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CO2-Speicherung soll honoriert werden
Waldbesitzer fordern ihren Lohn

Ein gesunder Wald kann Unmengen klimaschädliches CO2 binden. Für diese Dienstleistung an der Natur und damit auch an der Menschheit fordern die Waldbesitzer jetzt einen
gerechten Lohn.
  • Ein gesunder Wald kann Unmengen klimaschädliches CO2 binden. Für diese Dienstleistung an der Natur und damit auch an der Menschheit fordern die Waldbesitzer jetzt einen
    gerechten Lohn.
  • Foto: damo
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Kreis Altenkirchen. „No trespassing“: Wer in den Vereinigten Staaten mal versucht hat, außerhalb der Nationalparks in den Wald zu gelangen, wird diese Schilder kennen. Aber man muss gar nicht so weit fahren, um Betreten-verboten-Schilder im Wald zu entdecken: Auch in einigen europäischen Nachbarländern riegeln Waldbesitzer ihren Besitz rigoros ab. Ganz anders das Bild im deutschen Wald: Den kann jeder betreten, dort darf sich jeder Pilze und Beeren sammeln, und wer nicht gerade nachts durchs Unterholz streift, muss auch die Begegnung mit dem Förster nicht fürchten. Diese Erholungsfunktion des Waldes ist im Waldgesetz verankert.

damo Kreis Altenkirchen. „No trespassing“: Wer in den Vereinigten Staaten mal versucht hat, außerhalb der Nationalparks in den Wald zu gelangen, wird diese Schilder kennen. Aber man muss gar nicht so weit fahren, um Betreten-verboten-Schilder im Wald zu entdecken: Auch in einigen europäischen Nachbarländern riegeln Waldbesitzer ihren Besitz rigoros ab. Ganz anders das Bild im deutschen Wald: Den kann jeder betreten, dort darf sich jeder Pilze und Beeren sammeln, und wer nicht gerade nachts durchs Unterholz streift, muss auch die Begegnung mit dem Förster nicht fürchten. Diese Erholungsfunktion des Waldes ist im Waldgesetz verankert.
Und sie ist beileibe nicht das einzige, das der Wald für uns tut: Er reinigt das Wasser, er schützt vor Bodenerosion, er ist ein Hort der Biodiversität, er liefert gerade im ländlichen Raum viele Arbeitsplätze, er produziert Sauerstoff. Und mit Blick auf den Klimawandel ist von besonderem Gewicht: „Er ist der größte CO2-Speicher, den wir haben.“
Das betonen Nikolaus Graf Hatzfeldt und Forstdirektor Dr. Franz Straubinger im Gespräch mit der SZ nicht zufällig: Denn sie sind der Meinung, dass den Waldbesitzern ein Lohn für diese Dienstleistung am Ökosystem zusteht.

"Wollen einfach unsere Leistung honoriert haben"

„Wir reden hier nicht von Subventionen für die Waldbesitzer“, sagt von Hatzfeldt: „Wir wollen einfach nur unsere Leistung honoriert haben.“ Und zwar nicht, indem Spaziergänger künftig ein Eintrittsgeld zahlen müssen, sondern aus einem Topf, der sich ab dem kommenden Jahr ohnehin stetig füllen wird: mit den Einnahmen der CO2-Steuer.
Ab Januar 2021 will Deutschland den CO2-Ausstoß nicht mehr nur mit dem Emissionshandel lenken und vor allem senken, sondern auch mit einer neuen Steuer. Diese soll – vereinfacht gesagt – immer dann fällig werden, wenn das klimaschädliche Kohlendioxid freigesetzt wird, zum Beispiel in der Industrie, aber auch beim Befüllen des Heizöltanks oder an der Zapfsäule.
„Wenn jemand CO2 emittiert, muss er zahlen“, sagt von Hatzfeldt, „da erscheint es nur gerecht, dass auch honoriert wird, wenn CO2 gebunden wird“. Mit dieser Meinung steht er nicht allein da: Als Vorsitzender des Landesverbands der Familienbetriebe Land und Forst spricht er für viele Waldbesitzer in Rheinland-Pfalz. Und er weiß, dass er mit seiner Forderung im Einklang mit den übrigen großen Waldbesitzerverbänden steht.

CO2-Bindung als Resultat nachhaltiger Bewirtschaftung

Denn für die Waldbesitzer steht außer Frage: Dass der Wald im großen Stil CO2 binden kann, ist das Ergebnis einer nachhaltigen Bewirtschaftung – und die verschlingt gerade im Moment enorme Summen. Denn da, wo Borkenkäfer gewütet haben oder Buchen der Dürre zum Opfer fallen, müssen die Waldbesitzer handeln. „Würden wir jetzt auf den Freiflächen alles sich selbst überlassen, würde dort viel weniger Kohlendioxid gespeichert“, sagt Straubinger: „Denn dann würden sich Birken, Holunder oder Brombeeren ausbreiten, und die können einfach nicht so viel CO2 binden. Und auf den Flächen, wo bislang Fichten standen, würden nur neue Fichten wachsen – ohne Erfolgsaussicht.“
Ein stabiler Mischwald hingegen lege in einem Jahr pro Hektar rund 8 Festmeter Holz zu, rechnet Straubinger vor. Damit binde der Wald auf einer Fläche, die nur unwesentlich größer ist als ein Fußballfeld, 8 Tonnen CO2. „Deshalb ist der Wald ein entscheidender Faktor im Kampf gegen den Klimawandel“, sagt Straubinger.

Brennholz wird nicht in Rechnung mit einbezogen

Nun ist die 8-Tonnen-Rechnung nicht ganz ehrlich – und das wissen auch die Waldbesitzer. Schließlich wird ein Teil des Holzes als Brennstoff verfeuert. Weil Holz klimaneutral verbrennt, mag das zwar immer noch besser sein als jeder fossile Brennstoff – aber man kann nicht von einer langfristigen Speicherung sprechen. Deshalb fordern die Waldbesitzer auch nicht für die vollen 8 Tonnen CO2 einen finanziellen Ausgleich. Sie haben im Schulterschluss mit der Mainzer Landesregierung und einigen Hochschulen ausgerechnet, dass etwa 4,5 der 8 Festmeter als langfristiger Speicher dienen. Denn eben diese 4,5 Festmeter bleiben stehen oder werden zu Dachstühlen, Fußböden oder Möbeln verarbeitet.
Und so kommen die Waldbesitzer auf folgende Gleichung: Wenn diejenigen, die eine Tonne CO2 in die Luft pusten, dafür im kommenden Jahr 25 Euro zahlen müssen, sollten die Waldbesitzer den 4,5-fach Satz pro Hektar bekommen. Und zwar langfristig.

Zeitpunkt der Forderung kein Zufall

Dass diese Forderung ausgerechnet in einer Zeit laut wird, in der Wald leidet wie selten zuvor, ist kein Zufall: „Die Forderung zu stellen, unsere Ökosystem-Dienstleistung honoriert zu bekommen, wäre natürlich auch schon früher legitim gewesen“, räumt von Hatzfeldt ein. „Aber bislang ist diese Dienstleistung an der Gesellschaft einfach mitgelaufen, weil wir mit Holz Geld verdient haben.“ Die Zeiten aber seien vorerst vorbei: „Wir haben zwar noch unseren Besitz, aber hohe Kosten und immer weniger Liquidität.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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