SZ

Der Wald im Wandel (SZ-Serie)
Die Jagd wird immer schwieriger

Nur mit Gesellschaftsjagden unter Einsatz von Hunden wird man effektiv jagen können, denn das Wild wird sich in den großen Dickungen verstecken.
  • Nur mit Gesellschaftsjagden unter Einsatz von Hunden wird man effektiv jagen können, denn das Wild wird sich in den großen Dickungen verstecken.
  • Foto: dima (Archiv)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

goeb Altenkirchen. Unsere Mittelgebirgslandschaft hat sich schon heute verändert, weil in kürzester Zeit Wald in einem Maße eingeschlagen worden ist, als hätte sich ein mittelalterlicher Herrscher plötzlich entschlossen, eine riesige Flotte bauen zu lassen. Es musste sein – wegen des Borkenkäfers, unserer „Begleitart“ in Zeiten der Dürre. Das hat erhebliche Konsequenzen für die Jagd auf Rehe, Hirsche und Wildschweine, jene Tiere also, die im und vom Wald leben, sei es, dass sie dort ihre dauerhaften Einstände haben oder ihn als Rückzugsort aufsuchen. Wie also könnte eine moderne Jagd in den kommenden Jahren unter radikal veränderten Bedingungen aussehen?
Wer kommt für die Wildschäden auf?
SZ-Leser Hans G.

goeb Altenkirchen. Unsere Mittelgebirgslandschaft hat sich schon heute verändert, weil in kürzester Zeit Wald in einem Maße eingeschlagen worden ist, als hätte sich ein mittelalterlicher Herrscher plötzlich entschlossen, eine riesige Flotte bauen zu lassen. Es musste sein – wegen des Borkenkäfers, unserer „Begleitart“ in Zeiten der Dürre. Das hat erhebliche Konsequenzen für die Jagd auf Rehe, Hirsche und Wildschweine, jene Tiere also, die im und vom Wald leben, sei es, dass sie dort ihre dauerhaften Einstände haben oder ihn als Rückzugsort aufsuchen. Wie also könnte eine moderne Jagd in den kommenden Jahren unter radikal veränderten Bedingungen aussehen?

Wer kommt für die Wildschäden auf?

SZ-Leser Hans G. Schönfeld aus Neunkirchen-Salchendorf brachte es kürzlich in einem Leserbrief auf den Punkt: Zwar habe die Bundeslandwirtschaftsministerin zu einer vom Bund mit 1,5 Milliarden Euro bezuschussten „Pflanzoffensive“ aufgerufen, wer aber komme dann für die Wildschäden auf?, fragt er.
Vor allem die Rehe könnten dem Forst ein Schnippchen schlagen, denn sie sind recht standorttreu, und wenn es in ihrem Revier viele eiweißreiche Knospen gibt, besteht eigentlich kein Grund für sie, die Einstände zu verlassen. Der sogenannte Verbiss und die an den Bäumchen im Frühjahr bei der Gehörnbildung angerichteten Fegeschäden können Aufforstungsbemühungen zunichte machen.
Mit ein Grund für das Problem ist die schwierige Bejagbarkeit des Wildes in den hochwachsenden Schlagfluren, die bald überall entstehen. „Das Wild freut sich auf junge Pflanzen“, spricht es Schönfeld aus. In den entstehenden „Urwäldern“, also den hochschießenden Fluren aus Farn, Pionierbaumarten und Fingerhut, brauche es die Kugel nicht zu fürchten.
Die zunächst groß erscheinende Summe zur Wiederaufforstung erscheint klein, wenn man sie auf die riesigen Flächen herunterrechnet, die als Folge der drei Dürrejahre und der Borkenkäferplagen gefällt werden mussten oder noch gefällt werden müssen.

Jagd trägt zur Gesundung des Waldes bei

„Wir werden in drei bis vier Jahren regelrechte Verhaue haben“, sieht Franz Kick voraus. Der pensionierte Forstmann, der bis vor Kurzem das Forstamt des Kreises Altenkirchen leitete, ist Kreisjagdmeister als Ehrenbeamter. Kick hat schon immer viel gejagt, für ihn trägt dies auch zu Gesundheit des Waldes bei. Die auf großer Fläche aufwachsenden Fluren werden nun aber mit konventionellen Methoden nicht oder nur erschwert bejagbar sein. Vor allem die Einzeljagd von der Kanzel oder dem Sitz aus wird laut Kick schwieriger. „Wenn ich eine Chance sehe, dann nur in der Gesellschafsjagd. Und auch da werden wir uns was einfallen lassen müssen.“
Zurzeit läuft es noch gut mit der Einzeljagd. Rehwild tritt auf die riesigen verdorrten Flächen aus und findet Äsung. Doch was, wenn hier riesige Dickungen entstehen in einigen Jahren?
Nicht in jedem Fall ist das im Sinne der Waldbesitzer. Als Naturverjüngung bezeichnet der Forstmann den natürlichen Aufwuchs forstlich nutzbarer Baumarten. Wahrscheinlich werde es aber vermehrt Flächen mit Brombeere, Adlerfarn, Kreuzkraut, Fingerhut und Weidenröschen zusammen mit einigen Baumarten geben. Auch stelle sich ja die Frage, welche Baumarten zukünftig angepflanzt werden sollen. „Wir müssen zeitnah solche Arten pflanzen, von denen wir wissen, dass sie klimaresistenter sind.“
Mit Treibern allein werde man in den Aufwuchsflächen der Nach-Borkenkäfer-Zeit wenig ausrichten. „Wenn man nur Treiber in diese dichten Bestände schickt, hat das Wild kaum Anlass, die Dickung zu verlassen.“
Franz Kick setzt hier auf den großflächigen Einsatz von Lauf- und Stöberhunden, die das Wild in den Beständen gezielt aufsuchen, es dabei aber nicht hetzen, sondern zum Verlassen bewegen, wo die Schützen es erwarten.

Schwarzwild als großes Problem für den Wald

Was für das Rehwild gilt, das gilt bezüglich der sicheren Einstände auch für das Schwarzwild. „Schwarzwild ist jetzt schon ein riesiges Problem“, sagt Kick und meint damit die Schäden, die Wildschweine in den Gärten und in der Landwirtschaft anrichten können.
Brisant ist auch die afrikanische Schweinepest: Die Jäger sind gehalten, mehr Wildschweine zu schießen, um die Wilddichte niedrig zu halten. Leicht könnten sich Hausschweine an ihren wilden Verwandten anstecken.
In diesem Herbst müssten eigentlich schon intensive Drückjagden laufen. Aber der Herbst 2020 ist Corona-Herbst. Kick: „Sich mit 40 Leuten schon morgens unter Corona-Bedingungen zu treffen, macht auch keinen Spaß“, räumt er ein. Von der Besprechung über das „Streckelegen“ bis hin zum „Schüsseltreiben“ bitte Abstand halten. Das ist ein Stimmungskiller. Die Wahl haben die Jäger aber wohl nicht.

Alle Artikel zur SZ-Serie "Der Wald im Wandel" finden Sie hier im Überblick.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

5 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen