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Eindeutige Spuren am Gösinger Weiher
Der Biber kommt um 5 vor 12

Die Experten haben keinen Zweifel: Hier war ein Biber am Werk.
  • Die Experten haben keinen Zweifel: Hier war ein Biber am Werk.

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damo Friesenhagen. Noch nie hat der Gösinger Weiher auf wackligeren Füßen gestanden: Die Obere Wasserbehörde fordert nach Jahren der Diskussion um den vermeintlich undichten Damm Taten. Noch in diesem Monat müsse das Wasser abgepumpt werden, lautet die Forderung der SGD – geschehe das nicht, werde ein vierstelliges Bußgeld fällig. Die Uhr also tickt unerbittlich. Allerdings sieht alles so aus, als wäre um 5 vor 12 ein Akteur auf den Plan getreten, der die Zeiger wieder auf null stellen könnte: Es spricht einiges dafür, dass am Gösinger Weiher ein Biber lebt.
Biber sind nachtaktiv und selten zu beobachten
Das größte Nagetier Europas genießt strengen Schutz. Sowohl das Bundesnaturschutzgesetz als auch die europäische FFH-Richtlinie sichern Bibern zu, dass sie nicht gestört werden dürfen.

damo Friesenhagen. Noch nie hat der Gösinger Weiher auf wackligeren Füßen gestanden: Die Obere Wasserbehörde fordert nach Jahren der Diskussion um den vermeintlich undichten Damm Taten. Noch in diesem Monat müsse das Wasser abgepumpt werden, lautet die Forderung der SGD – geschehe das nicht, werde ein vierstelliges Bußgeld fällig. Die Uhr also tickt unerbittlich. Allerdings sieht alles so aus, als wäre um 5 vor 12 ein Akteur auf den Plan getreten, der die Zeiger wieder auf null stellen könnte: Es spricht einiges dafür, dass am Gösinger Weiher ein Biber lebt.

Biber sind nachtaktiv und selten zu beobachten

Das größte Nagetier Europas genießt strengen Schutz. Sowohl das Bundesnaturschutzgesetz als auch die europäische FFH-Richtlinie sichern Bibern zu, dass sie nicht gestört werden dürfen. Und auch ihre Baue und Dämme sind sakrosankt.
Gesehen hat den Gösinger Biber noch keiner, aber: Er hat Dutzende Nagespuren hinterlassen, und die lassen kaum Interpretationsspielraum zu. Abgeschälte Rinde könnte noch aufs Konto eines Nutrias gehen – aber kegelförmig eingekerbte Bäume? Die SZ-Recherchen bestätigen den Verdacht schnell: Wir haben Fotos von den Spuren an Fachleute geschickt, und das Ergebnis ist eindeutig. Sowohl die Biologen der Naturschutzinitiative (die dank des Biberteichs in Freilingen gut im Thema ist) als auch das Biberzentrum Rheinland-Pfalz legen sich fest: „Ja, das sind eindeutig Bibernagespuren“, teilt das Biberzentrum mit. Dass noch keiner den Nager zu Gesicht bekommen hat, wundert die Experten nicht: „Biber sind nachtaktiv, von daher eher selten zu beobachten.“

Erste Wildkamera bereits aufgestellt

Für das Biberzentrum ist der Nachweis vom Gösinger Weiher neu: „Bisher hatten wir hier noch keine Meldungen von Bibern.“ Allerdings kursieren rund um den Weiher Gerüchte: Hinter vorgehaltenener Hand ist die Rede davon, dass in Gösingen schon seit einem Jahr ein Biber lebt. Aber jetzt ist es amtlich: Das Biberzentrum wird die Beobachtung in die Kartierung aufnehmen und der Unteren Naturschutzbehörde in Altenkirchen melden. Und die erste Wildkamera ist bereits platziert worden.

Ja, das sind eindeutig Bibernagespuren.
Biberzentrale Rheinland-Pfalz
des BUND-Landesverbands

Natürlich wirft der überraschende Nachweis Fragen auf. Wo kommt der Biber her? Und kann es Zufall sein, dass ausgerechnet jetzt, wo dem Weiher nach Jahrhunderten sein Ende droht, ein derartiger Game-Changer aufkreuzt?

Hauptspielplatz im Sommer wie im Winter

Klären lassen wird sich beides nicht. Aber Fakt ist: Seit das Haus Hatzfeldt vor einigen Jahren angekündigt hat, den Weiher wegen der hohen wasserrechtlichen Auflagen zurückzubauen und dort ein paar kleinere Teiche anzulegen, gibt es Widerstand. Der frühere Besitzer des Pferdehofs, Manni Koch, hat gehandelt: Er hat den Hatzfeldt’schen Weiher abgekauft, um ihn zu erhalten.

Auch weite Teile der Friesenhagener Bevölkerung wollen nicht auf das Gewässer verzichten. Denn der Weiher war für Generationen von Menschen im Wildenburger Land der „Hauptspielplatz, im Sommer wie im Winter“. Das berichtet Michael Reinsch, dessen Bauernhof nur wenige hundert Meter entfernt liegt. „Die Eishockeyspiele waren legendär“, erzählt er lachend, „einmal bin ich als Kind mit gebrochener Nase nach Hause gekommen“.

Obere Wasserbehörde hält den Damm für marode

Heute jagt Reinsch nicht mehr den Puck, sondern Wild: Als Jäger kennt er die Natur – und so ist es kein Zufall, dass ausgerechnet er die Nagespuren entdeckt und die SZ informiert hat. Er hat auch den Besitzer des Weihers informiert: Ronny Tietze hat den Pferdehof von Manni Koch gekauft. Und mit dem Hof den Weiher. Und mit dem Weiher die wasserrechtlichen Auflagen. Die Obere Wasserbehörde hält den Damm für marode, bemängelt den fehlenden Abfluss und Probleme bei der Hochwasserentlastung. Im Falle eines Jahrtausend-Hochwasser drohe Gefahr, argumentiert die Behörde. Reinsch und Tietze halten das für eine Fehleinschätzung: „Der Weiher ist so verschlammt, da ist kaum noch Wasser drin.

Selbst wenn der Damm brechen würde, wäre bis Steeg alles versickert.“ Trotzdem muss Tietze handeln: „Es gibt nur drei Möglichkeiten: Komplettsanierung, eine Bypass-Lösung oder eine Renaturierung. Alles kostet dasselbe: rund 200.000 Euro.“ Kein Wunder also, dass Tietze sich für keine der drei Optionen begeistern kann. Auch er will den Weiher gerne so belassen, wie er ist. Notgedrungen lässt er trotzdem seit Monaten die Pumpen laufen – wenn auch mit mäßigem Erfolg: „Nach einem starken Regen ist der Weiher wieder voll.“ Dem neuen Bewohner des Weihers wiederum dürfte das recht sein.

Er bekommt bald Besuch: Die Kreisverwaltung hat auf Anfrage der SZ mitgeteilt, dass sie einen Ortstermin organisieren will, zu dem nicht nur Vertreter der SGD eingeladen werden sollen, sondern auch Experten vom Biberzentrum. Dabei soll unter anderem ausgelotet werden, ob der Biber nur mal kurz vorbeigeschaut und genagt oder ob er sich am Gösinger Weiher häuslich eingerichtet hat. Und das wird auch die weiteren Gespräche mit der Wasserbehörde prägen.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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