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Sturm vernichtet Wahrzeichen
400 Jahre alte Linde an der Roten Kapelle zerstört

Die 400 Jahre alte Linde an der Roten Kapelle in Friesenhagen war krank – jetzt hat sie der Sturm dahingerafft.
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  • Die 400 Jahre alte Linde an der Roten Kapelle in Friesenhagen war krank – jetzt hat sie der Sturm dahingerafft.
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  • hochgeladen von Michael Sauer

damo Friesenhagen. Wie viele Bäume Sturmtief Ignatz in der Region vernichtet hat, weiß keiner – aber ganz sicher ist die alte Linde neben der St.-Anna-Kapelle der prominenteste. Von dem gut 400 Jahre alten Baumriesen ist nach der Sturmnacht nur noch ein trauriger Stumpf übrig. Die Kapelle selbst ist verschont worden: Der mächtige Stamm ist haarscharf neben dem kleinen Gebäude auf die Wiese gestürzt.

„Da hat Friesenhagen ein Wahrzeichen verloren“, sagt Hermann Mockenhaupt. Im Gespräch mit der SZ wird deutlich, dass der frühere Ortsbürgermeister und Schulleiter vom jähen Ende des Baumes auch persönlich berührt ist: „Das stimmt mich sehr, sehr traurig.

damo Friesenhagen. Wie viele Bäume Sturmtief Ignatz in der Region vernichtet hat, weiß keiner – aber ganz sicher ist die alte Linde neben der St.-Anna-Kapelle der prominenteste. Von dem gut 400 Jahre alten Baumriesen ist nach der Sturmnacht nur noch ein trauriger Stumpf übrig. Die Kapelle selbst ist verschont worden: Der mächtige Stamm ist haarscharf neben dem kleinen Gebäude auf die Wiese gestürzt.

„Da hat Friesenhagen ein Wahrzeichen verloren“, sagt Hermann Mockenhaupt. Im Gespräch mit der SZ wird deutlich, dass der frühere Ortsbürgermeister und Schulleiter vom jähen Ende des Baumes auch persönlich berührt ist: „Das stimmt mich sehr, sehr traurig.“

Linde an der Roten Kapelle: Ort der Hexenprozesse

So wie ihm wird es vielen Menschen im Wildenburger Land gehen: „Keine Frage, diesen Baum kennen alle Friesenhagener“, sagt Mockenhaupt. Und sie wissen auch um seine historische Bedeutung.
Denn hätte die alte Linde reden können, sie hätte sicher Dramatisches zu berichten gewusst. An ihrem Fuße wurden die Friesenhagener Hexenprozesse geführt. In den alten Quellen heißt es immer wieder, dass die vermeintlichen Hexen „bei dem Lindgen vom Leben zum Tode geführt“ wurden. Mehr als 200 Menschen haben in den finsteren Zeiten des Hexenwahns ihr Leben auf dem Blumenberg gelassen – direkt neben der Linde, die damals, in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts freilich noch ein kleines Bäumchen war.

Rund 100 Einsätze im Kreis Olpe

Diese Geschichte kennt in Friesenhagen auch heute noch jedes Kind. „Wir sind damals mit der ganzen Klasse zu der Linde gegangen. Und dann stehst du da als kleiner Junge vor diesem gewaltigen Baumstamm – das vergisst du nicht“, erinnert sich Thomas Wickler an seine Grundschulzeit. Jetzt ist er als Löschzugführer vor Ort: Die Feuerwehr muss überlegen, die Stelle rund um die umgestürzte Linde abzusperren – schließlich kann von dem tonnenschweren Baum noch immer eine Gefahr ausgehen, und es dürfte nicht lange dauern, bis die ersten Zaungäste an der Kapelle erscheinen.

Linde an der Roten Kapelle: Baum war lange krank

Schon in den vergangenen Jahren ist die Feuerwehr etliche Male zum Blumenberg angerückt: „Die Linde war schon lange krank“, sagt Wickler, und so war die Feuerwehr zum Beispiel mit Tanklöschwagen vor Ort, um die Behandlung eines Baumdoktors zu unterstützen: „Wir haben geholfen, besondere Nährstoffe in den Boden zu spülen.“ Auch im Dürresommer 2020 hat die Feuerwehr sich um die Linde gekümmert: „Wir haben sie mehrfach mit Wasser versorgt.“

Diese Maßnahme mögen das Leben des alten Baumes verlängert haben – sein jähes Ende konnten sie ebenso wenig verhindern wie die mächtigen Schrauben und Spanneisen, die die Krone stabilisieren sollten. Wahrscheinlich kamen die Sturmböen einfach zu früh im Jahr: Mit ihrer vollen Belaubung hat die Linde wie ein Segel im Wind gestanden – und mit ihrem morschen Stammholz schlichtweg nicht die nötige Kraft gehabt, den Böen zu trotzen.

Dieser Baum darf nicht als Brennholz enden.
Hermann Mockenhaupt
Früherer Ortsbürgermeister

Nun stellt sich die Frage, was aus der Linde wird. Hermann Mockenhaupt ist der Meinung, dass das Holz einer besonderen Nutzung zugeführt werden solle: „Dieser Baum darf nicht als Brennholz enden.“ Und sein Nachfolger Norbert Klaes wünscht sich, dass der Baumstumpf erhalten wird: „Wir werden sehen, dass er als Mahnmal da stehen bleiben kann.“

Aber selbst wenn das gelingt: Die Friesenhagener, aber auch die vielen Spaziergänger und Fotografen aus der gesamten Umgebung werden sich an ein verändertes Bild gewöhnen müssen. Zwar hat die zweite Linde den Sturm überstanden – aber die Lücke, die Ignatz in Friesenhagen hinterlassen hat, ist weithin sichtbar.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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