Motoren-Projekt mit Beteiligung aus dem AK-Land
Vorfahrt für Wasserstoff

Mit Beteiligung von Firmen aus dem Kreis Altenkirchen startet landesweit ein Projekt, das einen Wasserstoff-Verbrennungsmotor für Nutzfahrzeuge entwickeln soll. Unser Archivbild zeigt die Wasserstofftankstelle im Leimbachtal in Siegen.
  • Mit Beteiligung von Firmen aus dem Kreis Altenkirchen startet landesweit ein Projekt, das einen Wasserstoff-Verbrennungsmotor für Nutzfahrzeuge entwickeln soll. Unser Archivbild zeigt die Wasserstofftankstelle im Leimbachtal in Siegen.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sz Kreis Altenkirchen/Mainz. Innovation aus Rheinland-Pfalz und dem AK-Land: 20 Partner aus Industrie und Forschung entwickeln und erproben in einem gemeinsamen Projekt unter maßgeblicher Beteiligung des Commercial Vehicle Clusters (CVC) Wasserstoff-Verbrennungsmotoren. Der Bund unterstützt das Projekt „WaVe“ – „Entwicklung und prototypische Erprobung von Wasserstoff-Verbrennungsmotoren als emissionsfreie Antriebssysteme für Nutzfahrzeuge im Medium-Duty Segment“ – mit einem zweistelligen Millionenbetrag. Das hat Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing am Freitag bekannt gegeben. Aus dem Kreis Altenkirchen sind laut Pressemitteilung die Firmen Cryotherm (Euteneuen) und Thomas Magnete (Herdorf) mit dabei.

Lobeslied auf den Motor auf Wasserstoffbasis

„Rheinland-Pfalz zeigt einmal mehr, dass wir einer der führenden technologischen Nutzfahrzeugstandorte in Deutschland sind“, sagte Wissing. „Das Projekt ist – nach dem Motorenprüfstand an der TU Kaiserslautern – ein weiterer wichtiger Schritt in unserer ‚Wasserstoffstrategie für Nutzfahrzeuge‘. Denn nicht der Verbrennungsmotor ist klimaschädlich, sondern gegebenenfalls der verbrannte Kraftstoff. Mit einem Verbrennungsmotor auf Wasserstoffbasis eröffnen wir neue Einsatzmöglichkeiten für diesen emissionsfreien Antrieb, denn gerade beim Einsatz in Nutzfahrzeugen kommt eine herkömmliche Brennstoffzelle an ihre Leistungsgrenzen“, sagte Wissing. Das „WaVe“-Konsortium setzt sich aus 20 Partnern aus Industrie und Forschung zusammen und bildet die gesamte Wertschöpfungskette der Nutzfahrzeugindustrie ab, heißt es aus Mainz. Auf der Industrieseite seien aus Rheinland-Pfalz führende Hersteller, global agierende Systemlieferanten, Unternehmen des industriellen Mittelstands und traditionelle KMU vertreten. Diese breite Industriebeteiligung werde durch mehrere rheinland-pfälzische Forschungseinrichtungen ergänzt.
Peter Siara, Geschäftsführer der Cryotherm GmbH & Co. KG, kommentierte die positive Entscheidung wie folgt: „Cryotherm ist ein führender industrieller Anbieter von Tank- und Kupplungssystemen für Flüssigwasserstoff mit Sitz in Rheinland-Pfalz. Das Projekt ,WaVe’ wird einen Meilenstein der deutschen Nutzfahrzeugindustrie auf dem Weg zum emissionsfreien Fahren bilden. Die Bündelung der herausragenden Kompetenzen der verschiedenen Partner des Commercial Vehicle Clusters verschaffen uns einen entscheidenden strategischen Vorsprung.“

Vorhaben mit Gesamtdbudget von 23,4 Millionen Euro

Auch „Mercedes Benz Special Trucks“ aus Wörth am Rhein, welche ebenfalls Konsortialpartner sind, sehen erhebliche Chancen in diesem Projekt. „Zusätzlich zur Brennstoffzellen-Technologie schauen wir uns auch den nahezu CO2-neutralen Wasserstoff-Motor an. Für sehr spezielle Anwendungsfälle könnten Wasserstoff-Motoren geeignet sein. Hierzu arbeiten wir von Mercedes Benz Special Trucks mit dem Konsortium eng zusammen“, so das Unternehmen.
Das Projekt wurde von der CVC Nutzfahrzeug GmbH mit Sitz in Kaiserslautern im Zuge der Umsetzung der CVC-Wasserstoffstrategie für Nutzfahrzeuge erfolgreich beantragt. Das Land ist einer der Gesellschafter der GmbH. Das Vorhaben hat ein beantragtes Gesamtbudget von 23,4 Millionen Euro, das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Vorhaben über drei Jahre (2021 bis 2024) mit bis zu 14 Millionen Euro.

Gute Alternative Der Projektansatz: Die Nutzfahrzeugindustrie (Lkw, Land- und Baumaschinen) steht vor der großen Herausforderung, kostengünstige und emissionsfreie Antriebssysteme anzubieten. Batterieelektrische Antriebe werden sich jedoch nur in eng begrenzten Nischen etablieren können. Brennstoffzellenfahrzeuge wiederum haben den großen Nachteil, dass sie ein Vielfaches eines diesel-betriebenen kosten und das Antriebsaggregat zudem viel Einbauraum benötigt. Wasserstoffbasierte Verbrennungsmotoren sind nach Darstellung des Ministeriums eine effektive und kostengünstige Alternative, um emissionsfreie Antriebe für Nutzfahrzeuge zu realisieren und so das Portfolio geeigneter Antriebssysteme sinnvoll zu ergänzen. Im geplanten Vorhaben soll auf der Basis der Vorarbeiten und technologischen Kompetenzen der Partner ein komplettes wasserstoffbasiertes Antriebssystem entwickelt, in Nutzfahrzeuge integriert und prototypisch erprobt werden. Das Antriebssystem umfasst dabei nicht nur den Verbrennungsmotor, sondern zum Beispiel auch neuartige Motorkomponenten, das Tanksystem, Regelventile, Leitungssysteme, Motorsteuerung, Sicherheitskonzepte und anderes. Der inhaltlich breit angelegte Ansatz ist zwingend notwendig, um nach Ablauf des Fördervorhabens möglich schnell die Potenziale einer Serienentwicklung und -produktion realistisch abschätzen zu können.
Autor:

Redaktion Altenkirchen aus Betzdorf

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