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Mit dem Wolf leben lernen

SZ-Redakteur Dr. Andreas Göbel.
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Dass eitel Frieden herrschen wird zwischen Naturschutz- und Landwirtschaftsverbänden, wenn man sich erst auf einen Praxisleitfaden zum Umgang mit Wölfen verständigt hat, ist ausgeschlossen. Zu stark rückt die Wolfspopulation in immer mehr Regionen des Industrielandes Deutschland vor, einem Land, wohlgemerkt, dass über klassische Wildnisgebiete so gut wie gar nicht mehr verfügt.Man muss sich verabschieden von der Vorstellung Grimm’scher Wälder als Zuhause des Wolfs. Als Nahrungsopportunist geht er dahin, wo er etwas zu fressen findet, egal, ob in der Nachbarschaft Fabriken stehen. Auch die Vertreter der Jagd und der Politik wollen mitreden, Letztere auch deswegen, weil Angriffe auf Menschen nur „so gut wie ausgeschlossen“ sind, man sie aber eben nicht absolut ausschließen kann.

Dass eitel Frieden herrschen wird zwischen Naturschutz- und Landwirtschaftsverbänden, wenn man sich erst auf einen Praxisleitfaden zum Umgang mit Wölfen verständigt hat, ist ausgeschlossen. Zu stark rückt die Wolfspopulation in immer mehr Regionen des Industrielandes Deutschland vor, einem Land, wohlgemerkt, dass über klassische Wildnisgebiete so gut wie gar nicht mehr verfügt.Man muss sich verabschieden von der Vorstellung Grimm’scher Wälder als Zuhause des Wolfs. Als Nahrungsopportunist geht er dahin, wo er etwas zu fressen findet, egal, ob in der Nachbarschaft Fabriken stehen. Auch die Vertreter der Jagd und der Politik wollen mitreden, Letztere auch deswegen, weil Angriffe auf Menschen nur „so gut wie ausgeschlossen“ sind, man sie aber eben nicht absolut ausschließen kann.

In der EU sind in 18 Jahren sechs Angriffe der Tiere auf Menschen dokumentiert (Polen: vier; Italien und Kroatien jeweils einer). Tödliche Attacken gab es keine. Käme es zu einer „Sättigung“ der Population mit tausend Rudeln, wäre der Wolf zwar immer noch ein Tier, das man selten zu Gesicht bekäme, aber er wäre da und er wäre spürbar. Vor allem für die Weidetierhalter.

Wir stehen womöglich am Anfang einer Transformation der Landwirtschaft in Bezug auf das Thema Wolf. Viele namhafte Experten sehen die Jagd auf den Wolf nicht als Lösung des Problems an. Erstes Hindernis ist sicherlich der europäische Schutzstatus des Wolfs. Zu Recht wird auch immer wieder angeführt, dass einzelne Abschüsse kontraproduktiv sind, weil dadurch die Revierstruktur in Unordnung gerät und neue Tiere einwandern, die viel größeren Schaden anrichten können.

Die illegale Jagd auf Isegrim ist sowieso längst verbreitet (Motto: „schießen, schaufeln, schweigen“). Frank Wörner berichtet, dass laut einer Studie zwischen 1991 und 2020 insgesamt 557 Wölfe in Deutschland tot aufgefunden wurden. Die meisten von ihnen sind von Autos überfahren worden. Sehr viele an der Straße umgekommene Tiere hätten aber Geschosse im Körper stecken gehabt, ein sicheres Zeichen für die Verbreitung der illegalen Jagd.

Den Wolf hat das alles nicht aufhalten können. Man könne den Westerwald oder das Siegerland nicht einzäunen, sagte Wörner. Der Wolf wird also kommen – ob wir das wollen oder nicht.

a.goebel@siegener-zeitung.de

Das große Comeback

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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