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Rund 1000 Ukrainer im AK-Land angekommen
"Die Hilfsbereitschaft ist gigantisch"

Der Krieg in der Ukraine hat eine gewaltige Welle der Hilfsbereitschaft im AK-Land ausgelöst: Schon jetzt haben hier knapp 1000 Menschen aus der Ukraine einen sicheren Hafen gefunden.
  • Der Krieg in der Ukraine hat eine gewaltige Welle der Hilfsbereitschaft im AK-Land ausgelöst: Schon jetzt haben hier knapp 1000 Menschen aus der Ukraine einen sicheren Hafen gefunden.
  • Foto: dpa
  • hochgeladen von Dominik Jung

damo Kreis Altenkirchen. "Die Fluchtbewegung, die wir gerade erleben, ist anders als alles, was wir kennen", sagt Joachim Brenner. Und er kennt viel: Seit Jahren ist er der zuständige Referatsleiter bei der Kreisverwaltung − wenn sich Menschen auf die Flucht begeben und im Kreis Altenkirchen einen sicheren Hafen suchen, dann läuft das über Brenners Abteilung.
''Viele haben hier Verwandte, Freunde oder Bekannte''
Die Unterschiede zu den bisherigen Fluchtbewegungen sind vielfältig. Der auffälligste ist die Dimension. 940 Menschen aus der Ukraine sind seit Kriegsbeginn im AK-Land angekommen − das ist das Dreifache des bisherigen Monatsspitzenwerts: Im Dezember 2015 hatten 300 Menschen, damals überwiegend aus Syrien, eine Bleibe im AK-Land gesucht.

damo Kreis Altenkirchen. "Die Fluchtbewegung, die wir gerade erleben, ist anders als alles, was wir kennen", sagt Joachim Brenner. Und er kennt viel: Seit Jahren ist er der zuständige Referatsleiter bei der Kreisverwaltung − wenn sich Menschen auf die Flucht begeben und im Kreis Altenkirchen einen sicheren Hafen suchen, dann läuft das über Brenners Abteilung.

''Viele haben hier Verwandte, Freunde oder Bekannte''

Die Unterschiede zu den bisherigen Fluchtbewegungen sind vielfältig. Der auffälligste ist die Dimension. 940 Menschen aus der Ukraine sind seit Kriegsbeginn im AK-Land angekommen − das ist das Dreifache des bisherigen Monatsspitzenwerts: Im Dezember 2015 hatten 300 Menschen, damals überwiegend aus Syrien, eine Bleibe im AK-Land gesucht. 

Der nächste große Unterschied: Die Menschen, die vor Putins Angriffskrieg fliehen, gehen ihre eigenen Wege. Sie werden dem AK-Land nicht von übergeordneten Stellen zugeteilt, sie kommen nicht in Bussen aus Erstaufnahmeeinrichtungen. Nur 87 Flüchtlinge sind nach der offiziellen Verteilungsquote, dem Königsteiner Schlüssel, ins AK-Land gekommen; der weit überwiegende Teil steuert den Landkreis Altenkirchen gezielt mit dem Auto oder dem Zug an: "Viele haben hier Verwandte, Freunde oder Bekannte", berichtet Brenner. Kein Zufall also, dass derzeit die meisten Ukrainer in der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld angekommen sind, denn dort ist die Zahl der Spätaussiedler im Kreisgebiet am höchsten.

Es bestehe Gefahr die Helfenden zu überlasten

Auch die Willkommenskultur toppt laut Brenner alles, was der Kreis AK bislang auf die Beine gestellt hat: "Es sind unglaublich viele Menschen, die helfen wollen." Kleiderkammern und Möbelbörsen werden dank des ehrenamtlichen Engagements hochgezogen, Hilfstransporte gechartert und Integrationsangebote vorbereitet. Allein 400 Quartiere sind der Kreisverwaltung in den vergangenen Wochen angeboten worden − und damit sind nicht nur Wohnungen gemeint: "Die Hilfsbereitschaft ist gigantisch. Viele Menschen haben angeboten, irgendwo in ihrer eigenen Wohnung ein Zustellbett aufzustellen", sagt Brenner.

So sehr dieses Engagement zu schätzen sei: Zugleich bestehe die Gefahr, die Helfenden zu überlasten, warnt Brenner. "Man darf nicht vergessen, dass hier gerade Menschen bei uns ankommen, die Furchtbares erlebt haben und entsprechend traumatisiert sind." Zudem − und das ist der nächste Unterschied − müsse man langfristig planen: "Wenn man dieses Ausmaß der Zerstörung sieht, dann ist klar: Die Menschen kommen nicht nur für ein paar Wochen zu uns. Und dann ist es mit einem Behelfsquartier nicht mehr getan."

Noch etliche Hindernisse auf dem Weg zur Integration

Auch die bürokratischen Hürden sind diesmal niedriger als in der Vergangenheit: Der Weg zu einem einjährigen Aufenthaltsgenehmigung ist viel weniger steinig als der, den die asylsuchenden Menschen 2015/16 auf sich nehmen mussten. Und die Aufenthaltsgenehmigung ist zudem schon fast das Ticket für den Arbeitsmarkt, denn die Arbeitserlaubnis kann zumeist ebenfalls rasch erteilt werden. Brenner sieht das als reelle Chance: "Viele der Geflüchteten sind hoch qualifiziert."

Die Ausgangslage ist also günstig, dass das AK-Land direkt und unmittelbar dazu beitragen kann, den Kriegsflüchtlingen zu helfen. Aber Brenner ist Realist genug, um zu wissen, dass auf dem Weg zur Integration noch etliche Hindernisse aus dem Weg geräumt werden müssen. "Das wird noch ein langer Weg", sagt er.

Die Hilfsbereitschaft sei gewaltig

Da ist zum einen die Sprachbarriere − längst nicht alle, die gerade hier ankommen, können sich auf Englisch verständigen. Zum anderen sieht Brenner vor allem das Bildungssystem gefordert. "Es wird eine riesige Herausforderung, genügend Kita-Plätze zur Verfügung zu stellen." Und wie die Schulen mit den Flüchtlingen umgehen, sei auch noch offen: Wird es im AK-Land Willkommensklassen geben, in denen die Kinder und Jugendlichen aus der Ukraine zuerst altersübergreifend unterrichtet werden, bis sie zumindest Grundkenntnisse der deutschen Sprache erlangt haben und in die jeweiligen Klassen wechseln können? Noch ist das offen, das Land ist laut Brenner derzeit noch im Dialog mit den Behörden vor Ort.

Aber Brenner ist optimistisch. Vieles sei in kürzester Zeit auf die Beine gestellt worden, die Hilfsbereitschaft unzähliger Menschen im AK-Land sei gewaltig, die Mitarbeiter in den Sozial- und Einwohnermeldeämter würden sich gewaltig ins Zeug legen, und die ersten Sprachkurse sind in der Vorbereitung. "All das macht Mut", sagt er. Und das ist ein schönes Schlusswort.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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