 46-Jährige. Die beiden stünden sich auf der Bühne gegenüber, Blickkontakt sei wichtig. Man möchte ja nach dem Frei-Fliegen wieder zusammenkommen, den Gesprächsfaden wieder aufnehmen. Das Spielen im Duo, sei richtig anstrengend – da ist nicht nur einer schnell schweißgebadet. „Wir haben natürlich mehr aufgenommen, als auf das Album passt“, sagt Brönner, der öfter auch zum Flügelhorn gegriffen hat, dessen warmer Klang sich besonders gut mit dem des Basses mischt, wohingegen die Trompete „mehr Abstand“ hat, die Kombination „mehr in Kunstmusik abdriftet“. Die zwei haben das im Studio getestet und befunden: „Das Hörerlebnis ist schlüssiger.“

„Nightfall“ umfasst Songs aus mehreren Jahrhunderten – tatsächlich: von Bach bis Beatles. Warum die CD – vom Opener „A Thousand Kisses Deep“ von Leonard Cohen über „Scream & Shout“ (Will.I.Am mit Britney Spears!) und einige Eigenkompositionen bis zum Kirchenlied „Ach bleib mit deiner Gnade“ von Melchior Vulpius – funktioniert, erklärt Till Brönner so: „Der Trick ist die Besetzung selber“, der gleichbleibende Sound. Die Trompete sei das Dach, der Kontrabass der Keller des Jazz-Hauses, das die beiden miteinander bauen. Dazwischen sei viel Platz, wo ein Sound entstehe, der verzaubert.

Apropos: das „House of Jazz“. Das möchte Till Brönner nicht nur fürs Ohr, sondern auch in der Realität erbauen (wir berichteten). Gerade führt er wieder Gespräche darüber. „Die letzten zwei Jahre waren stark an der Immobilie ,Alte Münze‘ festgemacht“, erklärt er (die ehemalige Prägeanstalt in Berlin-Mitte, über deren kulturelle Nutzung und die Finanzierung von der Politik noch nicht abschließend entschieden wurde, Anm. d. Red.). Der Initiator hat nach Alternativen gesucht und einen „singulären Ort“ gefunden – eventuell in Weimar, oder in Hamburg, oder an einem anderen Ort in Berlin, orakelt Brönner. „Ich freue mich diebisch über das Interesse“, sagt er, „und ich glaube sehr an das Projekt“, das die Berliner Morgenpost als „eine Art Philharmonie des Jazz mit Hausorchester, Konzertsaal und Akademie“ im Stile von „Jazz at Lincoln Center“ in New York beschrieben hat. Man wird sehen  – und hören.

Till Brönner gibt es seit 2009 auch fürs Auge. Er ist und bleibt Deutschlands bekanntester Jazz-Trompeter – und er ist Berufsfotograf. 2014 erschien sein Bildband „Faces of Talent“ mit Künstlerporträts, es gab eine Ausstellung dazu, „das kam an den richtigen Stellen ins Gerede“, erinnert er sich. Sein neuestes Projekt, auf das er mit einem Punk in Schwarz-Weiß auf Instagram schon neugierig macht, ist eigentlich noch geheim. Er verrät jedoch, dass er für eine Stiftung im Ruhrgebiet Menschen und Situationen fotografieren darf, „ein Jahr in der größten Stadt Deutschlands“, wie er sagt, ein Porträt einer Region, ohne besondere Vorgaben.

Auch das Cover von „Nightfall“ hat Brönner fotografiert, es ist als „Beifang“, wie er sagt, in einer Fotosession mit Schauspielerin Lisa Tomaschewsky entstanden. Es erinnert – dem Filter sei dank – an Blue-Note-Cover, zeigt das Model in einem Moment der Entspannung, mit geschlossenen Augen und Zigarette. In so einer Stimmung könnte man gut „Nightfall“ hören, wenn die Nacht hereinbricht, in der Dämmerung, meint Brönner, Ilg und er empfänden den Titel als angemessen. Wer ein paar blaue Stunden mit der„kleinsten Band der Welt“ Brönner/Ilg verbringen möchte, erhält Tickets u. a. an den Konzertkassen der Siegener Zeitung.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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