Verein „neue arbeit“ hilft Bedarfsgemeinschaften
BG-Coaching fördert und fordert digital

Nadine Manz und Manuel Jakobsen-Urwald haben in den vergangenen Wochen neue Büro-Räume an der Frankfurter Straße 3 in Altenkirchen bezogen.
  • Nadine Manz und Manuel Jakobsen-Urwald haben in den vergangenen Wochen neue Büro-Räume an der Frankfurter Straße 3 in Altenkirchen bezogen.
  • Foto: hwl
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

sz Altenkirchen. „Im vergangenen Jahr haben wir mehr als 130 Personen, darunter 60 Kinder, im Rahmen unserer Projektarbeit beraten und begleitet.“ Das sagt Nadine Manz, die das Projekt Bedarfsgemeinschafts-Coaching (BG-Coaching) des gemeinnützigen Vereins „neue arbeit“ an dem zu Jahresbeginn neu bezogenen Projekt-Standort an der Frankfurter Straße 3 in Altenkirchen leitet, nicht ohne Stolz beim Blick auf die gerade für Corona-Zeiten beeindruckenden Zahlen. Denn diese Zahlen besagen vor allem, dass sich hinter den dauerhaft 30 BG-Coaching-Plätzen für Alleinstehende, Familien und/oder deren Angehörige mehr als viermal so viele direkt Betroffene und Betreute verbergen, deren Leben in Corona-Zeiten bzw. im Lockdown noch einen Tick schwieriger geworden ist.

Ausgrenzung erlebt und verinnerlicht

Dabei ist diese Kundschaft aus den Jobcenter-Standorten Altenkirchen, Betzdorf und Wissen schon in normalen Zeiten eine besondere. Denn, so Manz: „Die Teilnehmenden stecken oft bereits seit langer Zeit im SGB-II-System, sie haben Ausgrenzung erlebt und sie verinnerlicht. Wir begegnen ihnen indes auf Augenhöhe, indem wir die Freiwilligkeit der Projektteilnahme von Beginn an thematisieren und sie als Kunden behandeln, denn ohne Freiwilligkeit sind Coaching und Veränderungen unmöglich. Dieses persönliche Coaching gehen wir mit dem Ziel an, alle Teilnehmenden, überwiegend Langzeit-Arbeitssuchende, aber auch Menschen mit Fluchthintergrund, in ihren Kompetenzen zu fördern und sie zu ermutigen, Probleme selbstständig zu lösen.“

Probleme in der Pandemie größer und diffuser

Diese Probleme (soziale Ausgrenzung, steigende Armutsgefährdung und wachsende Kinderarmut etc.) waren schon vor Corona eine besondere Herausforderung. Mit Pandemie-bedingten Einschränkungen sind diese Problemfelder aber noch diffuser und größer geworden. Manz: „Für unsere Arbeit für die und mit den Menschen war vor allem die eingeschränkte Mobilität unserer Kunden ein Problem. Denn fehlende Führerscheine, ein löchriges ÖPNV-Netz oder eine schlechte digitale Ausstattung waren schon immer Hürden, die gesellschaftliche Teilhabe und eine Arbeitsaufnahme selbst in normalen Zeiten schwierig machten.“ Verschärft hat sich diese Situation nun durch die zeitweise gravierenden Kontakt-Beschränkungen seit fast einem Jahr.

Gut durch die erste Phase gekommen

Manz: „Die Einschränkungen und Kontakt-Beschränkungen sind uns noch aus dem Vorjahr hinlänglich bekannt. Trotzdem sind wir damals gut durch die erste Phase der Projektarbeit, die Kennenlern- und Vertrauensbildungsphase, gekommen. Über regelmäßige wöchentliche Telefonate und/oder persönliche Besuche haben wir uns damals ein Bild von der Situation der Teilnehmenden und aller Mitglieder ihrer Bedarfsgemeinschaft verschafft, sodass wir die Handlungsbedarfe transparent machen konnten und im direkten Kontakt untereinander abstimmen konnten. Das ist für die Beziehungsarbeit und Vertrauensbildung enorm wichtig.“

Digitale Beziehungsarbeit

Was hat sich seitdem verändert? „Durch den Projektstart mitten in der Pandemie müssen wir zurzeit viel flexibler sein und vorgehen. Denn unsere neuen Kunden sind unsicher und haben Hemmungen, die wir ihnen in normalen Zeiten Woche für Woche im ständigen Wechsel zwischen aufsuchenden und telefonischen Kontakten der Coaches zu nehmen versuchen. Fallen – wie zurzeit – diese aufsuchenden Kontakte weg, bleibt uns nur der digitale Weg zur Kontaktpflege und zum Abbau der Hemmschwellen.“ Diese digitale Beziehungsarbeit über die vom Projektträger bereitgestellte Schulungsplattform naServ, die eine kontaktlose, aber trotzdem individuell abgestimmte Kontaktpflege oder Betreuung via Chat, Videokonferenz oder Mail möglich macht, ist für alle im Projekt neu.
Manz hält fest: „Viele gehen jetzt dank der Nutzung und ihrer digitalen Arbeit überhaupt erst die ersten Schritte, um an der Digitalisierung der Gesellschaft teilzuhaben. Das ist nicht schlecht, auch wenn ein Coaching im persönlichen Kontakt einfacher ist und schneller zum Ziel führt.“

Autor:

Redaktion Altenkirchen aus Betzdorf

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