Dutzende Helfer aus dem AK-Land an der Ahr
„Gefühlt ist das wie im Krieg“

Das Dörfchen Schuld ist zu einem der Synonyme der Hochwasserkatastrophe geworden. Auch dort sind Helfer aus dem AK-Land im Einsatz.
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damo Altenkirchen. Noch immer sind Hilfskräfte aus dem AK-Land im Ahrtal, um den Menschen nach der Flutkatastrophe zur Seite zu stehen. Aber die Aufgaben haben sich geändert: In den ersten Tagen mussten die Helfer vor allem um Menschenleben kämpfen – mittlerweile laufen die Pumpen auf Hochtouren. Und so zeichnet sich zumindest für die vielen Feuerwehrleute allmählich ein Ende des Hilfseinsatzes ab: „Jetzt sind zunehmend andere Akteure gefragt“, erklärt Kreisfeuerwehrinspekteur Ralf Schwarzbach im Telefonat mit der SZ: „Bundeswehr und THW sind für solche Aufgaben prädestiniert.“
Aber trotzdem ist auch die Hilfsbereitschaft der Feuerwehren ungebrochen – und das ist auch gut so:

Mehr Leute verfügbar als benötigt

Damit ist gewährleistet, dass die Helfer nach etwa zwölf Stunden ausgetauscht werden können. Nachschub zu finden, fällt den Leitungsteams im AK-Land leicht: „Wir könnten mehr Leute schicken, als angefordert werden“, sagt der Daadener Wehrleiter Matthias Theis. Und Steffen Kappes, stellvertretender Wehrleiter in der VG Kirchen, berichtet, dass „innerhalb kürzester Zeit die Mannschaft steht“. Die Kirchener Dienstpläne reichen aktuell bis zum Wochenende – ob wirklich so lange Feuerwehrkräfte an der Ahr benötigt werden, ist aktuell zwar noch nicht abzusehen, aber Fakt ist: „Wir sind bereit.“

Der Einsatz ist köperlich und emotional sehr belastend

Und das ist den Wehrleuten hoch anzurechnen, denn sie werden massiv gefordert. Übereinstimmend betonen die drei Gesprächspartner der SZ, dass die Zerstörung ein beängstigendes Ausmaß erreicht hat. „So was haben wir noch nie gesehen – und so was wollen wir auch nicht nochmal sehen“, meint Kappes. „Gefühlt ist das wie im Krieg“, sagt Schwarzbach.

 „So was haben wir noch nie gesehen – und so was wollen wir auch nicht nochmal sehen“: Feuerwehrmann Steffen Kappes spricht mit dieser Einschätzung sicher vielen Kameraden aus der Seele.
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Der Einsatz ist doppelt belastend: Körperlich, schließlich sind die Helfer viele Stunden am Stück unter widrigsten Bedingungen unterwegs – aber auch emotional. Denn Menschenrettung bedeutet eben auch manchmal, zu spät zu kommen und nur noch Tote bergen zu können. Und selbst die Feuerwehrleute, die von solchen Extremsituationen verschont bleiben, werden ständig mit dem Leid der Bevölkerung konfrontiert. „In jedem Gespräch mit den Menschen vor Ort werden die Not und die Verzweiflung deutlich“, sagt Kappes.

„Das sind heftige Bilder und Eindrücke“, bilanziert Matthias Theis. Noch seien die Einsatzkräfte im Aktionsmodus: „Im Moment bedeutet das: arbeiten und schlafen im Wechsel. Ich glaube, dass man erst in ein paar Wochen sehen wird, wie jeder Einzelne damit klarkommt.“ Das sieht auch Kappes so: „Entscheidend wird sein, solche Eindrücke nicht mit sich allein auszumachen, sondern darüber zu reden.“ Und gegebenenfalls auch professionelle Unterstützung von Notfallseelsorgern oder DRK-Teams anzunehmen, rät Schwarzbach: „Wir müssen da auf die Einsatzkräfte aufpassen, und darauf haben wir die Wehrleitungen auch hingewiesen.“

Die Einsatzbereitschaft der ehrenamtlichen Helfer ist ungebrochen.
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„Diese Wertschätzung tut gut“

Er rückt im Gespräch mit der SZ noch einen anderen Aspekt in den Fokus: „Wir haben in den vergangenen Jahren im Kreis viel dafür getan, den Katastrophenschutz voranzutreiben. Und spätestens jetzt sollte auch an der allerletzten Stelle angekommen sein, warum wir das machen.“ Neue Organisationsstrukturen, spezielle Fahrzeuge, die enge Verknüpfung mit den anderen Hilfsorganisationen: All das bewähre sich gerade.

Erfreulich für die Wehrleute ist das hohe Maß an Wertschätzung, das sie im Einsatz erfahren. „Wir hören das oft, und wir spüren das ständig, dass uns die Menschen dankbar sind“, sagt Kappes. Und das gilt nicht nur für die direkt Betroffenen: „Auch die Bevölkerung bei uns zu Hause und die Firmen stehen uns zur Seite“, betont Theis. So bekommen die Daadener Feuerwehrleute zum Beispiel Tag für Tag von einem örtlichen Caterer Lunchpakete geliefert: „Diese Wertschätzung tut gut.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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