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Borkenkäfer-Plage
Die Waldwege sind in einem desolaten Zustand

Wenn massenweise Holz aus dem Wald gekarrt wird, sind auch unzählige Lastwagen auf den Wegen unterwegs. Und weil die praktisch ohne Rücksicht auf die Bodenverhältnisse eingesetzt worden sind, ist das fein austarierte System der Wasserhaltung auf den Wegen völlig zum Erliegen gekommen.
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  • Wenn massenweise Holz aus dem Wald gekarrt wird, sind auch unzählige Lastwagen auf den Wegen unterwegs. Und weil die praktisch ohne Rücksicht auf die Bodenverhältnisse eingesetzt worden sind, ist das fein austarierte System der Wasserhaltung auf den Wegen völlig zum Erliegen gekommen.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Kreis Altenkirchen. Ein Waldspaziergang mit Straßenschuhen? Ganz schlechte Idee. Die Wege sind in einem derart erbärmlichen Zustand, dass sich viel eher die Frage stellt: Reichen Gummistiefel, oder wäre eine Anglerhose die bessere Wahl? Das ist natürlich auch dem Forstamt Altenkirchen nicht verborgen geblieben. Behördenleiter Michael Weber räumt im Gespräch mit der SZ ein, dass er schon beim Aussteigen aus dem Auto im Wald die Augen aufhält, damit ihm der Matsch nicht sofort über die Kante der Gummistiefel schwappt. Und der Technische Produktionsleiter des Forstamts, Frank Schneider, redet ebenfalls nicht lange um den schlammigen Brei herum: „Aus forsttechnischer Sicht ist der Zustand der Wege suboptimal“, sagt er, „aus Sicht der Spaziergänger ist er desaströs“.

damo Kreis Altenkirchen. Ein Waldspaziergang mit Straßenschuhen? Ganz schlechte Idee. Die Wege sind in einem derart erbärmlichen Zustand, dass sich viel eher die Frage stellt: Reichen Gummistiefel, oder wäre eine Anglerhose die bessere Wahl? Das ist natürlich auch dem Forstamt Altenkirchen nicht verborgen geblieben. Behördenleiter Michael Weber räumt im Gespräch mit der SZ ein, dass er schon beim Aussteigen aus dem Auto im Wald die Augen aufhält, damit ihm der Matsch nicht sofort über die Kante der Gummistiefel schwappt. Und der Technische Produktionsleiter des Forstamts, Frank Schneider, redet ebenfalls nicht lange um den schlammigen Brei herum: „Aus forsttechnischer Sicht ist der Zustand der Wege suboptimal“, sagt er, „aus Sicht der Spaziergänger ist er desaströs“.

Nicht alle Waldwege können wieder hergerichtet werden

Allerdings: Eine rasche Lösung können die Forstleute nicht in Aussicht stellen – und mehr noch: Sie machen deutlich, dass längst nicht alle Wege wieder in den alten Zustand gebracht werden können.
Denn die Wege haben in den vergangenen Jahren über Gebühr einstecken müssen. Gut 1,6 Millionen Festmeter Holz sind seit 2018 aus dem Wals gekarrt worden – normal wären es in diesem Zeitraum 300.000 gewesen. Soll heißen: Seit geraumer Zeit fahren gut fünfmal so viele Lastwagen durch den Wald wie üblich. „So eine Belastungsprobe für die Wege hat es noch nie gegeben“, sagt Weber.
Aber nicht nur die bloße Masse der Holztransporte lässt die Wege leiden: „Wir haben nur sehr begrenzt Rücksicht auf den Zustand der Waldwege nehmen können“, ergänzt Schneider. Natürlich wissen Förster, Haubergsgenossen und Holzkäufer, dass ein intaktes Wegenetz unverzichtbar ist und das Wege nur dann befahren werden sollten, wenn der Boden trocken oder gefroren ist. Aber im Kampf gegen den Borkenkäfer sind viele Vorsichtsmaßnahmen über Bord geworfen worden.

