SZ

Sturm der Entrüstung im AK-Land
Massiver Widerstand gegen Öffnung der Schulen

Präsenzpflicht? Die Eltern entscheiden selbst, ob sie es für eine gute Idee halten, ihre Kinder in diesen Tagen in den Wechselunterricht zu schicken. Und vielerorts sind die Klassenräume dann ziemlich verwaist.
  • Präsenzpflicht? Die Eltern entscheiden selbst, ob sie es für eine gute Idee halten, ihre Kinder in diesen Tagen in den Wechselunterricht zu schicken. Und vielerorts sind die Klassenräume dann ziemlich verwaist.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Kreis Altenkirchen. In den Grundschulen im AK-Land brennt es: Die Entscheidung aus Mainz, trotz einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 150 wieder in den Wechselunterricht zu gehen, stößt bei vielen Akteuren nicht nur auf völliges Unverständnis, sondern sogar auf Widerstand. Vielerorts stimmen die Eltern mit den Füßen ab, indem sie ihre Kinder nicht in den Wechselunterricht schicken. Und etliche Schulleitungen weigern sich, die Verantwortung für die Schulöffnung vor den Osterferien zu übernehmen.

Kinder sollen vor Ostern soziale Kontakte haben
Zur Erinnerung: Überraschend ist am vergangenen Mittwoch entschieden worden, dass die Schulen im AK-Land in dieser Woche wieder in den Wechselunter

damo Kreis Altenkirchen. In den Grundschulen im AK-Land brennt es: Die Entscheidung aus Mainz, trotz einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 150 wieder in den Wechselunterricht zu gehen, stößt bei vielen Akteuren nicht nur auf völliges Unverständnis, sondern sogar auf Widerstand. Vielerorts stimmen die Eltern mit den Füßen ab, indem sie ihre Kinder nicht in den Wechselunterricht schicken. Und etliche Schulleitungen weigern sich, die Verantwortung für die Schulöffnung vor den Osterferien zu übernehmen.

Kinder sollen vor Ostern soziale Kontakte haben

Zur Erinnerung: Überraschend ist am vergangenen Mittwoch entschieden worden, dass die Schulen im AK-Land in dieser Woche wieder in den Wechselunterricht gehen sollen – trotz einer hohen Inzidenz und ungeachtet des diffusen Infektionsgeschehens. Das hatten die Entscheidungsträger aus Mainz vor allem damit begründet, dass man den Kindern vor Ostern soziale Kontakte ermöglichen wolle.

Aber davon kann in vielen Schulen nicht die Rede sein: Teilweise sitzen zwei, drei Kinder mit ihrer Lehrerin im Klassenraum – denn überall hagelt es Krankmeldungen. An der Grundschule in Weitefeld ist ein knappes Drittel der Kinder abgemeldet worden, in Gebhardshain sogar zwei Drittel. Und von den rund 200 Schülern einer Grundschule im Raum Betzdorf kommen keine 50 in den Wechselunterricht. Ähnlich sieht’s auch in Kirchen aus, wo in manchen Klassen nur zwei oder drei Kinder sitzen.

Kaum Akzeptanz für Schulöffnungen im Kreis Altenkirchen

Um das Gewicht dieser Zahlen zu verstehen, muss man sich vor Augen führen: Der Wechselunterricht ist kein Wunschkonzert – die Schulpflicht besteht sehr wohl. Dass sich so viele Eltern darüber hinwegsetzen, zeigt überdeutlich: Die Akzeptanz für die Schulöffnung vor den Osterferien ist im AK-Land sehr, sehr überschaubar.
Genau dieses Stimmungsbild in der Bevölkerung haben viele Schulen sehr genau wahrgenommen. „Eine solche Welle der Entrüstung und des Entsetzens habe ich vorher noch nicht erlebt“, sagt Lars Lamowski, Schulleiter in Kirchen. Und so wie ihm geht es vielen seiner Kollegen.

Also haben die Schulen reagiert: Sie haben den Eltern Brücken gebaut. Viele Schulen haben in ihren Elternbriefen dezent darauf hingewiesen, dass Kinder grundsätzlich krankgemeldet werden können und auch die Möglichkeit bestehe, das eigene Kind beurlauben zu lassen. Ferner haben die Schulen verdeutlicht, dass das Kind keinen Nachteil erleidet, wenn es auf die zwei, drei Tage Wechselunterricht verzichtet: In dieser Woche werde in den Schulen nichts anderes durchgenommen als das, was im Wochenplan fürs Homeschooling auftaucht. Und natürlich würden auch keine Klassenarbeiten geschrieben.
„Wenn die Eltern in Sorge sind und mit der hohen Inzidenz argumentieren: Wie kann ich denn da Nein zu einer Beurlaubung sagen?“ Die Frage von Lars Lamowski ist rhetorischer Natur, und auch die Antwort auf die nächste Frage kann er sich selbst geben: „Was, wenn sich ein Kind hier ansteckt und das Virus an Ostern an die Großeltern weitergibt?“

Keine Schnelltests, FFP2-Masken und Lüftungsgeräte

Denn nach wie vor sei der Gesundheitsschutz an den Schulen keineswegs ausreichend, sagt Lamowski in seiner Funktion als bildungspolitischer Sprecher der Gewerkschaft VBE. „Seit Monaten wird gesagt, dass die Kinder schnell wieder in die Schulen zurückkommen sollen. Aber dann muss man auch ihre Sicherheit gewährleisten. Und an dem Punkt sind wir noch lange nicht.“ Er macht das an einigen Defiziten fest:

Schnelltests: „Es gibt keine Infos vom Land, ab wann, wie und wo getestet wird.“
FFP2-Masken: Noch immer hätten die Schulen keine Chance, FFP2-Masken nachzubestellen.
Masken für Kinder: Auch die fehlen, bemängelt Lamowski. „Warum liefert das Land keine kindgerechten OP-Masken?“
Lüftungsgeräte: Nach wie vor gelte, dass das Land Lüftungsgeräte nur für Räume liefert, die nicht über die Fenster gelüftet werden können. „Wir brauchen aber für jeden Klassenraum eine solche Anlage“, sagt Lamowski. Und die Kosten dürften kein Argument sein, zumal mittlerweile auch Leasingsmodelle angeboten würden.

Corona-Mutation erwischt auch Kinder

Viele diese Kritikpunkte haben mehrere Schulleiter auch in einem Brief ans Bildungsministerium aufgeführt. Dieses Schreiben liegt der SZ vor.
Darin machen die Schulleitungen zwar deutlich, dass auch ihnen die Bedeutung des Präsenzunterrichts bewusst ist – aber sie kommen zu dem Fazit, dass die Risiken einer Schulöffnung für wenige Tage vor den Ferien deutlich überwiegen. Es sei unstrittig, dass die vorherrschende britische Virusmutante auch Kinder erkranken lässt und es den Schulen an vielen Instrumenten für einen wirkungsvollen Schutz fehle.
Das Fazit könnte kaum deutlicher ausfallen: „Den Gesundheitsschutz für mein Kollegium und die Kinder kann ich unter diesen Umständen nicht mehr gewährleisten – zumal die Bausteine der Schulungen für Hygienebeauftragte mir sehr wohl aufzeigen, dass in Schulen die Kinder die Infektionen mitbringen. Ich lehne somit die Verantwortung für den Schritt der Schulöffnung zum 22. März als Schulleitung ab.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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