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Ärztlicher Bereitschaftsdienst
Stotterstart ins neue System

Nach der Reform des ärztlichen Bereitschaftsdienstes hakt es im Kreis Altenkirchen noch an etlichen Ecken und Enden.
  • Nach der Reform des ärztlichen Bereitschaftsdienstes hakt es im Kreis Altenkirchen noch an etlichen Ecken und Enden.
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dach Kreis Altenkirchen. Kaum Fahrer, viele unbesetzte Hintergrunddienste: Nach der Reform des ärztlichen Bereitschaftsdienstes hakt es noch an etlichen Ecken und Enden.

Wie ausführlich berichtet, wurden die Praxen in Kirchen und Altenkirchen in ihren Öffnungszeiten beschnitten, sodass nachts im AK-Kreis keine hausärztliche Anlaufstelle mehr besteht. Seit 4. Oktober bilden die Standorte Kirchen, Altenkirchen und Hachenburg eine Einheit – und nur die Ärztliche Bereitschaftspraxis (ÄBP) im WW-Kreis ist nach 23 Uhr besetzt.
Das ändert sich jetzt nach 23 Uhr
Dafür wurde der sogenannte Fahrdienst ausgeweitet: Zwei Mediziner sind nach „Geschäftsschluss“ der regulären Arztpraxen für Hausbesuche zuständig.

dach Kreis Altenkirchen. Kaum Fahrer, viele unbesetzte Hintergrunddienste: Nach der Reform des ärztlichen Bereitschaftsdienstes hakt es noch an etlichen Ecken und Enden.

Wie ausführlich berichtet, wurden die Praxen in Kirchen und Altenkirchen in ihren Öffnungszeiten beschnitten, sodass nachts im AK-Kreis keine hausärztliche Anlaufstelle mehr besteht. Seit 4. Oktober bilden die Standorte Kirchen, Altenkirchen und Hachenburg eine Einheit – und nur die Ärztliche Bereitschaftspraxis (ÄBP) im WW-Kreis ist nach 23 Uhr besetzt.

Das ändert sich jetzt nach 23 Uhr

Dafür wurde der sogenannte Fahrdienst ausgeweitet: Zwei Mediziner sind nach „Geschäftsschluss“ der regulären Arztpraxen für Hausbesuche zuständig. Und die sollen – anders als bisher – nun jeweils einen Fahrer an die Seite bekommen, so die Idee der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz, die für den Bereitschaftsdienst und auch dessen Reform verantwortlich ist.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Es gibt kaum noch Fahrer

Das Problem: Es gibt bisher noch kaum Fahrer. Die Konsequenz daraus: Zuvörderst sitzen die Ärztinnen und Ärzte doch wieder selbst am Steuer. Die Krux: Während die Fahrer der Theorie nach irgendwann abgelöst werden sollen bzw. müssen, fahren die Mediziner selbst im Extremfall die ganze Nacht durch.
Ein Grund für das geringe Interesse an den Jobs könnte die Bezahlung sein, die nur knapp im zweistelligen Euro-Bereich pro Stunde liegen soll, wie es aus dem Kreis der Ärzte heißt. Die KV schreibt auf Nachfrage dazu, dass man sich in weiteren Bewerbungsgesprächen befinde.

Ein weiterer Kritikpunkt seitens der Mediziner, die ihre Namen allerdings nicht in der Zeitung lesen möchten: Die Modalitäten zur Abrechnung der Dienste seien nicht klar. Hier sei die KV Informationen schuldig geblieben. Diesen Vorwurf weist die Kassenärztliche Vereinigung allerdings strikt zurück. Wörtlich schreibt sie: „Dies ist unrichtig. Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wurden ausführlich schriftlich informiert. Für Fragen zu diesen Ausführungen können sich Ärztinnen und Ärzte immer an die KV RLP wenden.“

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Hintergrunddienste unbesetzt

Das tun sie in puncto Hintergrunddienste jedenfalls eher spärlich. Zur Erklärung: In den drei ÄBP sitzt jeweils ein Arzt – in Kirchen täglich bis 23 Uhr, in Altenkirchen mittwochs und wochenends bis 23 Uhr, in Hachenburg täglich bis 7 Uhr am nächsten Morgen. Hinzu kommen zwei Fahrdienste mit Sitz in Kirchen und Hachenburg. Für diese bis zu fünf Mediziner steht ein Kollege bereit, falls jemand ausfällt, eben „im Hintergrund“.

Allerdings geht das mit der Realität nicht so recht überein. Für den Monat Oktober steht bei rund der Hälfte aller zu besetzenden Hintergrunddienste das Wörtchen „frei“ in der Liste. Für November sind es noch etwa 90 Prozent. Dabei hat die KV durchaus einen Anreiz geschaffen: Es gibt eine Art Aufwandsentschädigung für einen Hintergrunddienst, die – im überschaubaren Rahmen – nach Stunden abgerechnet wird.

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Notfalls zum Dienst verpflichten

Für den „Vordergrund“, also den konkreten Dienst in einer der ÄBP oder im Fahrdienst, sind der reinen Lehre nach pro Niedergelassenem 2,58 Schichten pro Vierteljahr errechnet. Die KV schreibt zur Problematik mit den zu besetzenden Diensten, dass die Reform in erster Linie dem akuten und künftigen Ärztemangel geschuldet sei. „Dienstbelastungen im Bereitschaftsdienst müssen möglichst gering gehalten werden, um die Attraktivität von Rheinland-Pfalz für junge Ärztinnen und Ärzte, die großen Wert auf die Vereinbarkeit von Familie, Freizeit und Beruf legen, im Wettbewerb der Bundesländer um medizinischen Nachwuchs zu erhalten.“

Dies gilt es möglichst zu vermeiden.
Kassenärztliche Vereinigung
zum etwaigen Dienstzwang

Ziel der KV sei es, die zu vergebenden Dienste auf freiwilliger Basis zu verteilen. Weiter: „Wenn dies nachhaltig nicht gelingt, müsste die KV RLP, um ihren gesetzlichen Sicherstellungsauftrag umzusetzen, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte zu Diensten verpflichten.“ Aber: „Dies gilt es möglichst zu vermeiden.“

Es folgt ein Satz, der vor allem Patienten – also die Bürger – betrifft: „In Einzelfällen kann es auch bei voller Dienstplanbesetzung aller Vorder- und Hintergrunddienste immer vorkommen, dass durch kurzfristige Personalausfälle auf andere ÄBP verwiesen werden muss.“ Bedeutet: Man müsste in einem solchen Fall nachts von Mudersbach oder Friesenhagen aus nicht nur bis nach Hachenburg fahren, sondern noch deutlich weiter.

Wobei die KV betont: „Hierbei gilt es zu beachten, dass der Ärztliche Bereitschaftsdienst nicht für die Versorgung lebensbedrohlicher Gesundheitsstörungen zuständig ist, sondern der Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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