System der Wasserhaltung auf Waldwegen völlig aus dem Lot geraten

Denn als der Käfer seinen Vernichtungs-Feldzug durch die Fichtenwälder begonnen hatte, glaubten viele Waldbesitzer noch: Mit schnellem Handeln lässt sich der Schädling in die Schranken verweisen – alles Schadholz wurde möglichst rasch aus dem Wald gekarrt. Und als dann die großen Holzkäufer für das Reich der Mitte anrückten, ließen sich die Lastwagen-Kolonnen kaum noch steuern: „Wenn ein Großabnehmer 30, 40 Container-Lastwagen bestellt hat, kann ich dem nicht sagen: Heute geht’s leider nicht, die Wege sind zu nass“, beschreibt Schneider das Dilemma.
Also entstanden Fahrrinnen und Furchen – und heute gleichen viele Waldwege eher dem Pantanal denn einem Spazierweg: Das fein austarierte System der Wasserhaltung ist völlig aus dem Lot geraten. Denn Waldwege sind stets leicht geneigt und mit Wassergräben versehen: Das Wasser soll abfließen. Es soll sich nicht stauen, und es soll auch zwar nicht den Hang hinunter in den nächsten Vorfluter rauschen, sondern in den Wald. Denn da wird es viel dringender benötigt als in den Kellern der Kölner Altstadt.

Reparatur von Waldwegen kostet viel Geld

Aber: Mittlerweile sind die Wege knitterkaputt – jetzt lässt sich mit Vorsichtsmaßnahmen nichts mehr erreichen. Bleibt nur die Reparatur. Und die wird mächtig ins Geld gehen. 5 bis 6 Euro kostet es, die Wege wieder halbwegs zu reparieren – und zwar pro laufendem Meter. Und eine umfassende Reparatur würde die fünffache Summe verschlingen. „Und wir reden hier locker über 1000 Kilometer im Forstamt Altenkirchen“, sagt Schneider. Man muss kein Mathematiker sein um zu erkennen: Es wird nicht möglich sein, alle Wege wieder instandzusetzen. Für die Bewirtschaftung des Waldes muss das Wegenetz auch nicht so dicht sein: Die beiden Forstleute schätzen, dass etwa ein Drittel bis die Hälfte der Wege ausreichen würde. Und in Zeiten, in denen die Kassen der Waldbesitzer leer sind, wird die Herrichtung von Spazierwegen kaum oberste Priorität haben – Geld werden sie also nur dann in die Hand nehmen, wenn sie damit die künftige Bewirtschaftung der Wälder ermöglichen können. Und den Arbeitsschutz: Auch einige Rettungspunkte im Wald müssen irgendwie erreichbar sein.

Arbeiten können wohl nicht vor Mai starten

Soll heißen: Es wird in die Waldwege investiert werden – aber eben nicht mehr in alle. Und: Es wird dauern. Der erste Schritt dürfte der Einsatz von sogenannten Gradern sein. Diese eigentümlichen Geräte ähneln einem Schneepflug – und das erklärt auch ihren Beinamen Straßenhobel. Sie können Wege wieder plan machen, vorausgesetzt, dass ein guter Fahrer am Steuer sitzt: „Um Waldwege wieder so zu profilieren, dass die Wasserhaltung funktioniert, braucht man schon einen Virtuosen“, sagt Schneider.
Und selbst der macht bei der aktuellen Witterung nicht glücklich: „Mit diesen Reparaturarbeiten können wir frühestens im März oder April, wenn es trocken ist, beginnen. Realistisch ist aber eher Mai oder Juni“, sagt Schneider. Mit anderen Worten: Wer öfters im Wald spazieren geht, sollte auch künftig die Gummistiefel griffbereit haben.

Wenn massenweise Holz aus dem Wald gekarrt wird, sind auch unzählige Lastwagen auf den Wegen unterwegs. Und weil die praktisch ohne Rücksicht auf die Bodenverhältnisse eingesetzt worden sind, ist das fein austarierte System der Wasserhaltung auf den Wegen völlig zum Erliegen gekommen.
Wasserdichte Schuhe sind die Minimalanforderung – allerdings lechzen sie nach jedem Waldspaziergang nach einer schnellen Dusche mit dem Gartenschlauch.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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