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Wenig Setzlinge und No-Go-Areas
Holzmangel als traurige Zukunftsvision

Mit den riesigen Freiflächen im Kreis Altenkirchen, hier in Brachbach, muss in Zukunft etwas geschehen.
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  • Mit den riesigen Freiflächen im Kreis Altenkirchen, hier in Brachbach, muss in Zukunft etwas geschehen.
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damo Kreis Altenkirchen. Der trockene Sommer 2020 hat nicht nur in den Wäldern ein trauriges Bild hinterlassen: „Auch in vielen Baumschulen sind die Pflanzen nicht so gewachsen, wie wir uns das gewünscht hätten“, berichtet Frank Schneider. Und das beeinflusst auch die Wälder der Zukunft: „Wir mussten bei den Pflanzungen bisher ziemlich viel improvisieren“, ergänzt der Technische Produktionsleiter des Forstamts Altenkirchen. „Und wir sind noch lange nicht fertig: Im Herbst geht’s weiter – wenn wir das Material bekommen.“

Rund 100 000 Pflanzen sind kreisweit auf den Staatsforst-Flächen bereits in die Erde gebracht worden.

damo Kreis Altenkirchen. Der trockene Sommer 2020 hat nicht nur in den Wäldern ein trauriges Bild hinterlassen: „Auch in vielen Baumschulen sind die Pflanzen nicht so gewachsen, wie wir uns das gewünscht hätten“, berichtet Frank Schneider. Und das beeinflusst auch die Wälder der Zukunft: „Wir mussten bei den Pflanzungen bisher ziemlich viel improvisieren“, ergänzt der Technische Produktionsleiter des Forstamts Altenkirchen. „Und wir sind noch lange nicht fertig: Im Herbst geht’s weiter – wenn wir das Material bekommen.“

Rund 100 000 Pflanzen sind kreisweit auf den Staatsforst-Flächen bereits in die Erde gebracht worden. Angesichts der Tatsache, dass jede einzelne eingebuddelt werden muss, mag das viel erscheinen – aber wer sich die teils hektargroßen Freiflächen vor Augen führt, erkennt schnell, dass Forstamtsleiter Michael Weber Recht hat: „Das sind vor allem punktuelle Initialzündungen.“

Die Natur muss helfen

Flächendeckend neuen Wald zu pflanzen, ist schlichtweg nicht darstellbar: Die Kosten wären immens, das Saatgut ist limitiert. Das ist aber auch nicht nötig, lautet das Credo des Forstamts: „Wir sind gut beraten, auf die Kräfte der Natur zu setzen“, sagt Weber.

Damit meint er nicht, dass Flächen gänzlich sich selbst überlassen werden sollen – ihm geht’s vielmehr darum, „das, was von Natur aus da ist, zu nutzen“. Und eben mit gezielten Anpflanzungen zusätzliche Arten zu integrieren. Dass damit auch neue Fichten wachsen werden, liegt auf der Hand – und ist auch okay, meint Schneider: „Wir werden mit den Fichten in Zukunft anders umgehen müssen. Die werden sicher nicht mehr so alt wie in der Vergangenheit.“ Und sie werden wohl nicht mehr in Monokulturen vorkommen, sondern punktuell in Mischwäldern.

Viele Besitzer, viele Strategien

Weber und Schneider können natürlich nur fürs Forstamt sprechen – aber gerade im AK-Land gibt es einen hohen Anteil von Privatwald und eine Heerschar von Waldbesitzern. Deshalb werden im AK-Land auch unzählige unterschiedliche Strategien verfolgt: Die eine Haubergsgenossenschaft pflanzt deutlich mehr als die andere, in manchen Wäldern hat sich schon viel mehr getan als in anderen. Konsens herrscht aber in einem Punkt: „Wir können nicht hundertprozentig vorhersagen, wie sich das Klima entwickelt und welche Baumarten bei uns funktionieren. Deshalb gilt: Vielfalt streut das Risiko“, sagt Schneider.

Natürlich werden auch weiterhin Fichten im AK-Land wachsen. Ob sie aber noch 80, 90 Jahre alt werden, erscheint fraglich.
  • Natürlich werden auch weiterhin Fichten im AK-Land wachsen. Ob sie aber noch 80, 90 Jahre alt werden, erscheint fraglich.
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Natürlich werden etliche Flächen, die bis vor zwei, drei Jahren noch Wirtschaftswald waren, nicht wieder gezielt aufgeforstet. „Es wird auch Waldflächen geben, auf denen nichts passiert“, stellt Weber klar – auch wenn das bedeutet, dass No-Go-Areas entstehen. Denn diese Abschnitte lassen sich in den nächsten 20, 30 Jahren kaum noch betreten: „Dort wird aus Sicherheitsgründen keine Bewirtschaftung möglich sein.“

Wo kommt das Holz her?

Das wirft freilich die Frage auf: Wo kommt dann das Holz der Zukunft her? „Wenn ich heute nicht in Kulturen investiere, dann kann ich in 80 Jahren nichts ernten“, bringt es Friedrich Freiherr von Hövel im Gespräch mit der SZ auf den Punkt. Muss dann in eine der waldreichsten Regionen Deutschlands Holz importiert werden? Dem Forstamt behagt dieser Gedanke nicht – schließlich lässt jeder Transport Preise und CO2-Emmissionen steigen, und „es wird längst nicht in allen Ländern so nachhaltig Holz produziert wie in Deutschland“, warnt Weber.

"Es wird auch Waldflächen geben, auf denen nichts passiert."
Michael Weber
Forstamtsleiter Altenkirchen

Aber es wird nicht ohne Importe gehen, prophezeit Markus Mann. Der Langenbacher produziert nicht nur Holzpellets, sondern betreibt auch ein Sägewerk, in dem vor allem Holz für die Verpackungsindustrie geschnitten wird. Um die Pellets ist ihm nicht bange: „Da kann ich bis auf Pappel praktisch alles nehmen, und auch wenn die Fichten weg sind, wird bei den Durchforstungen der neuen Mischwälder für den Energieholzsektor genug anfallen.“

Nächster Import-Rohstoff?

Anders aber wird es im Sägewerk aussehen, befürchtet Mann: „Der Sägeindustrie wird regionales Holz fehlen. Das wird so sein wie es mit dem Eisenerz oder dem Basalt gelaufen ist: Irgendwann haben wir angefangen, solche Rohstoffe, die es immer bei uns gegeben hat, zu importieren.“

Es ist kein Zufall, dass Mann bereits die Weichen dafür stellt, die alte Bahntrasse bei Elkenroth wieder in Betrieb zu nehmen. „Denn wenn wir schon Rundholz aus anderen Regionen heranschaffen müssen, dann lieber über die Schiene als über die Straße.“

Mit den riesigen Freiflächen im Kreis Altenkirchen, hier in Brachbach, muss in Zukunft etwas geschehen.
Natürlich werden auch weiterhin Fichten im AK-Land wachsen. Ob sie aber noch 80, 90 Jahre alt werden, erscheint fraglich.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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