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Grube „Georg“: Förderverein und BI wollen Industriedenkmal aufwerten
Kritik an Beleuchtung des Förderturms

Leider kommt man als Siegerländer viel zu selten an dieser Stelle der A 3 vorbei: Das alte Fördergerüst der Grube „Georg“ markiert den südöstlichsten Zipfel des einstigen Einzugsbereichs der Erzbergbau Siegerland. Nun soll der Turm illuminiert werden.
  • Leider kommt man als Siegerländer viel zu selten an dieser Stelle der A 3 vorbei: Das alte Fördergerüst der Grube „Georg“ markiert den südöstlichsten Zipfel des einstigen Einzugsbereichs der Erzbergbau Siegerland. Nun soll der Turm illuminiert werden.
  • Foto: C. Eul/www.mantomedia.de
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

sz/thor Willroth. Es ist die letzte große Erinnerung an den Siegerländer-Wieder-Spateisenbezirk: Mächtig thront der ehemalige Förderturm der Grube „Georg“ in Willroth an der A 3. Überall sonst im Revier der früheren Erzbergbau Siegerland AG sind die Anlagen abgebaut und verschrottet worden – und gerade aus dem Oberkreis können die Freunde der heimischen Montangeschichte nur neidisch auf die Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld schauen.
Nun ist die Idee entstanden, das Fördergerüst nachts anstrahlen zu lassen. Doch dagegen regt sich Widerstand, und zwar von der Naturschutzinitiative (NI): „Diese Planungen, den Turm in der Dämmerung bzw. Dunkelheit anzustrahlen, lehnen wir aus naturschutzfachlichen Gründen entschieden ab“, so Landesvorsitzender Harry Neumann.

sz/thor Willroth. Es ist die letzte große Erinnerung an den Siegerländer-Wieder-Spateisenbezirk: Mächtig thront der ehemalige Förderturm der Grube „Georg“ in Willroth an der A 3. Überall sonst im Revier der früheren Erzbergbau Siegerland AG sind die Anlagen abgebaut und verschrottet worden – und gerade aus dem Oberkreis können die Freunde der heimischen Montangeschichte nur neidisch auf die Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld schauen.
Nun ist die Idee entstanden, das Fördergerüst nachts anstrahlen zu lassen. Doch dagegen regt sich Widerstand, und zwar von der Naturschutzinitiative (NI): „Diese Planungen, den Turm in der Dämmerung bzw. Dunkelheit anzustrahlen, lehnen wir aus naturschutzfachlichen Gründen entschieden ab“, so Landesvorsitzender Harry Neumann.

Beleuchtung ein lang gehegter Wunsch

Träger der Maßnahme ist der „Förderverein Bergbau- und Hüttentradition Verbandsgemeinde Flammersfeld“. Die Beleuchtung des Förderturms ist ein lang gehegter Wunsch, auch einer Bürgerinitiative aus Willroth, die sich an an den Kosten beteiligt. Angestrebt ist eine 75-prozentige Förderung aus dem LEADER-Programm. Viele Menschen aus der Region unterstützen nach Angaben des Fördervereins das Projekt, weil dort ihre Väter und Großväter „bergten“ und so ihr „täglich Brot“ verdienten.
Auch der Umwelt- und Naturschutz war von vornherein ein Thema. „Letztlich war es ein Abwägungsprozess“, betont Rolf Schmidt-Markoski, 1. Beigeordneter der VG Altenkirchen-Flammersfeld und Vorstandsmitglied des Fördervereins. Hier entstehe keine neue Lichtquelle solitär im Wald, vielmehr befinde sich der Förderturm auf einem Betriebsgelände der Firma Georg Umformtechnik am Ortsrand von Willroth unmittelbar an der A 3. Gegenüber liege der Gewerbepark Oberhonnefeld-Gierend mit nächtlicher Beleuchtung. Man setzte extra auf schonende LED-Technik und habe die nächtlichen Schaltzeiten angepasst. „Alle fachlichen Stellungnahmen zu dem Projekt liegen vor und sind positiv“, so Schmidt-Markoski.

