SZ

AK-Land hinkt hinterher
Erstaunlich wenig Naturschutzgebiete

Natur gibt’s im AK-Land reichlich – aber nur 0,8 Prozent der Kreisfläche sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Der Bundesschnitt liegt fast achtmal so hoch. Kein Wunder also, dass die Verbände gerne weitere Flächen bewahren würden. Unser Archivfoto ist am
Elkenrother Weiher aufgenommen.
  • Natur gibt’s im AK-Land reichlich – aber nur 0,8 Prozent der Kreisfläche sind als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Der Bundesschnitt liegt fast achtmal so hoch. Kein Wunder also, dass die Verbände gerne weitere Flächen bewahren würden. Unser Archivfoto ist am
    Elkenrother Weiher aufgenommen.
  • Foto: damo
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

damo Kreis Altenkirchen. Die EU ist nicht gerade dafür bekannt, spontan oder gar impulsiv zu handeln – vielmehr wird der Brüsseler Bürokratie gerne vorgeworfen, dass ihre Mühlen enorm langsam mahlen. Und so ist auch die Klage der Kommission gegen die Bundesrepublik Deutschland kein Schnellschuss aus der Hüfte: Seit vielen, vielen Jahren bemängelt Brüssel, dass die Bundesrepublik beim Naturschutz ihre Hausaufgaben nicht mache – vor wenigen Wochen ist das in eine Klage am Europäischen Gerichtshof gemündet. „Eine bedeutende Anzahl von Gebieten sind immer noch nicht als besondere Schutzgebiete ausgewiesen“, lautet der Vorwurf aus Brüssel. Grund genug für die SZ, den Blick ins AK-Land zu richten: Gibt’s denn hier genug Naturschutzgebiete?

damo Kreis Altenkirchen. Die EU ist nicht gerade dafür bekannt, spontan oder gar impulsiv zu handeln – vielmehr wird der Brüsseler Bürokratie gerne vorgeworfen, dass ihre Mühlen enorm langsam mahlen. Und so ist auch die Klage der Kommission gegen die Bundesrepublik Deutschland kein Schnellschuss aus der Hüfte: Seit vielen, vielen Jahren bemängelt Brüssel, dass die Bundesrepublik beim Naturschutz ihre Hausaufgaben nicht mache – vor wenigen Wochen ist das in eine Klage am Europäischen Gerichtshof gemündet. „Eine bedeutende Anzahl von Gebieten sind immer noch nicht als besondere Schutzgebiete ausgewiesen“, lautet der Vorwurf aus Brüssel. Grund genug für die SZ, den Blick ins AK-Land zu richten: Gibt’s denn hier genug Naturschutzgebiete?

Schon eine einzige Zahl reicht aus, um Harry Neumann auf die Palme zu bringen. 0,8 Prozent der Kreisfläche sind als NSG ausgewiesen: Das hat die SGD Nord als zuständige Behörde jetzt auf Anfrage der SZ mitgeteilt. Für Neumann, seines Zeichens Vorsitzender der Naturschutz-Initiative, ist diese Zahl ein schlechter Scherz: „Das ist ein Armutszeugnis, eine Respektlosigkeit der Natur gegenüber. Ich bin froh, dass die Bundesrepublik endlich verklagt worden ist.“

Ein Armutszeugnis

Und wenn Deutschland die Klage nach Einschätzung von Neumann zu recht kassiert hat, dann wäre das AK-Land erst recht ein Fall für den Kadi. Denn die 0,8 Prozent wirken nicht nur erstaunlich niedrig – sie sind es im Vergleich auch. Das zeigt schon der Vergleich mit den 2,0 Prozent der Landesfläche von Rheinland-Pfalz, die unter Naturschutz stehen. Aber noch mickriger wirken die 0,8 Prozent mit Blick auf den deutschlandweiten Schnitt: 6,3 Prozent der Bundesfläche sind als Naturschutzgebiet deklariert – beinahe achtmal so viel wie im AK-Kreis.

Das führt beinahe zwangsläufig zu der Frage: Ist die Natur im ländlich geprägten AK-Land weniger wertvoll und schützenswert als in anderen Regionen der Republik? „Nein“, sind sich Wolfgang Stock vom BUND und Harry Neumann einig, es gebe sehr viele schützenswerte Gebiete.
„Hierzulande besteht aber kein politisches Interesse daran, Naturschutzgebiete auszuweisen“, meint Stock. Und Neumann schlägt in dieselbe Kerbe: „Weder die Kommunen noch die Behörden zeigen irgendeine Aktivität, um wertvolle Natur zu erhalten“, kritisiert Neumann. Aber nicht nur das: „Auch die Initiativen der Naturschutzverbände kommen nicht durch“, klagt Stock.: „Wir erleben immer wieder eine Verhinderungspolitik.“

Er selbst hat zuletzt erneut die Unterschutzstellung des Stegskopfs eingefordert, und vor Jahren hatte er im Namen des BUND angeregt, einen Teilbereich des Giebelwalds in der Nähe der Freusburg als NSG auszuweisen. Erfolglos: Die Liste der Naturschutzgebiete im AK-Land ist zuletzt vor 20 Jahren erweitert worden – damals ist die Graureiherkolonie bei Wallmenroth unter Schutz gestellt worden. Seitdem? Laut der SGD Fehlanzeige.

"Druck auf die Landschaft enorm gewachsen“

Neumann und Stock haben auch eine Erklärung parat, warum die Flächenkulisse der NSG seit Jahren gleich geblieben ist: „Der Druck auf die Landschaft ist enorm gewachsen“, sagt Stock. Und Neumann ergänzt, dass „wir derzeit einen gewaltigen Run auf Bau- und Gewerbegebiete erleben, da bleibt für die Natur wenig übrig“. Zudem, meint Neumann, scheuten die Behörden auch vor dem drohenden Konflikt mit Besitzern oder Nutzern von Flächen zurück – in erster Linie denkt er hier an Landwirte. „Aber da lassen sich Lösungen finden, wenn man die Landwirte angemessen entschädigt.“
Und Flächen, die aus seiner Sicht dringend schutzwürdig sind, kann Neumann problemlos herunterbeten. Er nennt unter anderem
die Wälder am Hohenseelbachskopf,
den Giebelwald,
das Wiedtal bei Borod,
das untere Nistertal,
das Siegtal zwischen Wissen und der Landesgrenze,
den Nauberg
und natürlich den Stegskopf.

„Überall dort gibt es wertvolle Biotopstrukturen“, erklärt Neumann. Und laut dem Naturschutzgesetz gehe es nicht nur um deren Erhaltung, sondern auch um die Entwicklung. Dabei sei ein engmaschiges Netz aus vielen Naturschutzgebieten nötig: „Wir brauchen diese Trittsteine, um eine Biotopvernetzung zu erreichen“, sagt Stock.Übrigens gehe es keineswegs nur um Tiere und Pflanzen – auch in diesem Punkt stimmen die beiden Gesprächspartner der SZ überein. Dazu sagt Neumann: „Niemand will eine Käseglocke über die Gebiete stülpen und die Menschen aussperren. Ganz im Gegenteil: Die Menschen sollen ja die Schönheit der Natur bewusst erleben.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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