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Zündende Idee rettet Bier vor dem Abfluss
Comeback als Gebäck

Anja Walther, Bezirksleiterin des Backhauses Hehl, präsentiert hier das Ergebnis einer ungewöhnlichen Form der Nachbarschaftshilfe: Die Bäcker helfen der Westerwald-Brauerei, das überschüssige Fassbier aus den Zeiten des Lockdowns vor dem Entsorgen zu retten.
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damo Hachenburg. Benny Walkenbach versucht gar nicht erst, die Situation schönzureden – er weiß, dass ihm das nicht gelingen wird. Lockdown, Ausgangssperre, geschlossene Kneipen: All das bekommen die Brauereien zu spüren, und da ist auch Walkenbachs Arbeitgeber, die Westerwald-Brauerei, keine Ausnahme. „Der Fassbierkonsum liegt seit einem halben Jahr praktisch bei null“, spricht der Vertriebsleiter für Gastronomie und Handel im Gespräch mit der SZ dann auch Klartext.

Aber nicht nur die fehlende Nachfrage nach Nachschub ist ein Problem: Auch die Fässer, die kurz vor dem Dezember-Lockdown ausgeliefert worden sind, bereiten den Hachenburger Brauern Kopfzerbrechen. Denn langsam, aber sicher, rückt das Mindesthaltbarkeitsdatum näher. Bleibt nur Wegkippen?

damo Hachenburg. Benny Walkenbach versucht gar nicht erst, die Situation schönzureden – er weiß, dass ihm das nicht gelingen wird. Lockdown, Ausgangssperre, geschlossene Kneipen: All das bekommen die Brauereien zu spüren, und da ist auch Walkenbachs Arbeitgeber, die Westerwald-Brauerei, keine Ausnahme. „Der Fassbierkonsum liegt seit einem halben Jahr praktisch bei null“, spricht der Vertriebsleiter für Gastronomie und Handel im Gespräch mit der SZ dann auch Klartext.

Aber nicht nur die fehlende Nachfrage nach Nachschub ist ein Problem: Auch die Fässer, die kurz vor dem Dezember-Lockdown ausgeliefert worden sind, bereiten den Hachenburger Brauern Kopfzerbrechen. Denn langsam, aber sicher, rückt das Mindesthaltbarkeitsdatum näher. Bleibt nur Wegkippen? Nein, denn jetzt gibt es die Bierretter-Brötchen.

Bier statt Wasser

Der Name ist Programm: Denn eine neue Gebäck-Kreation des Backhauses Hehl sorgt dafür, dass der Wäller Gerstensaft eben nicht den traurigen Weg in den Abfluss antreten muss. Statt mit Wasser werden die Bierretter-Brötchen mit Bier gebacken – und so erlebt ein Westerwälder Produkt in letzter Sekunde ein Comeback.

"Der Fassbierkonsum liegt seit einem
halben Jahr praktisch bei null."

Benny Walkenbach
Westerwald-Brauerei

Die Kooperation zwischen Bäcker und Brauer ist nur auf den ersten Blick ungewöhnlich: Zwischen der Brauerei und dem Stammsitz des Backhauses Hehl liegen nur zwei, drei Kilometer. „Wir sind fast Nachbarn, und wir kennen uns gut“, sagt Walkenbach. Und genau das hat sich jetzt bezahlt gemacht.

Denn im Backhaus Hehl machte die Kunde die Runde, dass die Westerwald-Brauerei aus Kulanz gegenüber ihren Gastwirten das Fassbier zurücknimmt, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum nur noch vier Wochen in der Zukunft liegt. Und da seit Dezember nichts mehr durch die Zapfhähne fließt, kommen mittlerweile etliche Fässer nach Hachenburg zurück. „Als wir davon erfahren haben, hatten wir die Idee zu einer Kooperation“, berichtet Linda Hartwig, Geschäftsführerin bei Hehl.

Besserer Vorschlag als entsorgen

„Also haben wir gefragt: Was macht ihr denn mit dem Bier, das jetzt zurückkommt?“ Als die Antwort „Entsorgen“ lautete, hatte das Backhaus einen deutlich besseren Vorschlag.

Lockdown, Ausgangssperre, geschlossene Kneipen: All das bekommen die Brauereien zu spüren - auch die Westerwald-Brauerei ist da keine Ausnahme. Aus diesem Grund stapeln sich die Fässer im Lager und warten darauf, wieder ausgeliefert werden zu können.
  • Lockdown, Ausgangssperre, geschlossene Kneipen: All das bekommen die Brauereien zu spüren - auch die Westerwald-Brauerei ist da keine Ausnahme. Aus diesem Grund stapeln sich die Fässer im Lager und warten darauf, wieder ausgeliefert werden zu können.
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„Der Vorteig des Bierretter-Brötchens besteht aus Hartweizengrieß und Bier. Wir verwenden gar kein Wasser“, erklärt Linda Hartwig. „Aber die wichtigste Zutat ist: Zeit.“ 24 Stunden darf der Grieß im Bier plantschen, dabei aufquellen und das Aroma annehmen. Erst dann werden die Brötchen geformt und in den Ofen geschoben. Beim Backen verflüchtigt sich übrigens der Alkohol: „Die Brötchen können Sie problemlos Ihren Kindern geben“, versichert Hartwig.

Nachfrage nach Bierretter-Brötchen groß

Die Bierretter-Brötchen sind aromatischer als ihre „normalen“ Kollegen, und sie haben eine auffallend knusprige Kruste. „Sie bleiben auch länger frisch“, berichtet die Geschäftsführerin, und ganz offensichtlich steht sie mit dieser Einschätzung nicht alleine da: „Die Nachfrage ist groß, wir verbacken rund 20 Fässer Bier pro Woche.“ Mittlerweile überlegt die Geschäftsführung sogar schon, das Bierretter-Brötchen auch über die Pandemie hinaus zu retten: „Wir denken darüber nach, ein saisonales Angebot daraus zu machen.“

Aber nicht nur der Geschmack wird die hohe Nachfrage erklären, meint Walkenbach: „Ich glaube, dass viele Kunden einfach von der Idee überzeugt sind, dass hier verantwortungsvoll mit einem guten, regionalen Produkt umgegangen wird.“ Und trotzdem ist er heilfroh, wenn die Tage des Bierrettens gezählt sind: „Ich hoffe sehr, dass das eine einmalige Aktion bleibt.“

Anja Walther, Bezirksleiterin des Backhauses Hehl, präsentiert hier das Ergebnis einer ungewöhnlichen Form der Nachbarschaftshilfe: Die Bäcker helfen der Westerwald-Brauerei, das überschüssige Fassbier aus den Zeiten des Lockdowns vor dem Entsorgen zu retten.
Lockdown, Ausgangssperre, geschlossene Kneipen: All das bekommen die Brauereien zu spüren - auch die Westerwald-Brauerei ist da keine Ausnahme. Aus diesem Grund stapeln sich die Fässer im Lager und warten darauf, wieder ausgeliefert werden zu können.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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