DRK-Einsatz unter widrigsten Bedingungen
Struktur ins Chaos bringen

Haben fast eine Woche Bevölkerung und Helfer im massiv betroffenen Ort Schuld versorgt: Die „SEG Verpflegung“ aus Herdorf
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dach Kreis Altenkirchen/Kreis Ahrweiler. Die erste Station war gleich der Ort, an dem das Unwetter vermutlich das größte Leid hinterlassen hat: ein Heim für Behinderte in Sinzig. Zwölf Bewohner sind in den Wassermassen umgekommen. Dort habe man nichts ausrichten können, berichtet Stefen Nilius. Der stellvertretende Kreisbereitschaftsleiter des DRK war dort mit seinem Team des Einsatzleitwagens hinbeordert worden, so wie weitere Kräfte. Doch das Haus liege in einer Senke. Überall, wirklich überall sei Wasser gewesen, so Nilius. Einen Tag später dann die bittere Gewissheit: Die Feuerwehr barg die Opfer.

Das Rote Kreuz aus dem AK-Land wurde gleich am Tag nach der verhängnisvollen Nacht in der Eifel angefordert. 60 Frauen und Männer in mehr als 25 Fahrzeugen machten sich auf den Weg, wie Nilius im Gespräch mit der SZ erzählt. Ziel war zunächst ein großer Betriebsparkplatz in der Ortschaft Grafschaft. Von dort aus wurden einzelne „Trupps“, nach Funktionen unterteilt, in den Einsatz geschickt.

Unentwegt kamen Hubschrauber zur Hilfe

Für Steffen Nilius und seine direkten Kollegen hieß das nach Sinzig erst einmal: Flugplatz Ahrweiler. „Da kamen unentwegt Hubschrauber.“ Die hatten entweder Leichtverletzte an Bord oder Anwohner, die vor der Flut aus der Luft gerettet worden waren. Vordringlichste Aufgabe: sich um diese Menschen kümmern. Sie entweder zu versorgen, in ein Krankenhaus zu bringen – oder in die Rheinhalle nach Remagen, wo weitere Kräfte aus dem Kreis Altenkirchen eine Notunterkunft eingerichtet hatten. Nilius: „Wir haben versucht, Struktur ins Chaos zu bringen. Das war der Job.“ Dazu gehörte auch der Transport der PSNV’ler, die Fachkräfte der Psychosozialen Notfallversorgung. Die wurden von den Altenkirchener Rotkreuzlern ins ganze Katastrophengebiet gebracht.

Mit mehreren Einsatzfahrzeugen fuhr das DRK Kreis Altenkirchen ins Katastrophengebiet.
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Die Aufgaben waren und sind vielfältig. Fast eine Woche lang war die Verpflegungseinheit des AK-Rotkreuzes aus Herdorf dafür zuständig, die Bewohner und alle Helfer im Dorf Schuld zu versorgen. Der Ort, der vielleicht am schwersten von den Wassermassen heimgesucht worden ist. Zwar meint Stefan Theis, ebenfalls stellv. Kreisbereitschaftsleiter, dass gerade der Herdorfer DRK-Ortsverband ein besonders starker sei. Aber, so Nilius: „Das war höchste Zeit, dass wir diese Kollegen am Samstag rausgeholt haben.“

In Pausen kaum gesprochen

Denn: Die Arbeit vor Ort sei eben mit nichts zu vergleichen. In den wenigen Pausen, die sich die Rettungskräften gönnen, werde daher auch kaum gesprochen. „Ich habe noch nie einen Einsatz gesehen, der so in die Fläche geht, mit solch einer Zerstörung.“ Gleichzeitig bricht er eine Lanze für seine Kollegen: „Die Kameraden haben alles gegeben.“

Die Kameraden
haben alles gegeben.
Steffen Nilius
stellv. Kreisbereitschaftsleiter

In der vergangenen Woche war der Einsatzleitwagen noch einmal gefragt: Von der Kahlenborner Höhe aus koordinierte das Team aus dem AK-Kreis sämtliche Kräfte, die einem bestimmten Abschnitt zugeordnet waren, zu dem 16 Dörfer und Weiler gehören. Vorrangiges Ziel: Kontakt in jeden Ort halten, zu diversen Rettungsorganisationen. Das sei eine „immense Aufgabe“ gewesen, so Theis. Und Nilius weist darauf hin, dass kaum eine Telefonverbindung bis zum Ende des Gesprächs stabil geblieben sei.

An Baum geklammert bis Rettung kam

Generell seien die Umstände erdenklich widrig. „Überhaupt erst einmal an einer Einsatzstelle anzukommen...“, so Stefan Theis, ebenfalls Leiter der DRK-Bereitschaft Kirchen. Und immer wieder kommt das Leid der Menschen, die teils alles verloren haben, ins Spiel. Theis berichtet von den Erzählungen der Kollegen der Schnelleinsatzgruppe (SEG) Betreuung, die das Lager in Remagen eingerichtet hatten. Da sei ein älterer Herr nur in Unterwäsche aufgeschlagen. Es habe sich herausgestellt, dass es ihm gelungen sei, sich drei Kilometer von seinem Wohnhaus entfernt an einem Baum festzuhalten, bis Rettung nahte. „Und sowas bekommen die Kollegen dann eins zu eins mit“, so Theis.

In der Rheinhalle in Remagen hatte die „SEG Betreuung“ ein Lager eingerichtet.
  • In der Rheinhalle in Remagen hatte die „SEG Betreuung“ ein Lager eingerichtet.
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Er will den Fokus aber auch solche lenken, die seiner Auffassung nach viel zu selten Berücksichtigung erfahren: die Angehörigen der Einsatzkräfte. „Viele von uns haben Familie, und die lassen wir dann gerade mal so eine Woche alleine...“

Einzelne DRK’ler sind auch derzeit noch in diversen Stäben im Einsatz. Das Gros sei aber aktuell zu Hause. Dabei dürfte es aber nicht bleiben. Nilius: „Wie werden wieder in den Einsatz gehen.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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