Ohne Wald kein Wasser
Schulterschluss im Brachbacher Wald

Dialog im Wald: (v. l.) Revierförster Stefan Wulf, Thomas Maschke (Waldinteressenten), Daniel Böhmer (Wasserverein), Hermann Jung (Hauberg), Andreas Reitz, Georg Müller und Edwin Mees (alle Wasserverein) verfolgen letztlich ein Ziel, denn ohne Wald kein Wasser und ohne Wasser kein Wald.
  • Dialog im Wald: (v. l.) Revierförster Stefan Wulf, Thomas Maschke (Waldinteressenten), Daniel Böhmer (Wasserverein), Hermann Jung (Hauberg), Andreas Reitz, Georg Müller und Edwin Mees (alle Wasserverein) verfolgen letztlich ein Ziel, denn ohne Wald kein Wasser und ohne Wasser kein Wald.
  • Foto: damo
  • hochgeladen von Praktikant Online

damo Brachbach. Dass der Borkenkäfer in ihren Beständen gewütet und kaum eine lebendige Fichte zurückgelassen hat, ist kein Alleinstellungsmerkmal der Brachbacher Haubergsgenossen. Dass sie allerdings auch noch den Vorwurf einstecken sollen, dass die Waldarbeiten das Brachbacher Trinkwasser verunreinigt haben, geht den Waldbauern zu weit: Haubergsvorsteher Hermann Jung und der Chef der Waldinteressenten, Thomas Maschke, haben nach der SZ-Berichterstattung über das verunreinigte Stollenwasser das Gespräch mit dem Wasserverein gesucht. Und dabei wurde deutlich: Die Bedürfnisse der drei Vereine gehen Hand in Hand – denn ohne Wald kein Wasser, ohne Wasser kein Wald.

Trübungen und Keime im Trinkwasser

Zur Erinnerung: Vor einigen Wochen hatte der Wasserverein Trübungen und Keime im Trinkwasser des Breimehlstollens festgestellt – und die Waldarbeiten im Wasserschutzgebiet als Auslöser bezeichnet. Und nach wie vor geht der Wasserverein von einem Zusammenhang zwischen der Rodung der abgestorbenen Fichtenbestände und den vielen Schwebteilchen im Wasser aus – schließlich gab es derartige Probleme in der Vergangenheit noch nie.

Aber: Im SZ-Bericht kam den Waldbauern zu kurz, dass sie mit einer absoluten Notlage zu kämpfen haben. Denn sie haben schlichtweg keine Wahl – sie müssen ihre Flächen bearbeiten: „Bei der Fichte reden wir über 100 Prozent abgestorbene Bäume, also über einen Totalausfall“, stellt Jung klar. Ergo ist auch der Brachbacher Wald geprägt von gigantischen Kahlflächen. Soll dort neuer Wald entstehen, wird es nicht gehen, ohne die Gerippe der toten Nadelbäume zu entfernen.

Steigende Keimbelastung im Trinkwasser

Dabei gehen die Waldbauern nach eigener Einschätzung sensibel vor: „Wir haben nicht den Eindruck, dass die Waldarbeiter wie die Vandalen arbeiten“, widerspricht Jung den Aussagen aus dem ersten SZ-Bericht: „Die arbeiten sehr sauber.“

Ein gesunder Wald ist ein Wasserfilter

Aber trotzdem könne es kaum ohne Folgen bleiben, wenn große Flächen im Wasserschutzgebiet plötzlich ganz anders aussehen als vorher. „Natürlich besteht bei einem Gewitter oder Starkregen jetzt die Gefahr, dass Teilchen mitgeschwemmt werden“, sagt Jung. Denn schließlich verhält sich ein Regentropfen anders, wenn er von einem dichten Dach aus Fichtennadeln oder Buchenblättern aufgefangen und gebremst wird.

Gerade diese Wirkung als Wasserspeicher und -filter ist ein großer Pluspunkt eines gesundes Waldes, betont auch Thomas Maschke: „Ohne den Wald würde es gar keinen Wasserverein geben.“
Also arbeiten die Haubergsgenossen mit Hochdruck daran, auch auf den Kahlflächen wieder Wald zu schaffen: Sie haben bereits im großen Stil neue Anpflanzungen vorgenommen. „25 Hektar sind wieder in Bestockung gebracht worden“, berichtet Revierförster Stefan Wulf: „Wir setzen dabei auf eine breite Palette von Baumarten.“

Die Haubergsgenossen sind optimistisch

Viel Laubholz verschiedener Arten, aber auch Weißtanne, Douglasien oder Lärche sollen helfen, das Risiko zu streuen – und verhindern, dass die Waldbauern der nächsten Generation mit einem ähnlichen Drama leben müssen wie die Haubergsgenossen in den letzten drei Jahren. Und im Herbst werden etliche Tausend weitere Setzlinge in die Erde gebracht: „Dann wollen wir weitere 15 Hektar bestocken“, sagt Jung. Mit von der Partie will dann übrigens auch der Wasserverein sein: „Wir würden gerne helfen, den Verbissschutz anzubringen“, kündigt Andreas Reitz an.

Beim Ortstermin klingt ein gewisser Optimismus an: Die Ernte der toten Fichten ist zu 90 Prozent erledigt – damit neigt sich die Zeit dem Ende entgegen, in der die Haubergsgenossen in erster Linie den Job eines Totengräbers erledigen müssen. Statt verdorrte Fichten abzuholzen, können sie endlich den Wald der Zukunft gestalten. Und da spielt ihnen auch die Witterung ins Blatt: „In den letzten trockenen Jahren ist auf den Freiflächen noch nicht einmal Gras gekeimt. Jetzt wird alles grün“, freut sich Förster Wulf über die Niederschläge.

Und diese Freude teilen auch die Männer vom Wasserverein – jeder Tropfen, der fällt, füllt schließlich auch ihre Stollen.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

5 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen