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Unterstützung für den Bläuling?
Naturschutz-Projekt für Hüttenweiher Biersdorf

Die Flächen rund um den Hüttenweiher in Biersdorf sind nicht nur hübsch, sondern auch ökologisch wertvoll. Für die Erbengemeinschaft ist das aber eine Herausforderung.
  • Die Flächen rund um den Hüttenweiher in Biersdorf sind nicht nur hübsch, sondern auch ökologisch wertvoll. Für die Erbengemeinschaft ist das aber eine Herausforderung.
  • Foto: damo/Archiv
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damo Biersdorf. Was tun mit einer Privatfläche, die ökologisch so wertvoll ist, dass sie de facto kaum bewirtschaftet werden kann? Ist dann der Eigentümer in der Pflicht, streng geschützten Arten wie dem Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling das Leben so paradiesisch wie möglich zu gestalten? Diese Frage stellt sich schon seit geraumer Zeit die Biersdorfer Erbengemeinschaft, die im Besitz des Hüttenweihers und der angrenzenden Wiese ist. Sie beklagt, dass die gesamte Biotoppflege an ihr hängenbleibt (die SZ berichtete).

Natürlich hat die SZ auch bei der Unteren Naturschutzbehörde im Kreishaus nachgefragt – weil die Behörde ein paar Tage Zeit für die Antwort gebraucht hat, liefern wir hier die wichtigsten Aussagen nach.

damo Biersdorf. Was tun mit einer Privatfläche, die ökologisch so wertvoll ist, dass sie de facto kaum bewirtschaftet werden kann? Ist dann der Eigentümer in der Pflicht, streng geschützten Arten wie dem Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling das Leben so paradiesisch wie möglich zu gestalten? Diese Frage stellt sich schon seit geraumer Zeit die Biersdorfer Erbengemeinschaft, die im Besitz des Hüttenweihers und der angrenzenden Wiese ist. Sie beklagt, dass die gesamte Biotoppflege an ihr hängenbleibt (die SZ berichtete).

Natürlich hat die SZ auch bei der Unteren Naturschutzbehörde im Kreishaus nachgefragt – weil die Behörde ein paar Tage Zeit für die Antwort gebraucht hat, liefern wir hier die wichtigsten Aussagen nach.

Die Wiese erfülle den Schutzstatus

Vorweg: Die Behörde bestätigt den ökologischen Wert ohne jede Einschränkung. Im Regionalen Raumordnungsplan sei das Areal als Vorbehaltsgebiet für den Arten- und Biotopschutz dargestellt; also müsse der Sicherung der heimischen Tier- und Pflanzenwelt bei der Abwägung mit konkurrierenden Belangen ein besonderes Gewicht beigemessen werden. Zudem erfülle die Wiese den Schutzstatus als gesetzlich geschützes Grünland.

Vor allem aber teilt die Kreisverwaltung mit, dass auf der Fläche „die nach Anhang IV der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie auch außerhalb spezieller Schutzgebiete streng geschützte Schmetterlingsart des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings sowie seine Futter- und Eiablagepflanze, der Große Wiesenknopf, vorkommt“. Und laut Bundesnaturschutzgesetz „sind die Schmetterlinge sowie die Wiese“ streng geschützt.

Notwendige Pflegemaßnahmen können vergütet werden

Mit anderen Worten: Die Aussage eines der Erben, Michael Daub, dass er nicht ohne Weiteres mit dem Traktor die Wiese mähen dürfe, wird aus Altenkirchen bestätigt. Mehr noch: Daub geht davon aus, dass das Biotop ohne Pflegemaßnahmen seinen Wert verlieren wird – und das wiederum steht kaum im Einklang mit den Vorgaben des Naturschutzes. Dass er und die anderen Erben aber allein dafür verantwortlich sind, verneint die Kreisverwaltung.

So verweist die Behörde auf die Möglichkeit des Vertragsnaturschutzes. „Der potenzielle Bewirtschafter der Fläche kann bei der Kreisverwaltung einen Antrag stellen, die notwendigen Pflegemaßnahmen vergütet zu bekommen“, teilt die Naturschutzbehörde mit. Sie verweist auf ein „besonderes Bläulingsprojekt des Landes, in das die Fläche nach Rücksprache mit der Projektleitung auch sicher aufgenommen wird“.

Ein Weiher, ein Schmetterling und viel Ärger

Der Erbengemeinschaft entstehen keine Kosten

In diesem Projekt, das sich in erster Linie an Landwirte richtet, wird ein finanzieller Ausgleich für den Verzicht auf die wirtschaftliche Nutzung gezahlt; zudem gibt es Prämien. „Diese Vorteile würden auch Dritten zuteil, die die Fläche bewirtschaften, so dass der Erbengemeinschaft für die Pflege/Bewirtschaftung voraussichtlich keine Kosten entstehen würden.“

Denkbar sei auch, dass die Fläche als Ausgleichsmaßnahme für andere Eingriffe in Natur und Landschaft genutzt wird und hierzu weiter aufgewertet wird. Dieses gedankliche Planspiel hatte auch Michael Daub angestoßen. Dabei gibt es jedoch einen Haken, auf den die Kreisverwaltung auch hinweist: „Aufgrund ihres schon vorhandenen hohen Vorwertes ist die Aufwertung allerdings nur noch zu einem deutlich eingeschränkten Maße anrechenbar.“

Dritte Option: „Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, dass der Kreis oder die Landesstiftung für Natur und Umwelt die Fläche selbst erwirbt.“ Allerdings: Dabei würden keine Baulandspreise gezahlt, sondern lediglich die landwirtschaftlichen Bodenwerte.

Die Stadt kann nicht in die Bresche springen

„Spezielle Extras, wie der Hüttenweiher, können den Kaufpreis etwas erhöhen, aber in Anbetracht der Tatsache, dass der Weiher auch Kosten verursacht, muss auch dieser Aufpreis im Rahmen bleiben.“
Auch die Stadt Daaden könne lediglich den Preis für eine landwirtschaftliche Fläche berappen, stellt Walter Strunk im Gespräch mit der SZ klar. „Da gibt es keinen Spielraum, da wir mit öffentlichen Geldern arbeiten.“ Aber: Selbst wenn das Ensemble ortsbildprägend sei, bedeute das nicht, dass die Stadt in die Bresche springen könne. „Wir können schlichtweg nicht jeden erhaltenswerten Bereich aufkaufen.“
Die Untere Naturschutzbehörde wartet laut ihrer Stellungnahme jetzt auf ein Signal der Eigentümer: „Die Behörde steht gerne bereit, Maßnahmen zu begleiten oder entsprechende Verträge zu schließen.“ Dazu sei ein eindeutiges Signal aller Privateigentümer aus der Erbengemeinschaft erforderlich.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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