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Nächtlicher Notdienst wird deutlich zurückgefahren
Das ändert sich jetzt nach 23 Uhr

Das Schild am Kirchener Krankenhaus weist den Weg. Doch die Bereitschaftspraxis wird ab Oktober nur noch bis 23 Uhr besetzt sein. Nachts ist dann die Praxis in Hachenburg zuständig.
  • Das Schild am Kirchener Krankenhaus weist den Weg. Doch die Bereitschaftspraxis wird ab Oktober nur noch bis 23 Uhr besetzt sein. Nachts ist dann die Praxis in Hachenburg zuständig.
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dach Kreis Altenkirchen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz stellt den hausärztlichen Bereitschaftsdienst in der Region neu auf. Er soll effizienter werden, geht aber auch für die Patienten mit Einschränkungen der Öffnungszeiten einher. Darüber hat die KV jetzt ihre Mitglieder in einem ausführlichen Schreiben informiert, das der SZ vorliegt.

Der landläufig als Notdienst bezeichnete Bereitschaftsdienst ist ein wichtiger Baustein in der medizinischen Versorgung. Wer abends, am Wochenende oder an Feiertagen eigentlich seinen Hausarzt bräuchte, ist hier genau richtig (und nicht etwa im Krankenhaus). Die Allgemeinmediziner in der Region bilden dabei quasi eine Schicksalsgemeinschaft. Aus ihren Reihen kommen die Ärzte, die den Bereitschaftsdienst bzw.

dach Kreis Altenkirchen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz stellt den hausärztlichen Bereitschaftsdienst in der Region neu auf. Er soll effizienter werden, geht aber auch für die Patienten mit Einschränkungen der Öffnungszeiten einher. Darüber hat die KV jetzt ihre Mitglieder in einem ausführlichen Schreiben informiert, das der SZ vorliegt.

Der landläufig als Notdienst bezeichnete Bereitschaftsdienst ist ein wichtiger Baustein in der medizinischen Versorgung. Wer abends, am Wochenende oder an Feiertagen eigentlich seinen Hausarzt bräuchte, ist hier genau richtig (und nicht etwa im Krankenhaus). Die Allgemeinmediziner in der Region bilden dabei quasi eine Schicksalsgemeinschaft. Aus ihren Reihen kommen die Ärzte, die den Bereitschaftsdienst bzw. den sogenannten Hintergrunddienst besetzen. Wobei auch externe Ärzte eingesetzt werden. Dabei sind die Mediziner jeweils sowohl in der Praxis als auch bei Hausbesuchen im Einsatz.

"Es darf keinen Rutschbahneffekt geben."
MdL Michael Wäschenbach
zu etwaigen weiteren Verlagerungen

Die KV Rheinland-Pfalz habe mit Abstand das größte Angebot beim Bereitschaftsdienst im Vergleich zur Einwohnerzahl. „Diese und andere Fakten wie Ärztemangel, eine älter werdende Gesellschaft oder Finanzierungsfragen machen es notwendig, die eigenen Bereitschaftsdienststrukturen regelmäßig zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen“, heißt es in dem Schreiben.

Drei Bereiche in "Region Westerwald" zusammengefasst

Derzeit sind die drei Ärztlichen Bereitschaftsdienstpraxen in Kirchen, Hachenburg und Altenkirchen dann zuständig, wenn die Niedergelassenen nicht im Dienst sind: unter der Woche nach Feierabend und am Wochenende – jeweils auch nachts. Die drei Bereiche werden nun zusammengefasst zur „Region Westerwald“, die drei Standorte bleiben indes bestehen.

Das hat konkrete Auswirkungen auf Kirchen und Altenkirchen. In Kirchen endet der Dienst künftig jeden Tag um 23 Uhr. In Altenkirchen wird nur noch mittwochs und an den Wochenenden sowie an Feier- und Brückentagen geöffnet (ebenfalls je bis 23 Uhr). „Volle Bereitschaft“, also auch über Nacht, gewährt künftig nur noch der Standort Hachenburg – von Friesenhagen oder Mudersbach aus deutlich über 30 Kilometer entfernt.

Außerdem wird aufgeteilt: in Sitz- und Fahrdienste. Derjenige Arzt, der in der Bereitschaftspraxis im Dienst ist, fährt nicht mehr zu Hausbesuchen raus. „Hieraus ergibt sich eine erhebliche Verkürzung der Reaktionszeit nach Anforderung eines Hausbesuchs“, so die KV. Standorte der Fahrdienste werden Kirchen (wie bisher) und Hachenburg. Die Ärzte müssen nicht mehr selbst ans Steuer: Sie bekommen Fahrer zur Seite. Ebenfalls neu: Künftig wird man einen Arzt nur noch über die zentrale Telefonnummer des Patientenservice unter 116 117 anfordern können.

Für die Ärzte ändert sich außerdem, dass sie nun in allen drei Standorten zum Bereitschaftsdienst eingeteilt werden können. Der Hintergrunddienst, also derjenige Arzt, der sich bereithält, falls ein Kollege ausfällt, soll die gesamte Region Westerwald abdecken.

Bereits im Sommer vergangenen Jahres war die Bereitschaftsdienstpraxis in Wissen recht unvermittelt von der KV geschlossen worden – unter großem Protest der politisch Verantwortlichen. Und auch jetzt ließ Kritik nicht lange auf sich warten.

Aus Reihen der Medizinischen Fachangestellten – allein in Kirchen gibt es 15 solcher 450-Euro-Kräfte – ist ein Brief an die Politik gegangen. Ein Aspekt darin: Die KV habe sie nicht darüber informiert, dass die Bereitschaftszeiten am Kirchener Standort von 115 Stunden auf 56 Stunden pro Woche reduziert würden. Einige Kolleginnen seien auf den Verdienst in der Bereitschaftspraxis angewiesen.

Nicht ins Bild gesetzt fühlt sich auch die Kreisverwaltung. „Das Ganze ist hier bei uns noch gar nicht offiziell aufgeschlagen“, sagte auf Anfrage Tobias Gerhardus, der als 1. Beigeordneter derzeit Landrat Dr. Peter Endes vertritt. Es gebe seit Montag lediglich eine Einladung der KV für eine Info-Veranstaltung Ende des Monats. Jennifer Siebert, Leiterin der Regionalentwicklung, machte aber deutlich: „Die ärztliche Versorgung muss aufrecht erhalten bleiben, da gibt’s nichts dran zu rütteln.“ Auch für den Landtagsabgeordneten Michael Wäschenbach (CDU) steht dies ebenfalls außer Frage. Ihm sind vor allem zwei Aspekte wichtig: Dass die Trennung von ambulanter und stationärer Versorgung aufgehoben werden müsse („Warum darf das Kirchener Krankenhaus keine hausärztlichen Leistungen abrechnen?“). Und: „Es darf keinen Rutschbahneffekt geben.“ Es dürften jetzt nicht sukzessive weitere medizinische Leistungen von Kirchen nach Hachenburg verlagert werden.

Dr. Erik Becker geht indes davon aus, dass die Versorgung in den Praxen gelingen wird. „Das wird nicht das Problem sein“. Skeptisch zeigt sich der Obmann der Kreisärzteschaft aber in Bezug auf die Fahrdienste, ob denn zwei in diesem relativ großen Bereich genügen: „Von Kirchen nach Asbach ist es ein weiter Weg.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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