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Auch Wölfe haben das Schutzgebiet entdeckt
Träumerische Leuscheider Heide

Die gemischte Herde aus Moor- und Heidschnucken sowie Ziegen wird zur Landschaftspflege eingesetzt. Bisher gab es noch keine Zwischenfälle mit Wölfen.
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  • Die gemischte Herde aus Moor- und Heidschnucken sowie Ziegen wird zur Landschaftspflege eingesetzt. Bisher gab es noch keine Zwischenfälle mit Wölfen.
  • Foto: P. Weisenfeld
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

goeb Kircheib. Die Besuchergruppe steht mitten auf der Heide und atmet kühle, würzige Luft ein. Es ist fast still, wäre da nicht irgendwo eine Straße und ein gefräßiger Harvester, der sich in einem erbärmlich aussehenden Fichtenstück austobt.
Mein Gott, ist das schön hier! Bisschen wie bei Hermann Löns. Und so weitläufig. So etwas gibt es im Kreis Altenkirchen? Allerhand. Wer sich mal richtig verlaufen möchte, der hat dazu beste Gelegenheit im FFH-Schutzgebiet Leuscheider Heide.
Heide und Wald in zwei BundesländernEs handelt sich dabei um ein Grenzgebiet ganz am unteren Ende des Kreises Altenkirchen. Rund 1100 Hektar sind es auf rheinland-pfälzischer Seite, über 2000 Hektar kommen auf NRW-Seite noch einmal hinzu.

goeb Kircheib. Die Besuchergruppe steht mitten auf der Heide und atmet kühle, würzige Luft ein. Es ist fast still, wäre da nicht irgendwo eine Straße und ein gefräßiger Harvester, der sich in einem erbärmlich aussehenden Fichtenstück austobt.
Mein Gott, ist das schön hier! Bisschen wie bei Hermann Löns. Und so weitläufig. So etwas gibt es im Kreis Altenkirchen? Allerhand. Wer sich mal richtig verlaufen möchte, der hat dazu beste Gelegenheit im FFH-Schutzgebiet Leuscheider Heide.

Heide und Wald in zwei Bundesländern

Es handelt sich dabei um ein Grenzgebiet ganz am unteren Ende des Kreises Altenkirchen. Rund 1100 Hektar sind es auf rheinland-pfälzischer Seite, über 2000 Hektar kommen auf NRW-Seite noch einmal hinzu. Über etliche Kilometer erstrecken sich Heide und überwiegend Wald zwischen Leuscheid, Weyerbusch, Kircheib und Eitorf. Die Naturraumeinheit nennt sich „Südliches Mittelsiegbergland“. Zuletzt machte sie von sich reden, als hier Wölfe gesichtet wurden. Und gleich mehrere von ihnen.
Der frühere Landrat Michael Lieber war vor zehn Jahren schon einmal hier, ebenso Wolfgang Stock vom BUND. Den Biotopbetreuer des Kreises Altenkirchen, Peter Weisenfeld, verschlägt es natürlich öfter in diesen exotisch anmutenden Sprengel. Er berichtet auch Hans-Jürgen Lichte und Fiete Klein, beide ebenfalls im BUND aktiv, von seinen Bemühungen, diesen für unsere Gegend so untypischen Lebensraum für die Nachwelt zu erhalten.

Schafe sind Landschaftspfleger

Heute gibt es nur noch Restbestände an feuchter Moor- und Heide-Landschaft in der dünn besiedelten Gegend, und was noch vorhanden ist, so berichtet er, muss gepflegt werden. Mechanisch kann man das mit einem Rückschnitt bewerkstelligen oder mit „Abplaggen“, also einem Freischieben des Rohbodens, wie vor einigen Jahren schon einmal geschehen.
Mehr noch helfen die vierbeinigen Landschaftspfleger. Weisenfeld hat einen Schäfer aus dem Kreis Ahrweiler gewinnen können dafür. Wo die Gruppe jetzt steht, im Naturschutzgebiet Moor- und Heidegebiet bei Kircheib (21 Hektar), hat eine 300-köpfige Herde aus Heid- und Moorschnucken sowie Angoraziegen eine Woche lang Tabula rasa gemacht.
Die Glockenheide (Erica tetralix) beispielsweise braucht den kräftigen Biss der Tiere, um sich zu verjüngen.

