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Missbrauchs-Prozess in Koblenz
Torben B. muss in die Psychiatrie

Der 32-jährige Torben B. wird in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht und therapiert.
  • Der 32-jährige Torben B. wird in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht und therapiert.
  • Foto: Pixabay (Symbolfoto)
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dach Koblenz. 32 Jahre hat es gedauert, glaubt man Dr. Ingo Baltes, bis Torben B. eine korrekte Diagnose erhalten hat. Der Mann aus der Verbandsgemeinde Kirchen, der sich am Landgericht Koblenz wegen zweifachen sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten musste, hat gar keinen Gendefekt. Davon hatten aber Mutter und Stiefvater – beide auch gesetzliche Betreuer von Torben B. – am Montag mehrfach berichtet.

Am zweiten Prozesstag nun erläuterte Baltes: Eine entsprechende Untersuchung schließe dies aus. Der Angeklagte habe vielmehr unter der Geburt eine Blutvergiftung erlitten und einen Hirnschaden davongetragen. Darüber hinaus diagnostizierte er bei Torben B. (Name geändert) eine intellektuelle Minderbegabung, die aber ins familiäre Gesamtbild passe.

dach Koblenz. 32 Jahre hat es gedauert, glaubt man Dr. Ingo Baltes, bis Torben B. eine korrekte Diagnose erhalten hat. Der Mann aus der Verbandsgemeinde Kirchen, der sich am Landgericht Koblenz wegen zweifachen sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten musste, hat gar keinen Gendefekt. Davon hatten aber Mutter und Stiefvater – beide auch gesetzliche Betreuer von Torben B. – am Montag mehrfach berichtet.

Am zweiten Prozesstag nun erläuterte Baltes: Eine entsprechende Untersuchung schließe dies aus. Der Angeklagte habe vielmehr unter der Geburt eine Blutvergiftung erlitten und einen Hirnschaden davongetragen. Darüber hinaus diagnostizierte er bei Torben B. (Name geändert) eine intellektuelle Minderbegabung, die aber ins familiäre Gesamtbild passe. Von seinen nächsten Verwandten – auch wenn Torben B. meinte, „ich möchte zu Hause wohnen bleiben, solange Mama und Papa mich ertragen,“ – wird er sich aber trennen müssen.

Missbrauchs-Prozess in Koblenz: Klassische Verhaltenstherapie angeordnet

Die 12. Strafkammer befand ihn schuldig. Demnach hatte er einmal zwei ältere Mädchen (12 und 13 Jahre) in ein anzügliches Gespräch verwickelt und sich dabei oberhalb der Hose samt Erektion mehrfach selbst angefasst. Ein zweites Mal waren zwei sechsjährige Mädchen das Ziel seines Vorgehens. Zehn Monate Haft, lautete das Urteil – und: die Unterbringung in einer psychiatrischen Anstalt, wo er eine klassische Verhaltenstherapie durchlaufen soll. Auf lange Sicht komme – Therapieerfolg vorausgesetzt – eine Wohngruppe infrage, so die Vorsitzende Richterin Annegret Werner, die sich an Toben B. wandte: „Das ist auch eine Chance für Sie.“

Ich möchte zu Hause wohnen bleiben, solange Mama und Papa mich ertragen.
Torben B.
Angeklagter

Eine Unterbringung hatte auch Staatsanwältin Julia Feldpausch gefordert, gekoppelt an eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, allerdings zur Bewährung. Verteidiger Klaus Roth hatte zunächst auf Freispruch plädiert, dann auf neun Monate zur Bewährung – und dass Torben B. zu Hause wohnen bleiben darf: „Man sollte ihm diese Chance geben.“

Missbrauchs-Prozess in Koblenz:  Gutachten empfiehlt Unterbringung

Das sah Dr. Baltes anders. Er hatte mit seinem Gutachten die Empfehlung zu einer Unterbringung gegeben. Im sozialen Gefüge des Angeklagten könne er keine Strukturen erkennen, die dessen Verhalten verändern könnten, so Baltes. Außerdem kam er zu dem Schluss, dass die Gesamtumstände „ambulant nicht beherrschbar“ seien, die Voraussetzung für eine Unterbringung in einer Anstalt „lehrbuchhaft erfüllt“.

Er attestierte Torben B. mit seinen 32 Jahren „im Saft“ zu stehen – oder medizinisch ausgedrückt – geschlechtsreif zu sein. Nur komme Sexualität bei ihm nicht vor. Er rede stets nur vom Wasserlassen, so Dr. Baltes. Hier sieht der Experte „wohl eine massive Beeinflussung durch die Eltern“, dabei sei Torben B. „bedürftig“, könne dies aber nicht umsetzen.

Geistig beeinträchtigter 32-Jähriger am Landgericht angeklagt

Mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ werde Torben B. wieder in „gezielte sexuelle Situationsmuster“ verfallen. Das war vielleicht die wichtigste Einschätzung für das Gericht. Zumal Baltes dies auch auf die Aggressionen und gezielten Körperverletzungen durch Torben B. übertrug. Dabei seien ihm gesellschaftliche Spielregeln nicht fremd. Bei seinen Gesprächen mit Torben B., berichtete Baltes, sei dieser „lammfromm“ gewesen.

Missbrauchs-Prozess in Koblenz: Deutliche Kritik an Eltern und Arbeitsstätte

Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ging weiter mit den Eltern und auch mit der Arbeitsstätte von Torben B. hart ins Gericht. Mutter und Stiefvater werden demnach laufend schlimm von Torben B. beleidigt. Das übertrage sich auch auf die Behinderteneinrichtung, in der der 32-Jährige seine Tage verbringt. Nur werde er hier zudem noch gewalttätig, außerdem lege er auch hier ein sexualisiertes Verhalten an den Tag.

Doch sämtliche Vorfälle seien innerhalb der Einrichtung geblieben. Baltes: „Sowas habe ich in 34 Jahren Berufserfahrung noch nicht erlebt.“ Den Eltern attestierte er eine „katastrophale Bagatellisierung“ des Verhaltens ihres Sohnes. Deren Betreuung sei „gut gemeint, aber ausgesprochen schlecht gemacht“.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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