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Tagfalter wird immer seltener
Der Bläuling braucht auch im AK-Land Hilfe

Zwei Bläulinge sitzen da, wo sie hingehören: auf den Blütenständen des Wiesenknopfs. Die streng geschützten Tagfalter werden immer seltener, aber in unserer Region gibt es noch stabile Populationen. Und diese sollen erhalten werden – auch wenn das den Ameisen mutmaßlich gar nicht schmeckt …
  • Zwei Bläulinge sitzen da, wo sie hingehören: auf den Blütenständen des Wiesenknopfs. Die streng geschützten Tagfalter werden immer seltener, aber in unserer Region gibt es noch stabile Populationen. Und diese sollen erhalten werden – auch wenn das den Ameisen mutmaßlich gar nicht schmeckt …
  • Foto: igreen/J.Fieber
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Kreis Altenkirchen. Könnten Insekten schreiben, dann hätten sie wahrscheinlich längst ihre eigene Fassung des Mythos vom Trojanischen Pferd zu Papier gebracht. Denn im Hochsommer spielt sich auf den Auwiesen des AK-Lands tausendfach eine Geschichte ab, die verblüffend an die List der alten Griechen erinnert. Der Unterschied ist nur: Während die Historiker bis heute nicht wissen, ob es das hölzerne Pferd wirklich gegeben hat, ist die Tücke des Wiesenknopf-Ameisenbläulings wissenschaftlich unzweifelhaft belegt.
Besagter Ameisenbläuling ist ein kleiner, unscheinbarer Tagfalter. Nur wenn er seine Flügel ausbreitet, schimmert er weithin sichtbar in einem satten Blau. Das sieht man aber immer seltener: Nicht zufällig genießt der Ameisenknopf-Wiesenbläuling europaweit einen strengen Schutz.

damo Kreis Altenkirchen. Könnten Insekten schreiben, dann hätten sie wahrscheinlich längst ihre eigene Fassung des Mythos vom Trojanischen Pferd zu Papier gebracht. Denn im Hochsommer spielt sich auf den Auwiesen des AK-Lands tausendfach eine Geschichte ab, die verblüffend an die List der alten Griechen erinnert. Der Unterschied ist nur: Während die Historiker bis heute nicht wissen, ob es das hölzerne Pferd wirklich gegeben hat, ist die Tücke des Wiesenknopf-Ameisenbläulings wissenschaftlich unzweifelhaft belegt.
Besagter Ameisenbläuling ist ein kleiner, unscheinbarer Tagfalter. Nur wenn er seine Flügel ausbreitet, schimmert er weithin sichtbar in einem satten Blau. Das sieht man aber immer seltener: Nicht zufällig genießt der Ameisenknopf-Wiesenbläuling europaweit einen strengen Schutz. Und in der Natura-2000-Richtlinie steht noch ein bisschen mehr, nämlich, dass gerade der Westerwald für den Erhalt der bedrohten Schmetterlinge eine besondere Bedeutung hat. „Hier gibt es noch stabile Populationen“, sagt Leah Nebel von der Stiftung Natur und Umwelt, kurz SNU. Aber: „Es wird für den Bläuling immer schwerer, deshalb haben wir ein Projekt zu seinem Schutz ins Leben gerufen.“

Bläuling pflanzt sich sehr clever fort

Dabei kommt der Bläuling – wenn man ihn lässt – eigentlich ganz gut zurecht. Denn er hat eine faszinierende Fortpflanzungs-Strategie entwickelt. Der Anfang ist noch ganz unspektakulär: Die Falter legen im Hochsommer ihre Eier, daraus schlüpfen Raupen. Nach zwei Wochen lassen sich die Raupen auf den Boden fallen, und jetzt beginnt ein cleveres Spiel. Die Raupen im Gras tun zwei Dinge: Sie senden Duftstoffe aus. Und sie warten.
Ihr Geruch wirkt auf Ameisen wie ein Magnet. Sobald sie eine Raupe entdecken, schleppen sie diese in ihren Bau. Aber nicht, um sie zu fressen: „Mutmaßlich riechen die Bläulings-Raupen wie die Ameisen-Brut“, erklärt Leah Nebel, „und deshalb bringen die Ameisen sie in ihre Brutkammer. Die Ameisen merken nicht, dass sie sich Parasiten ins Nest geholt haben.“
Aber die Bläulinge nutzen die Gastfreundschaft schamlos aus: „Manche Arten sind richtige Couchpotatoes, die sich von den Ameisen füttern lassen.“ Der Wiesenknopf-Ameisenbläuling geht noch einen Schritt weiter: Er frisst die Brut der Ameisen. Und zwar den ganzen Winter über.
Weil er dabei weiterhin so verlockend duftet, schöpfen die Ameisen keinen Verdacht. Und so bleibt das bis zuletzt: Irgendwann verpuppen sich die Raupen, und Anfang Juli schlüpfen, noch immer im Ameisenbau, die fertigen Falter. „Das ist der einzige Moment, in dem es für die Bläulinge gefährlich wird“, berichtet Leah Nebel im Gespräch mit der SZ. „Denn jetzt duften sie nicht mehr. Also müssen sie schnell nach draußen kommen.“