Überalterung verhindern

Geschieht das nicht, wuchert zunächst das zähe Pfeifengras die Flächen zu, ehe der Wald den Lebensraum zurückerobert. Auch das gewöhnliche Heidekraut (Calluna) verholzt mit den Jahren, wenn es nicht immer wieder angeknabbert wird. Das sind typische Anzeichen von Überalterung. Verfilzt die Grasnarbe, weil nicht mehr bewirtschaftet wird, nimmt unweigerlich auch die Artenvielfalt ab.
Doch die Heide ist zäh. Als die Orkane „Vivien“ und „Wiebke“ Ende 1990 über die Wälder zogen und die Bäume abbrachen wie Streichhölzer, zeigte sich auf den Brachflächen Erikas „zweite Luft“. Der Staatsforst kam dem Naturschutz entgegen und forstete Teilflächen nicht wieder auf. Es hatte sich nämlich gezeigt, dass die Heide wieder spross, nachdem mehr Licht den Boden erreichte. Offenbar hatten viele Samen im Boden überlebt.

Termin mit Staatsforst steht an

Jetzt ist man durch die verheerenden Schäden, die der Borkenkäfer angerichtet hat, wieder an so einem Punkt. „Es wäre sehr schön, wenn die Heide eine weitere Chance bekäme“, schlägt Weisenfeld behutsam vor. Er würde es begrüßen, wenn einige Bereiche nicht wiederaufgeforstet würden. Ortstermine mit dem Staatsforst als Besitzer stehen demnächst an.
Neben einer gut 6,5 Hektar großen Heidefläche gibt es in der Leuscheid auf rheinland-pfälzischer Seite im Kreis fünf weitere Flächen, die über Forstwege und Randstreifen als Verbundsystem untereinander vernetzt sind. Verbundsysteme, erklärt der Betreuer, sind elementar wichtig, denn nur so können Schmetterlinge, Heuschrecken, viele andere Insekten und Wirbellose, Reptilien, Amphibien sowie kleine Säuger einer mitunter tödlichen Insellage entgehen und sich ausbreiten.
Die Biotopflegemaßnahmen werden von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD) als Obere Naturschutzbehörde finanziell unterstützt.

Romantischer Spaziergang

Aber abseits der Chancen für seltene Tier- und Pflanzenarten, wie Waldschnepfe und Schwarzstorch, Fieberklee oder Lungen-Enzian, schlägt die Leuscheider Heide auch dem sanften Tourismus eine Bresche. Es ist einfach sehr romantisch, zwischen Wiese, Heide, Moor und Wald zu wandeln.
Die anspruchslosen Schafe stammen ursprünglich aus der Lüneburger Heide. Sie fressen sogar das zähe Pfeifengras, wenn es nichts Besseres zu knabbern gibt, den ledrigen Ilex, die Stechpalme, die im nahen Eichen-Hainbuchenwald regelrecht wuchert und einen „Wald im Wald“ bildet, sowie den stacheligen Englischen Ginster verschmähen sie. Zusammen mit den genügsamer lebenden Ziegen kommt die sogenannte Umtriebsweidewirtschaft über die Runden und schützt den Biotop.
Dieser seltene Lebensraum ist ein fernes Echo früherer Bewirtschaftungsformen, als die völlig verarmten Landbewohner auf den mageren, nassen Böden irgendwie versuchten, über die Runden zu kommen. Schon aus diesen historischen Gründen sollte uns daran gelegen sein, diese Landschaftsform zu erhalten.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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