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Landwirt schildert Angriff auf Kuhherde
„Bald ist der Wolf bei uns im Stall“

Marcel und Pascal Walterschen (r.) aus Hasselbach sorgen sich um ihre Kühe: In der vergangenen Woche sind zwei Wölfe in ihre Herde eingedrungen und haben versucht, ein Kalb in die Enge zu treiben.
  • Marcel und Pascal Walterschen (r.) aus Hasselbach sorgen sich um ihre Kühe: In der vergangenen Woche sind zwei Wölfe in ihre Herde eingedrungen und haben versucht, ein Kalb in die Enge zu treiben.
  • Foto: damo
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

damo Kreis Altenkirchen.  Wenn Landwirte über den Wolf reden, dann wird’s für den grauen Jäger meist unbequem. Und da war auch der Termin gestern im Unterkreis keine Ausnahme: Einmal mehr hat es verbale Prügel gehagelt, einmal mehr hätten die engsten Angehörigen des Rotkäppchens kaum mehr Frust äußern können als die Landwirte beim Pressegespräch. „Wir haben Existenzängste, denn bald ist er bei uns im Stall“: Bei Landwirt Marcel Walterschen sitzt der Stachel tief.
Grund dafür ist ein Vorfall, der sich vor knapp einer Woche auf einer Kuhweide, keine 100 Meter vom Hof entfernt, abgespielt hat. „Zwei Wölfe sind in die Herde eingedrungen“, berichtet Walterschen. Die beiden Tiere haben demnach ein sechs Monate altes Kalb vom Rest der Herde abgedrängt und in die Enge getrieben.

damo Kreis Altenkirchen.  Wenn Landwirte über den Wolf reden, dann wird’s für den grauen Jäger meist unbequem. Und da war auch der Termin gestern im Unterkreis keine Ausnahme: Einmal mehr hat es verbale Prügel gehagelt, einmal mehr hätten die engsten Angehörigen des Rotkäppchens kaum mehr Frust äußern können als die Landwirte beim Pressegespräch. „Wir haben Existenzängste, denn bald ist er bei uns im Stall“: Bei Landwirt Marcel Walterschen sitzt der Stachel tief.
Grund dafür ist ein Vorfall, der sich vor knapp einer Woche auf einer Kuhweide, keine 100 Meter vom Hof entfernt, abgespielt hat. „Zwei Wölfe sind in die Herde eingedrungen“, berichtet Walterschen. Die beiden Tiere haben demnach ein sechs Monate altes Kalb vom Rest der Herde abgedrängt und in die Enge getrieben. „Das war ein gezieltes Angreifen“, ist sich Walterschen sicher, und es sei nur deshalb glimpflich ausgegangen, weil zufällig der Jagdaufseher in der Nähe gewesen sei. Der sei mit seinem Auto an den Rand der Weide gefahren, habe gehupt und aufgeblendet und so die beiden Wölfe in die Flucht geschlagen. Die Rinder seien geschockt gewesen: „Die haben gebrüllt, waren richtig panisch. So etwas geht einem als Tierhalter unter die Haut.“

Nicht der erste Vorfall

Rund um die Wälder bei Leuscheid ist das nicht der erste Vorfall, bei dem ein Wolf die Hauptrolle spielt. Dutzende Sichtungen belegen, dass sich dort ein Wolfsrudel angesiedelt hat; vor wenigen Wochen war eines der Jungtiere auf der B 8 überfahren worden (die SZ berichtete). Und so wissen auch viele von Walterschens Berufskollegen einiges zum Thema beizusteuern – das wurde bei diesem Pressegespräch in Hasselbach schnell deutlich.
Peter Lipka aus Birnbach hält nicht nur Kühe, sondern auch Schafe. Fünf Stück sind ihm bereits von Wölfen gerissen worden, sagt er. Und einmal habe er den Wolf sogar auf frischer Tat ertappt: „Ich denke, ich sehe nicht richtig: Da springt der mit einem großen Satz über den Zaun.“ Und besagter Zaun sei 1,30 Meter hoch. Für Lipka ist besonders ärgerlich, dass er für die toten Tiere nicht entschädigt worden sei: „Erst hieß es, ich kriege alles ersetzt. Aber dann hab ich keinen Cent bekommen, weil ich ja schon den Zaun bekommen hatte.“
Für die Landwirte rund um Leuscheid wird der Wolf offensichtlich zur ernstzunehmenden Bedrohung – und nicht nur da. Markus Kühn, Landwirt aus Nisterberg, berichtete von Wolfsattacken im Umfeld des Stegskopfs – kurzum: Die Bauern sind es leid. Und so hat sich ihr Verband entschlossen, auf dem Hof der Familie Walterschen ein Pressegespräch auszurichten. Wie sehr den Bauern das Thema auf den Nägeln brennt, zeigte das Teilnehmerfeld: Aus vielen Teilen des Kreises waren gestern Landwirte nach Hasselbach gekommen.

„Schießen, schaufeln, schweigen“

Markus Mille, Geschäftsführer des Bauernverbands, brachte die Position der Landwirte auf den Punkt. Es gebe mittlerweile zu viele Wölfe in Deutschland, denn die Tiere würden sich exponentiell vermehren. Das werde irgendwann auch zur Gefahr für die Bevölkerung auf dem Land, mahnte er: „Die Landwirtschaft ist nur das Frühwarnsystem.“ Georg Groß, ehemaliger Kreisvorsitzender aus Dauersberg, gab ihm Recht – und berichtete auch, wie das Problem im wolfreichen Niedersachsen gelöst werde: „Schießen, schaufeln, schweigen.“
Zum Brechen des Rechts ruft der Kreisbauernverband freilich nicht auf, und deshalb lautet die erste zentrale Forderung, dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird. Nur dann könne der Bestand auf ein Maß reduziert werden, mit dem auch die Bauern leben könnten. „Wir wollen ihn nicht ausrotten“, versicherte Matthias Müller, Kreisbauernvorsitzender aus dem Westerwaldkreis. „Aber es muss eine Möglichkeit geschaffen werden, den Bestand zu regulieren.“

"Wir werden allein gelassen"

Die zweite Forderung der Bauern lautet: Die finanzielle Unterstützung für die Landwirte muss wirklich all das abdecken, was die Existenz der Wölfe den Landwirten abverlangt. Soll heißen: Fälle wie den eines Landwirts aus Giesenhausen, der nur für zwei seiner 20 Hektar einen Zaun bezahlt bekommen hat, dürfe es nicht mehr geben. Und es sei eben auch nicht damit getan, dass das Land die Materialkosten für die Zäune übernehme – schließlich müssten die ja auch noch aufgebaut und immer wieder freigeschnitten werden. „Wenn die Bevölkerung den Wolf will, muss sie ihn auch bezahlen“, schlussfolgerte Markus Mille.
Denn sonst, das gaben etliche Landwirte zu Protokoll, würde ihren Höfen irgendwann die Existenzgrundlage entzogen. Und was das für die Kulturlandschaft und letztlich auch für Tier- und Pflanzenarten des Offenlands bedeute, liege auf der Hand, kritisierte Ina Lichtenthäler aus Wahlrod: „Wir sind auf dem Weg, uns als Bio-Hof zertifizieren zu lassen, wir wollen im Einklang mit der Natur arbeiten. Aber mit dem Problem mit dem Wolf werden wir allein gelassen.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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