Neues aus der „Denkstation“

Ann-Katrin Drews  im Museum für Gegenwartskunst zwischen zwei hölzernen Murmelköpfen von Takako Saito. Die aktuelle Ausstellung „You And Me“ macht die Kunstvermittlung leicht, es gibt viele spielerische Ansätze. Foto: zel                       So sieht es zum Beispiel im „lab.Bode“ aus, wenn zum Thema „Dichter dran!“ gearbeitet wird. Die wissenschaftlichen Volontäre treffen sich regelmäßig im Bode-Museum in Berlin, um neue Impulse und Ideen in Sachen Kunstvermittlung zu erarbeiten. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin/lab.Bode, 2017
  • Ann-Katrin Drews  im Museum für Gegenwartskunst zwischen zwei hölzernen Murmelköpfen von Takako Saito. Die aktuelle Ausstellung „You And Me“ macht die Kunstvermittlung leicht, es gibt viele spielerische Ansätze. Foto: zel                      So sieht es zum Beispiel im „lab.Bode“ aus, wenn zum Thema „Dichter dran!“ gearbeitet wird. Die wissenschaftlichen Volontäre treffen sich regelmäßig im Bode-Museum in Berlin, um neue Impulse und Ideen in Sachen Kunstvermittlung zu erarbeiten. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin/lab.Bode, 2017
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zel - „Man merkt, was die Leute von einem möchten“, sagt Ann-Katrin Drews. Möchte einer lieber nur zuhören? Oder sich der Kunst im Gespräch mit ihr und anderen nähern? Kommt jemand freiwillig in seiner Mittagspause oder „muss“ er während einer Abendveranstaltung eine Kurzführung mitmachen? Die Volontärin für Kunstvermittlung im Museum für Gegenwartskunst (MGK) stellt sich auf ihr Publikum ein. Hört sie in einer Führung vielleicht ein beiseite gemurmeltes Wort wie „dekorativ“, fragt sie etwa nach dem Unterschied zwischen Kunst und Dekoration – und schon ist ein Gespräch begonnen. Ein Referat hält sie nicht, denn sie möchte ihre Gruppen – von Kindergartenkindern bis zu Senioren, von Laien bis zu Experten – mitnehmen in die Welt der Kunst, die oft auch etwas mit der Lebenswelt ihres Publikums zu tun hat.

Ann-Katrin Drews ist seit Juli in Siegen, den „Taumel der Rubenspreis-Verleihung“ hat sie noch mitbekommen und ist gleich mit Führungen durch die Ausstellung von Niele Toroni eingestiegen – da gab es mannigfaltige Möglichkeiten zum Dialog: „Warum finden Sie: Das ist keine Kunst?“ Zusammen mit Karin Puck, ihrer Mentorin, ist sie zuständig für das Programm, das zusätzlich den Ausstellungen stattfindet: Führungen, Fortbildungen für Lehrer, Uni-Vorträge, Konzerte, der Familientag, die „Junge Nacht“… Das Museum für Gegenwartskunst ist derzeit eins von elf Häusern in Deutschland, die eine Volontariatsstelle für Kunstvermittlung anbieten. Das Programm nennt sich „lab.Bode“ und wird von der Kulturstiftung des Bundes mit 5,6 Mill. Euro gefördert. Drews (32) ist eine von elf wissenschaftlichen Volontärinnen und Volontären, die vor Ort (etwa im Kunstmuseum Stuttgart, im Jüdischen Museum Frankfurt, in der Kunsthalle Bremen …) arbeiten, aber auch regelmäßig im eigens im Ausstellungsbereich eingerichteten „Labor“ im Berliner Bode-Museum, der „Denkstation“, wie Drews sagt. Hier, in „toll designten“, mit mobilen Elementen wie Matten und Podesten möblierten Räumen, finden regelmäßig Workshops mit renommierten Experten statt, bislang zum Beispiel eine Standortbestimmung (Wie sehe ich mich als Kunstvermittler? Was ist ein Museum? Was kann es leisten?) und ein Modul zum Thema „Schule und Museum“.

Im Bode-Museum, das laut Drews jüngeren Leuten ein wenig unnahbar erscheinen mag, weil sie für den Besuch ein Vorwissen voraussetzen, das sie nicht haben, arbeiten die Volontäre mit Schülern aus Berliner Partnerschulen zusammen, auch eine Hospitanz in einer Schule ist vorgesehen. Die frischen Ideen von der Museumsinsel der Hauptstadt aber sollen die jungen Kunstvermittler auch in „ihren“ Häusern vor Ort umsetzen können. Bis 2020 soll das Programm der Kulturstiftung des Bundes laufen, insgesamt sollen neben dem Bode-Museum selbst 21 Häuser bundesweit vom „lab.Bode“ profitieren.

Ann-Katrin Drews hat sich gezielt für Siegen beworben. Die hochkarätige Sammlung Lambrecht-Schadeberg hatte sie auf dem Radar und den Schwerpunkt des Hauses, der auf der Gegenwartskunst liegt, wie der Name schon sagt. Drews, die aus Dortmund stammt, hat in Bochum Anglistik, Amerikanistik und Kunstgeschichte studiert, anschließend hat sie in Berlin den Master-Studiengang in Nordamerika-Studien absolviert und ihre Abschlussarbeit über zeitgenössische Modemedien (von Hochglanzmagazinen wie Vogue hin zu Blogs und Instagram) geschrieben. Ihre neue Heimat empfindet sie, nach sechs Jahren Berlin, vor allem als „ruhig“ – das gilt aber nur für die Lautstärke, nicht für das kulturelle Leben in der Stadt: Kunstwechsel, Ausstellungen im Brauhaus oder im Haus Seel, die Jungen Kunstfreunde machen ihr das (Ein-)Leben in Siegen leicht und angenehm.

In ihrem zweijährigen Volontariat darf Ann-Katrin Drews ein eigenes Vermittlungsangebot für das Museum für Gegenwartskunst entwickeln, auch das wird vom „lab.Bode“ gefördert. Das kann ein Koffer mit Materialien sein, mit dem Lehrer im Museum arbeiten, ein Heft wie das von Museumszebra „Rubi“ (das gibt es allerdings schon) oder eine App: „Es muss nicht mit dem Holzhammer was Neues sein, sondern soll Sinn fürs Haus machen, soll weiterhelfen“, sagt Drews. Die aktuelle Ausstellung „You And Me“ von Takako Saito macht es ihr und den anderen (freien) Kunstvermittlern ganz leicht, gemeinsam mit dem (jungen) Publikum zu arbeiten: Im hauseigenen Atelier entstehen etwa Papierperücken, Recycling-Kleider, Bücher und Spiele. Das Museum sieht Ann-Katrin Drews als Ort der Begegnung, aus dem man etwas mitnehmen kann: neue Erkenntnisse, die sich im Dialog einstellen, oder Handyfotos, die auf einem kleinen Fotodrucker ausgedruckt werden – je nachdem, was die Besucher sich insgeheim von „ihrer“ Kunstvermittlerin wünschen.

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