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Waldbesitzer im AK-Land schlagen Alarm
"Das Wasser wird das größte Problem"

Die Zeit der Fichte ist definitiv vorbei. Darüber sind sich alle Experten einig. Nur gibt es kein Patentrezept für den Wald der Zukunft.
  • Die Zeit der Fichte ist definitiv vorbei. Darüber sind sich alle Experten einig. Nur gibt es kein Patentrezept für den Wald der Zukunft.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

dach Kreis Altenkirchen. Was das Coronavirus für den Menschen, ist die Trockenheit für den Wald. Aus diesem Grund stellte Anna Neuhof am Mittwochabend in einer Digitalrunde die kurze wie prägnante Frage: „Was nun?“ Die grüne Landtagskandidatin aus Kirchen hatte dazu unter anderem die beiden größten Privatwaldbesitzer des AK-Landes zu Gast: die Hatzfeldt-Wildenburg‘sche Verwaltung in Vertretung von Forstdirektor Dr. Franz Straubinger sowie Friedrich Freiherr von Hövel.

Borkenkäfer sorgt f

dach Kreis Altenkirchen. Was das Coronavirus für den Menschen, ist die Trockenheit für den Wald. Aus diesem Grund stellte Anna Neuhof am Mittwochabend in einer Digitalrunde die kurze wie prägnante Frage: „Was nun?“ Die grüne Landtagskandidatin aus Kirchen hatte dazu unter anderem die beiden größten Privatwaldbesitzer des AK-Landes zu Gast: die Hatzfeldt-Wildenburg‘sche Verwaltung in Vertretung von Forstdirektor Dr. Franz Straubinger sowie Friedrich Freiherr von Hövel.

Borkenkäfer sorgt für viele Brachflächen im Wald

Klar, der Wald sieht so arg mitgenommen aus, wie es noch niemand in der Nachkriegszeit vor Augen hatte. Das ist in erster Linie dem Borkenkäfer „zu verdanken“, aber eben auch dem Mangel an Regen und höheren Temperaturen. „Es wird viele Brachflächen geben“, prognostizierte von Hövel. Flächen, die sich Brombeere, Ginster oder Heide Untertan machten. Das werde nett aussehen, aber damit gingen biologisch völlig andere Funktionen einher als sie der Wald habe. Das Klima ändere sich in Galoppsprüngen, viele Seifen seien bereits im Februar trocken, so der Vorsitzender des Kreiswaldbauvereins. „Das Wasser wird das größte Problem.“ Einerseits werde mancherorts kaum etwas wachsen, andererseits würden einige Waldbesitzer nicht mehr in ihren Boden investieren, schon gar nicht an Steilhängen, die nicht maschinell zu bewirtschaften sind.

Waldbauern setzen auf Unterstützung der Gesellschaft

Straubinger geht eher vor wie ein guter Vermögensverwalter: breit streuen ist die Devise. Man müsse viele Gastbaumarten pflanzen, um den Nachfahren zeigen zu können, was klappt und was nicht. „Wir brauchen andere Baumarten, um später einmal aus diesem Laboratorium Wald Schlüsse ziehen zu können.“ Man dürfe nicht ideologisch auf spezielle Baumarten setzen. „Was wir heute machen, werden nicht wir beurteilen, sondern die nächste und übernächste Generation.“ Das passte zur Einschätzung Neuhofs: „Wir können nicht 80 Jahre in die Zukunft gucken.“
Das alles werde nur mit Unterstützung der Gesellschaft möglich sein, so Straubinger. Von Hövel machte in puncto Umbau des Waldes gar „gewaltige finanzielle Dimensionen“ aus. Daher konnte er dem Vorgehen der Landesregierung, Waldbauern auch mit Geld zu unterstützen, einiges abgewinnen. „Wir brauchen halt die Hilfe.“

Peter Wohlleben als "Komiker aus der Eifel"

Mit den Grünen auf Bundesebene sei es da anders: „Die gehen zu dem Komiker in der Eifel“, so von Hövel über Förster und Bestseller-Autor Peter Wohlleben, den er als Scharlatan bezeichnete. Von dessen Kritik an der Forstwirtschaft fühle er sich „persönlich diffamiert“, so von Hövel.
Auch Straubinger hält es „für recht und billig“, den Wiederaufbau von Baumbeständen zu subventionieren. Denn damit gehe die Frage einher: „Wollen wir im Wald weiterhin CO2 binden?“ Hier würden pro Hektar und pro Jahr 8 Tonnen Kohlendioxid gespeichert, nicht aber in Flächen, die mit Sträuchern bewachsen seien.
Christoph Benze, Mitarbeiter der Mainzer Staatskanzlei und Co-Chef der Grünen im Kreis Kreuznach, erinnerte an die kühlende Wirkung des Waldes. Er plädierte außerdem dafür, Holz zum Bauen zu nutzen, aber nicht mehr als Energieträger. Das sieht auch Neuhof so: „Die thermische Nutzung (…) ist am Ende.“ Und sie spannte auch den ganz großen Bogen: „Wenn wir die Klimakrise nicht in den Griff kriegen, brauchen wir mit dem Wald gar nicht erst anfangen.“

Waldbesucher mit zunehmender Ignoranz

Markus Mille, Geschäftsführer des hiesigen Bauernverbands, übertrug ein Problem aus der Landwirtschaft auf den Forst: den „steigenden Erholungsdruck“ der Menschen. „Es ist ganz schön viel los auf den Feldwegen“, sagte er in Bezug auf den Lockdown und den E-Bike-Trend. Straubinger: „Gäste im Wald sind Könige, leider benehmen sie sich nicht königlich.“ Er mache eine „zunehmende Intoleranz“ bei den Besuchern aus, die mit Vermüllung und Jagdkritik einhergehe. Viele wollten darüber hinaus mit sauberen Schuhen durch den Wald kommen und reagierten allergisch auf Lärm. Dabei werde hier gewirtschaftet. „Wir sind die einzige Branche“, so Straubinger, „die ihr Betriebsgelände kostenfrei zur Verfügung stellt.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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