Aufnahmen stammen wohl von H. Schmeck
Rätsel um historische Fotos ist gelöst

Dieses Bild stammt ebenfalls von der CD und zeigt Kirchen, vom Riegel aus gesehen. Im Vordergrund dominieren die Anlagen der Lokomotivfabrik Jung.
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  • Dieses Bild stammt ebenfalls von der CD und zeigt Kirchen, vom Riegel aus gesehen. Im Vordergrund dominieren die Anlagen der Lokomotivfabrik Jung.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

thor Kreis Altenkirchen. Eines war Heinz-Robert Stettner von Anfang an klar: Die CD mit den historischen Fotos, die er da beim Aufräumen fast zufällig entdeckt hatte, war ein kleiner Schatz. Und doch umgab die qualitativ hervorragenden Aufnahmen ein großes Geheimnis: Wer hat hier vor über 100 Jahren an der Glasplatten-Kamera gestanden? Nach vielen Vermutungen und Spekulationen konnte das Rätsel am vergangenen Wochenende gelüftet werden. Es dürfte sich fast ausnahmslos um Bilder der „Fotografischen Anstalt Schmeck“ aus Siegen handeln. Heinrich Schmeck war um die Jahrhundertwende ein Meister seines Fachs und hatte an der Betzdorfer Bahnhofstraße auch eine Filiale eingerichtet. Insofern passen auch die abgebildeten Orte und Landschaften.

Matthias Janz liefert die entscheidenden Hinweise

Die entscheidenden Hinweise auf die Herkunft der Fotos kamen von Matthias Janz. Der gebürtige Schelderhütter, der inzwischen in Andernach lebt, ist ein ausgewiesener Experte der heimischen Hüttengeschichte und kennt sich weltweit mit Hochöfen aus. Vor allem aber: Er ist ein leidenschaftlicher Sammler von alten Postkarten. Von Verwandten hatte Janz den letzten SZ-Bericht zum Thema mit dem Bild des Stahlwerks und der Charlottenhütte in Schelden erhalten – und dann nahmen die Dinge ihren Lauf.
Janz fand in seinem Archiv eine Postkarte mit exakt dieser Aufnahme, nachweislich von Schmeck. „Die Postkarte ist am 31. Dezember 1910 abgestempelt und von Niederschelden nach Attendorn gelaufen“, berichtet er. Für ihn als Schelderhütter sei die Aussagekraft dieses Bildes einmalig. „In dieser Entwicklungsphase der Siegerländer Industrie sind alle bedeutenden Anlagen des Ortes auf einmal dargestellt.“ In der Grube „Honigsmund“ sei das Eisenerz gefördert worden, das in der Niederschelder-Hütte zu Eisen erschmolzen wurde. Direkt oberhalb des Niederschelder Bahnhof sei die „Stürze“ zu sehen. Dort wurde das aus dem Gosenbachtal mit der Schmalspurbahn kommende Eisenerz in die Staatsbahn umgeschüttet. Rechts auf dem Foto sei die Charlottenhütte mit zwei Hochöfen zu sehen. Das dominierende Moment in dem Bild sei das Siemens-Martin-Stahlwerk der Charlottenhütte. Mit drei 15-t-SM-Öfen ausgestattet, sind in den Hallen ein Grobblech-Walzwerk, ein Hammerwerk, eine Stahlgießerei und mechanische Werkstätte untergebracht. „Die schweißtreibende Arbeit ist bei der Bildbetrachtung quasi zu spüren“, so Janz.

Karte ging von Betzdorf nach Frankfurt auf die Reise

Nach diesem ersten Kontakt schickte die SZ die bereits erschienenen Seiten nach Andernach – was sich erneut als die richtige Entscheidung herausstellen sollte. Besonders stach dabei die brillante Untertage-Szene hervor. Dies ist nach Meinung von Janz eine Werbeaufnahme für die Firma Hoffmann aus Eiserfeld. Diese hatte „Gesteinsbohrmaschinen“ hergestellt. Exakt aus der Zeitungsaufnahme habe er einen Ausschnitt mit dem Hinweis „Siegerländer Eisenbergbau - Hoffmann´s Gesteinsbohrmaschine im Eisenstein-Abbau“. Diese Postkarte ist am 30. März 1908 abgestempelt und von Siegen nach Bonn versendet worden.

So ließ die Fa. Hoffmann ihre „Gesteinsbohrmaschinen“ inszenieren.

Beim Ausflugslokal „Sigambria“ in Kirchen war der Anlass der Aufnahme ebenfalls eine Werbung für das Haus. Die Postkarte ist untertitelt mit „Gruss aus Kirchen – Sigambria Café. Restaurant Sigambria Inh.: J. Heidrich, Kirchen – Sieg“. Die Karte wurde nach Uslar in Niedersachsen geschickt.
Auch beim Foto aus dem Walzwerk hat der Sammler eine Aufnahme in seinem Archiv mit großen Übereinstimmungen entdeckt, so beim Walzgerüst, dem Kranzug und zwei Arbeitern. Daher dürfte es der gleiche Betrieb gewesen sein. Das Foto ist beschriftet mit „An der Blechwalze eines Siegerländer Eisenwerkes“. Diese Karte ging von Betzdorf nach Frankfurt auf die Reise, und zwar am 15. Februar 1909. Hier wird wieder Schmeck als Fotograf angegeben. Auch Janz vermutet, dass es sich um die Friedrichhütte in Wehbach handelt, zumal der Absendeort Betzdorf ist.

"Er hatte den Blick für besondere Locations"

Selbst der Meiler ist als Postkarte verfielfältigt worden, leider ohne genaue Ortsangabe und Datum. Es heißt nur „Holzkohlen-Meiler im Siegerland“, dafür wird wieder H. Schmeck genannt. Das gilt ebenso für das Ortsbild von Kirchen, hier besitzt Janz eine ähnliche Aufnahme. Eine etwas veränderte Waggonaufstellung im Bahnhof zeigt an, dass es nicht die gleiche Aufnahme ist. Sie stammt aus dem Jahr 1907.
All diese Spuren lassen Janz zu dem Schluss kommen, dass die Bilder von Heinz-Robert Stettner alle auf einen Urheber zurückgehen. Dafür spreche auch die Professionalität. Neben Portraits hätten die Fotografen zu dieser Zeit ihr Geld mit Postkarten verdient, so der Experte: „Aber auch immer mehr Firmen haben sich in dieser Aufbruchszeit darstellen wollen.“ Schmeck habe bei seiner Arbeit besonders herausgeragt: „Er hatte den Blick für besondere Locations, wie man heute sagen würde.“

Dieses Bild stammt ebenfalls von der CD und zeigt Kirchen, vom Riegel aus gesehen. Im Vordergrund dominieren die Anlagen der Lokomotivfabrik Jung.
So ließ die Fa. Hoffmann ihre „Gesteinsbohrmaschinen“ inszenieren.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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