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Große Nachfrage nach Grundstücken
AK-Land steht vor einem Bauboom

Niedrige Grundstückspreise, viel Natur, aber doch nicht allzu weit weg vom Oberzentrum Siegen: Viele Gemeinden im AK-Land verzeichnen eine hohe Nachfrage nach Baugrundstücken. Und so werden in den kommenden Jahren viele neue Baugebiete entstehen.
  • Niedrige Grundstückspreise, viel Natur, aber doch nicht allzu weit weg vom Oberzentrum Siegen: Viele Gemeinden im AK-Land verzeichnen eine hohe Nachfrage nach Baugrundstücken. Und so werden in den kommenden Jahren viele neue Baugebiete entstehen.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Kreis Altenkirchen. „Du bist ja größenwahnsinnig“: Diesen Spruch hat Harald Dohm nicht nur einmal gehört. Stein des Anstoßes war vor ein paar Jahren die Planung für das Neubaugebiet „Hanfsland“ mit knapp 40 Baugrundstücken, und was die Skeptiker damals sagen wollten, war: Das ist doch viel zu groß gedacht für Scheuerfeld. Heute weiß der Ortsbürgermeister, dass die Kritiker die Nachfrage falsch eingeschätzt haben: Zwar ist das Hanfsland noch nicht erschlossen, aber schon jetzt stapeln sich die Anfragen auf seinem Schreibtisch.
Nähe zu Siegen macht das AK-Land attraktiv
So wie Dohm geht es vielen seiner Kollegen: Wenn irgendwo ein Neubaugebiet entsteht, sind die Plätze oftmals so begehrt, dass gelost werden muss. Bauboom im AK-Land?

damo Kreis Altenkirchen. „Du bist ja größenwahnsinnig“: Diesen Spruch hat Harald Dohm nicht nur einmal gehört. Stein des Anstoßes war vor ein paar Jahren die Planung für das Neubaugebiet „Hanfsland“ mit knapp 40 Baugrundstücken, und was die Skeptiker damals sagen wollten, war: Das ist doch viel zu groß gedacht für Scheuerfeld. Heute weiß der Ortsbürgermeister, dass die Kritiker die Nachfrage falsch eingeschätzt haben: Zwar ist das Hanfsland noch nicht erschlossen, aber schon jetzt stapeln sich die Anfragen auf seinem Schreibtisch.

Nähe zu Siegen macht das AK-Land attraktiv

So wie Dohm geht es vielen seiner Kollegen: Wenn irgendwo ein Neubaugebiet entsteht, sind die Plätze oftmals so begehrt, dass gelost werden muss. Bauboom im AK-Land? Es scheint so, und es sind wohl viele Faktoren, die die Nachfrage nach Bauland im Oberkreis befeuern.
„Wir liegen voll im Speckgürtel der Stadt Siegen“, sagt Tim Kraft, Bauamtsleiter im Kirchener Rathaus. „Durch die B62, die HTS und die Siegstrecke sind wir ganz nah dran an Siegen. Aber bei uns ist der Boden günstiger, und es ist einfach auch eine richtig schöne Gegend.“

Aber nicht nur die Verbandsgemeinde Kirchen mit ihren Ortschaften nah an der Landesgrenze erlebt eine gestiegene Nachfrage. Auch in Betzdorf, Daaden oder dem Gebhardshainer Land werden in den kommenden Jahren viele Bauplätze geschaffen. Und in Wissen ist praktisch ein neuer Ortsteil in der Planung. Überall dort dürfte die Nähe zum Oberzentrum Siegen aber nur noch bedingt eine Rolle spielen.

Der Betzdorfer Stadtbürgermeister Benjamin Geldsetzer führt dann auch andere Gründe für die „sehr, sehr hohe Nachfrage“ an: „Ich denke, die ländlichen Gebiete werden als Gewinner aus der Corona-Pandemie gehen.“ Denn mit dem Trend zum Homeoffice stelle sich zwangsläufig die Frage, ob Büroräume wirklich in den sündhaft teuren Großstädten angemietet werden müssen.“

Home-Office ist ein Modell mit großer Zukunft

Und so würden Kleinstädte zunehmend attraktiv – vorausgesetzt, sie bieten eine entsprechende Infrastruktur mit Arbeitsplätzen, Schulen, Kitas, Arztpraxen und Geschäften.