Wiesenknopf wird immer seltener

Dort aber haben sie ein Problem. Und zwar eines, das aufs Konto des Menschen geht. Wie viele andere Insekten auch, sind Wiesenknopf-Ameisenbläulinge hoch spezialisiert. Will man ihnen böse, würde man von Starallüren sprechen, Fakt ist: „Sie führen ihr ganzes Leben um den Wiesenknopf herum. Sie saugen den Nektar dieser Pflanze, sie paaren sich dort, sie legen ihre Eier dort. Und zwar ausschließlich dort“, erklärt Leah Nebel.
Man muss kein Biologe sein, um sich auszumalen, was geschieht, wenn der Wiesenknopf seltener wird. Und genau dieser Trend ist seit geraumer Zeit zu beobachten. Warum? „Weil der Druck auf die Flächen immer größer wird“, erklärt Leah Nebel. Der Wiesenknopf sei eine typische Pflanze der Auwiesen. Früher seien diese Flächen landwirtschaftlich nur wenig genutzt worden: „Das sind eher feuchte Flächen, die sich nicht leicht nutzen lassen. Aber heute sieht das anders aus“, sagt sie und verweist auf Drainagetechniken und leistungsstärkere Landmaschinen. „Heute werden diese Flächen intensiver genutzt.“ Wenn sie aber im Sommer gemäht werden, wird auch der Wiesenknopf abrasiert. Und der Bläuling findet die Pflanze, auf die er so dringend angewiesen ist, eben nicht.

Stiftung Natur und Umwelt will dem Bläuling helfen

Das weiß auch die SNU, die Bläuling und Wiesenknopf mit einem großangelegten Projekt unterstützen will. In vier rechtsrheinischen Landkreisen sollen die Bestände des Falters dokumentiert, gesichert und ausgeweitet werden. Und so greifen auch im AK-Land Maßnahmen. Unter anderem geht es um Flächen im Asdorftal zwischen Wehbach und Niederfischbach, um Wiesen zwischen Steeg und Friesenhagen, um die Areale an der Sieg bei Brachbach und Wallmenroth und um Bereiche an der Heller.
Dabei versucht die Stiftung, dem Falter auf unterschiedlichen Arten unter die Flügel zu greifen: So sind vor ein paar Tagen Wiesenknopf-Stauden eingebuddelt worden, anderswo werden die Samen der Pflanze ausgebracht. Vor allem aber versucht die SNU sicherzustellen, dass der Wiesenknopf dann verfügbar ist, wenn der Schmetterling ihn braucht: in einigen wenigen Wochen im Sommer. Naturgemäß ist das aber die Zeit, in der die Landwirte einen reichen Grasschnitt einfahren. Und natürlich ist der SNU die Futterknappheit der vergangenen Jahre nicht verborgen geblieben.

Landwirte werden finanziell entschädigt

Aber: Dieses scheinbare Dilemma lässt sich auflösen. So werden Landwirte, die mit Rücksicht auf den Bläuling auf einen Schnitt verzichten, aus Projektmitteln finanziell entschädigt. Und: „Wir haben einen großen Vorteil: Der Bläuling braucht keine drei Hektar, um eine stabile Population zu entwickeln. Da reichen schon 2000 Quadratmeter“, erläutert Leah Nebel. Damit werden auch Randstreifen oder kleine Parzellen attraktiv. Bislang läuft die Kooperation mit den Landwirten gut, freut sich die SNU: „Wir sind total begeistert, wie viele Landwirte sich da offen zeigen und mitmachen wollen. Das ist wirklich schön.“ Diese Freude werden sicher auch die Bläulinge teilen. Offen bleibt allerdings, wie die Ameisen dazu stehen.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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