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Zweiter Unfall auf der B8 bei Altenkirchen
Wolfsrüde von Auto erfasst

Der junge Wolfsrüde hat den Zusammenstoß auf der B 8 bei Altenkirchen nicht überlebt.

damo Altenkirchen. Die Wälder bei Leuscheid dürften ziemlich nahe an das herankommen, was ein Wolf mit dem Etikett „hübscher Lebensraum“ versehen würde. Sie erstrecken sich über mehrere Quadratkilometer, sind vergleichsweise unberührt und abgeschieden, und sie bieten einen stabilen Bestand an Rehen und Wildschweinen. Nicht allzu überraschend also, dass sich dort, im Grenzbereich von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, ein Wolfsrudel etabliert hat. Nur einen Haken hat der Leuscheider Wald: Er wird an seinem südlichen Rand von einer Bundesstraße durchschnitten. Und genau das hat jetzt einen jungen Wolfsrüden das Leben gekostet.
Weniger Glück als die MutterAm Mittwochabend vergangener Woche ist das Tier von einem Auto erfasst worden.

damo Altenkirchen. Die Wälder bei Leuscheid dürften ziemlich nahe an das herankommen, was ein Wolf mit dem Etikett „hübscher Lebensraum“ versehen würde. Sie erstrecken sich über mehrere Quadratkilometer, sind vergleichsweise unberührt und abgeschieden, und sie bieten einen stabilen Bestand an Rehen und Wildschweinen. Nicht allzu überraschend also, dass sich dort, im Grenzbereich von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, ein Wolfsrudel etabliert hat. Nur einen Haken hat der Leuscheider Wald: Er wird an seinem südlichen Rand von einer Bundesstraße durchschnitten. Und genau das hat jetzt einen jungen Wolfsrüden das Leben gekostet.

Weniger Glück als die Mutter

Am Mittwochabend vergangener Woche ist das Tier von einem Auto erfasst worden. Und der junge Wolf hatte weniger Glück als seine Mutter ein paar Monate zuvor: Auch sie ist auf der Bundesstraße von einem fahrenden Auto erwischt worden, allerdings nur leicht. Die Fähe kam mit leichten Verletzungen davon. Der neuerliche Zusammenstoß aber war letal: Das Jungtier ist noch an der Unfallstelle verendet.
Aktuell liegt der Kadaver des Wolfs im Forstamt Altenkirchen. Von dort soll er an ein wildbiologisches Institut in Berlin geschickt werden: „Dort wird der Ernährungs- und Gesundheitszustand des Tiers untersucht“, sagt Peter Scholz. Für den Büroleiter des Altenkirchener Forstamts steht aber außer Frage, dass die Kollision mit dem Auto das Leben des jungen Rüden beendet hat.

Wolf muss auf Obduktionstisch

Trotzdem: Auf den Obduktionstisch muss das Tier, erklärt der Großkarnivoren-Beauftragte der Landesregierung, Dr. Paul Bergweiler, im Gespräch mit der SZ: „Alle toten Wölfe werden untersucht.“ Neben dieser „Autopsie“ ist auch noch eine DNA-Analyse vorgesehen: Posthum wird das Senckenberg-Institut in Gelnhausen dem Wolf einen genetischen Fingerabdruck abnehmen.
Denn in Deutschland wird dem Wolfs-Monitoring nach wie vor großes Gewicht beigemessen. Und so ist auch die Existenz des Rudels rund um Leuscheid mittlerweile ziemlich umfangreich dokumentiert.
Im vergangenen Jahr hatte ein Revierförster auf Altenkirchener Seite der Landesgrenze Spuren entdeckt, die auf einen Wolf hindeuteten. Im Herbst 2019 war dann ein Wolf über eine Wildkamera bei Wölmersen gestolpert, und auch der glimpflich verlaufene Unfall auf der B8 war mit einer Dashcam festgehalten worden. Als dann gezielt gesucht wurde und mehrere Wildkameras aufgestellt wurden, häuften sich die Nachweise. Etliche Waldarbeiter haben die Wölfe gesehen, es gibt ein knappes Dutzend Fotos und sogar Handy-Filmaufnahmen. Auch Peter Scholz hat beim Hundespaziergang unlängst einen Wolf aus dem Rudel getroffen: „Das war nur ein kurzer Augenblick – aber ich finde es toll, einem solchen Tier zu begegnen.“

DNA-Proben lassen Rückschlüsse auf Rudelstruktur zu

Parallel zu den Sichtungen konnten auch die ersten DNA-Proben analysiert werden. Das bringt ein bisschen Licht ins Dunkel des Rudels, das de facto eher einem Familienverband entspricht. Laut Dr. Bergweiler war das männliche Alttier zuvor im Neuwieder Raum ansässig; woher das Muttertier stammt, ist noch offen. Klar ist aber: „Dass es sich um die Fähe vom Stegskopf handelt, ist nur ein Gerücht“, sagt der Wolfsbeauftragte. Diese sei zwar lange nicht mehr gesichtet worden – aber ihre DNA stimme nicht mit den Anhaftungen überein, die nach dem Verkehrsunfall am Auto gesichert wurden.
Natürlich bedauert der Wolfsbeauftragte den Verkehrsunfall – aber er weiß auch, dass das Sterben zum Leben dazugehört. Und so ist Dr. Bergweiler zumindest erleichtert, dass es keines der beiden Alttiere erwischt hat: „Denn dann hätten sich die Überlebenschancen der übrigen Jungtiere deutlich verringert. So aber bin ich guten Mutes, dass sich das Rudel weiterhin etablieren kann.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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