Gemeinden im AK-Land treiben Bebauungspläne voran

Das sieht auch Uwe Erner so. Der Herdorfer Stadtbürgermeister sagt, die Nachfrage nach Bauplätze sei eng mit der gewerblichen Entwicklung und der Infrastruktur verknüpft. Und so viel können die Herdorfer da nicht falsch gemacht haben: Die Grundstücke in den Baugebieten Kesselstruth II und Mühlwiesen (obwohl noch nicht fertig) sind schon alle weg. „Wir sind in der Vorplanung für weitere Neubaugebiete“, sagt Erner.
Mit ihren Planungen stehen die Herdorfer nicht allein da: Viele Gemeinden im AK-Land sind bereits dabei, neue Bebauungspläne auf den Weg zu bringen. Ein Überblick über die wichtigsten Projekte im Oberkreis:

  • In der Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf sind es neben den Herdorfern vor allem die Daadener und Weitefelder, die derzeit Bauland schaffen. „Super viel Sonne, direkt am Wald, aber zu Fuß in fünf Minuten in der Stadt“: Daadens Stadtbürgermeister Walter Strunk hofft, dass im Gebiet Jungental 2023 die Erschließung über die Bühne geht. Dort könnten 40 Bauplätze entstehen. Wer einen haben will, sollte nicht zu lange warten: „Mir liegen schon 30 Anfragen vor“. In Weitefeld sind die Bagger im Gebiet Buchenweg im Einsatz, und schon jetzt blickt der Gemeinderat in Richtung des geplanten Baugebiets „Auf dem Zilienbusch“.
  • Auch die Verbandsgemeinde Betzdorf-Gebhardshain wird privaten Bauherren in den nächsten Jahren einiges bieten können. Die Stadt hat ein rund 7 Hektar großes Gebiet „Am Scheuerberg“ im Fokus; in einem ersten Schritt könnten dort 3,5 Hektar in ein Baugebiet umgewandelt werden. Noch laufen die Grundstücksverhandlungen mit dem Hauberg: „Das sind sehr gute Gespräche auf Augenhöhe“, sagt Geldsetzer. Und nicht nur die Betzdorfer planen, wie Bauamtsleiter Martin Schäfer auf Anfrage der SZ berichtet. Auch der Wallmenrother Rat hat sich bereits mit der Erschließung neuer Baugebiete befasst. Und in der Alt-VG Gebhardshain wird sich in den nächsten Jahren ebenfalls viel tun: In Elkenroth sollen rund drei Dutzend Bauplätze entstehen, in Kausen, Molzhain und Gebhardshain werde ebenfalls schon konkret geplant.
  • Gleiches gilt für die Verbandsgemeinde Kirchen. Dort sei praktisch jede Ortsgemeinde daran interessiert, Baugrundstücke zu schaffen, berichtet Tim Kraft, über dessen Schreibtisch die Überlegungen der Gemeinden laufen. Denn: Das Kirchener Bauamt erstellt für alle Ortsgemeinden Wohnbaustudien. Erst wird in den einzelnen Gemeinden ausgelotet, welche Flächen die größten Erfolgschancen haben – dabei spielen Faktoren wie die mögliche Vermarktung, aber auch die Verfügbarkeit von Grund und Boden und landespflegerische Aspekte eine Rolle. Erst dann, wenn das abgeklopft sei, „gehen wir ins eigentliche Bebauungsplanverfahren“. Dieser Prozess läuft bereits seit geraumer Zeit – und so geht Kraft davon aus, „dass sich in den Gemeinden perspektivisch einiges tun wird“. Lediglich in Brachbach ist ein Bebauungsplan bereits vorangeschritten: Auf dem Buckensteiner Feld sollen etwa 20 Bauplätze geschaffen werden, berichtet Kraft. „Wir hoffen, dass wir dort nächstes Jahr in die Umsetzung gehen können.“
Baulücken sind meist nicht zu haben Dass der BUND ein Banner hat, auf dem „Stoppt den Flächenfraß“ steht, dürfte sich mittlerweile auch in den Bauämtern herumgesprochen haben. Und natürlich ist dort auch angekommen, dass Versiegeln keineswegs die optimale Lösung ist. Aber: Übereinstimmend berichten die Gesprächspartner der SZ, dass es praktisch alternativlos sei, neue Baugebiete auszuweisen. Denn: Auch Häuser, die zum Verkauf stehen, sind rar. „Was auf den Markt kommt, ist meist sofort weg“, sagt Tim Kraft. Und Baulücken im Bestand können den Hunger auf Baugrund nicht stillen: Der weit überwiegende Teil der ungenutzten Grundstücke steht nicht zum Verkauf. Dieses Problem kennen alle Ortsbürgermeister und Bauämter: „Wir haben das im großen Stil abgefragt“, berichtet der Betzdorfer Bauamtsleiter Martin Schäfer: „Der weit überwiegende Teil steht dem Markt einfach nicht zur Verfügung, weil die Besitzer nicht verkaufen wollen.“ Dieses Problem kann Kommunen übrigens auch in Neubaugebieten blühen – und zwar immer dann, wenn sie selbst nur einen geringen Teil der Grundstücke besitzen. Deshalb versuchen viele Gemeinden, Neubaugebiete da zu erschließen, wo sie im Vorfeld den Grund und Boden erwerben können. Ein Musterbeispiel dafür ist das Baugebiet „Am Scheuerberg“ in Betzdorf. Dort gehört das gesamte Areal dem Hauberg, die Stadt möchte es komplett kaufen. „Und es ist natürlich deutlich angenehmer, mit einem Grundbesitzer zu verhandeln als mit hundert“, sagt Benjamin Geldsetzer.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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