Naturschützer argumentieren mit Energiewende

Das freilich sieht die Naturschutzinitiative komplett anders. Das Bauwerk solle an einem der höchsten Punkte des rheinischen Westerwaldes errichtet werden und sei deshalb sehr weit sichtbar. Hier gehe es nicht um eine herkömmliche Werksbeleuchtung, sondern um eine auffällige Illumination durch LED-Strahler mit Event-Charakter, so der Umweltverband in seiner Pressemitteilung.
„Angesichts der Probleme mit der Energiewende, bei der jede Energieproduktion negative Auswirkungen auf den Naturhaushalt hat, sollte gerade die öffentliche Hand Vorbildfunktion übernehmen und stattdessen Konzepte zur Energieeinsparung entwerfen. Auch der Eigenwert von Natur und Landschaft wird immer mehr einer technisierten Machbarkeit unterworfen und damit zu einem beliebigen Objekt“, so Harry Neumann.

„Erhebliche Störungen“ für nachtaktive Tiere

„Der starke Lichteinsatz ist für nachtaktive Tiere, insbesondere für Nachtfalter, ziehende Vögel und Fledermäuse mit erheblichen Störungen verbunden“, erklärt Biologe Günter Hahn, Vorsitzender der NI-Kreisgruppe Neuwied.
„Bei Nachtfaltern beweist der Anflug an nächtlich beleuchteten Fenstern die ablenkende Wirkung des Lichtes. Entsprechend konnte die Wissenschaft auch nachweisen, dass die Bestäubungsleistung von nachtlebenden Insekten in einer künstlich beleuchteten Umgebung deutlich abnahm. Auch steigt das Risiko dieser als Fluginsekt oft kurzlebigen Tiere, dass diese von Feinden gesehen und gefressen werden oder dass sie keinen Partner finden. Damit trägt Lichtverschmutzung zum Insektensterben bei“, so Hahn.
Lichtverschmutzung könne aber auch eine Störung des Tag-Nachtrhythmus oder jahreszeitlicher Rhythmen verursachen. Hiervon seien fast alle Organismen mehr oder weniger betroffen, also letztlich auch Menschen.
„Eine künstlich längere Lichtdauer kann so frühzeitig Balzgesänge und Revierverhalten von Vögeln auslösen. Die Paarungsbereitschaft tritt früher ein und kann zu erfolglosen Bruten in der nahrungsarmen Frühlingszeit führen“, erklärt die NI.

„Nicht hinnehmbare Außenwirkung“

„Wir bemängeln aber auch eine nicht hinnehmbare Außenwirkung auf das Landschaftserleben im Naturpark ,Rhein-Westerwald’. Aufgrund der großen Sichtweite des Förderturms dürfte das Erlebnis von Sonnenunter- oder -aufgängen oder das eines abendlichen Sternenhimmels in einem weiten Umfeld von Westerwald und Voreifel beeinflusst sein“, betonte Dip.-Biologe Immo Vollmer, Naturschutzreferent der NI.
„Im Zeitalter des Artensterbens, der fortschreitenden Zerstörung von Lebensräumen und dem Klimawandel ist Energie einsparen das Gebot der Stunde und nicht die weitere Erhöhung des Energieverbrauchs. Schon gar nicht dürfen solche Maßnahmen mit Hilfe des Leader-Programms auch noch aus Steuergeldern finanziert werden“, betonten Neumann, Hahn und Vollmer abschließend.

1965 gingen die Lichter aus Das Fördergerüst auf Grube „Georg“ wurde in den Jahren 1952 bis 1954 erbaut. Die Einweihung mit der Schachtanlage fand 1954 in Anwesenheit des damaligen Ministerpräsidenten Peter Altmeier statt. Schon elf Jahre später kam das Aus. Gemeinsam mit der Grube „Füsseberg“ in Biersdorf wurde das Bergwerk geschlossen. Die Höhe bis zum Dach der Förderräder beträgt 56 m. Der Besucher befindet sich auf einer Höhe von 449 m über NN und kann einen Ausblick über den Westerwald und auch über das Rheintal bis in die Eifel genießen. 1988 wurde das Fördergerüst als Industriedenkmal unter Denkmalschutz gestellt. Es ist der letzte originale Förderturm des Siegerländer Erzbergbaus.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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