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Weniger Teilnehmer
Corona-Politik: Erneuter "Spaziergang" durch Altenkirchen

An der Ecke Rathausstraße/Parkstraße hatte die Polizei dichtgemacht. Die „Spaziergänger“ wichen aus (rechts hinten).
  • An der Ecke Rathausstraße/Parkstraße hatte die Polizei dichtgemacht. Die „Spaziergänger“ wichen aus (rechts hinten).
  • Foto: dach
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

dach/RND Altenkirchen. Mein Abend beginnt und endet mit Fragen. „Wissen Sie, wo hier die Spaziergänge stattfinden?“, spricht mich eine Frau an, die gerade mit ihrem Begleiter das geparkte Auto verlässt. Wir sind unweit des Altenkirchener Bahnhofs. Gleich von gegenüber, vom Konrad-Adenauer-Platz, hatten auch an den vergangenen beiden Montagen die Spaziergänge gestartet, mit denen man ein Zeichen gegen die Corona- bzw. Impfpolitik setzen will.
Impfgegner demonstrieren in Altenkirchen
Auf dem Platz und entlang der Bahnhofstraße haben sich erneut mehrere Dutzend „Spaziergänger“ postiert – ebenso wie einige Polizisten. Roger Lewentz hatte im Vorfeld vor Gewalt bei Versammlungen gegen Corona-Maßnahmen gewarnt und eine höhere Polizeipräsenz angekündigt.

dach/RND Altenkirchen. Mein Abend beginnt und endet mit Fragen. „Wissen Sie, wo hier die Spaziergänge stattfinden?“, spricht mich eine Frau an, die gerade mit ihrem Begleiter das geparkte Auto verlässt. Wir sind unweit des Altenkirchener Bahnhofs. Gleich von gegenüber, vom Konrad-Adenauer-Platz, hatten auch an den vergangenen beiden Montagen die Spaziergänge gestartet, mit denen man ein Zeichen gegen die Corona- bzw. Impfpolitik setzen will.

Impfgegner demonstrieren in Altenkirchen

Auf dem Platz und entlang der Bahnhofstraße haben sich erneut mehrere Dutzend „Spaziergänger“ postiert – ebenso wie einige Polizisten. Roger Lewentz hatte im Vorfeld vor Gewalt bei Versammlungen gegen Corona-Maßnahmen gewarnt und eine höhere Polizeipräsenz angekündigt. „Bei solchen Protesten tummeln sich Verschwörungstheoretiker, Impfgegner, Angehörige des Reichsbürgerspektrums
Die Kreisverwaltung erklärt zunächst vom Bahnhof aus „die Versammlung“ per Megafon für aufgelöst und verweist auf diverse Vorschriften und Paragrafen. „Sofortvollzug angeordnet“, kommt als Satzfetzen noch bei mir an.

Als der Tross sich in Bewegung setzt, bilden einige der Beamten gewissermaßen die Nachhut. Gleich am Ende der Bahnhofstraße dann weitere Landesbedienstete: Die Polizei hat zur B8/Quengelstraße hin dichtgemacht. Es ist der direkte Zuweg zur Fußgängerzone. Vor einer Woche war der Marktplatz angesteuert worden.

"Spaziergang" verläuft im Bereich des Rathauses in Altenkirchen

Nun aber drehen die „Spaziergänger“ ab, peilen über Koblenzer Straße und Heimstraße die Peripherie an. Es regnet und ist stockfinster. Ich trotte hinterher, zwischen „Wandersleut’“ und Polizei. Über einen schmalen Teerweg – rechts ein Waldstück, links bepfütztes Grünland – ziehen die Protestler, einige mit einem Licht in der Hand, quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit durch die Kreisstadt.

Das ändert sich, als es zunächst wieder durch ein Wohngebiet und dann ins Stadtzentrum geht, vorbei am Finanzamt und durch einen Hinterhof. Im Bereich des Rathauses bzw. der Kreisverwaltung verläuft sich der Spaziergang. Manche nehmen diesen, andere jenen Weg. Einige „Spaziergänger“ bleiben vor dem Kreisständehaus stehen, in starker Begleitung von Beamten.

Spaziergänge ein Fall für den Staatsschutz

Vor dem Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde werden einige Kerzen abgestellt. Hier steht Bürgermeister Fred Jüngerich vor dem Haupteingang und sieht hier ein bisschen aus wie der letzte Nibelunge. „Ich kann die Welt nicht retten“, sagt er im Gespräch, „aber das ist Dienst für mich.“ Wenngleich er es vor 14 Tagen vorgezogen habe, im Inneren des Rathauses zu bleiben. Da – zu diesem Zeitpunkt war eine solche Versammlung noch nicht von der Kreisverwaltung im Vorfeld verboten worden – seien nämlich rund 300 Leute auf dem Vorplatz aufgeschlagen.

"Spaziergang" in Altenkirchen bleibt insgesamt friedlich

Davon konnte nun keine Rede sein. Waren es vor einer Woche noch etwa 200 „Spaziergänger“, blieb eine ungefähre Teilnehmerzahl diesmal im wahrsten Wortsinne im Dunkeln. Zu viele Grüppchen bildeten sich. Trotzdem hat Fred Jüngerich ein Problem mit dem Phänomen in Altenkirchen: „Man kann seine Meinung kundtun. Aber ich mag es nicht, wenn man es öffentlich tut und sich dabei nicht zu erkennen gibt. Und das schon zum dritten Mal.“ Der Bürgermeister befürchtet, dass „der Marsch missbraucht“ werde, und zwar von Rechten, die durchaus von auswärts hinzukämen. Viele bekannte Gesichter habe er jedenfalls nichts ausmachen können.

Der „Spaziergang“ in Altenkirchen bleibt insgesamt friedlich, endet mit einigen Personenkontrollen. Da Versammlungen solcher Art explizit per Allgemeinverfügung des Landrats untersagt worden waren, erwartet diejenigen, die ihre Personalien angeben müssen, nun Post von offizieller Stelle.
Dass die Polizei ihre Aufgabe bei den „Spaziergängen“ sehr ernst nimmt, war nicht zu übersehen. Auch ich werde zweimal im Bereich des Rathauses kontrolliert, zücke jeweils Personal- und Presseausweis. Ob die Abend-Abschluss-Frage („Kann es sein, dass Sie doch privat hier sind?“) hätte sein müssen? Geschenkt. Auch für die Polizisten ist dieses Katz-und-Maus-Spiel in der Dunkelheit nicht gerade ein Vergnügen.

Proteste gegen die Corona-Maßnahmen von Rostock bis Nürnberg

Nicht nur in Altenkirchen machten die Gegner der Corona-Maßnahmen mobil. In Rostock - der Stadt mit den bislang größten dieser Demos im Nordosten - versammelten sich am frühen Abend nach Polizeiangaben erneut einige tausend Demonstranten.

In der Landeshauptstadt Schwerin kamen den Angaben zufolge etwa 1600 Menschen zusammen, auf dem Greifswalder Marktplatz mehrere Hundert. An der Mecklenburgischen Seenplatte versammelten sich nach ersten Schätzungen der Polizei gut 2000 Demonstranten. In Greifswald stand den Kritikern der Corona-Maßnahmen eine große Gruppe von Gegendemonstranten gegenüber. In Nürnberg haben am Montagabend annähernd 3000 Menschen gegen die Corona-Politik demonstriert.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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